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Franz Burckhard. Vom „Studentenjob“ Stadtschreiber Ingolstadts zum engsten Führungskreis des Landesherrn
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.226 vom 15.06.2026

In der letzten Ausgabe der Historischen Blätter war vom Mediziner Peter Burckhard die Rede gewesen, der in einer frühen Phase der Glaubensspaltung an der Universität Wittenberg Professorenkollege von Luther und Melanchton war, ehe er in seine Geburtsstadt Ingolstadt zurückkehrte und an ihrer Universität lehrte, wofür er als Student bei Wolfgang Peisser die Grundlagen gelernt hatte.

Hier nun geht es um Franz Burckhard, seinen kleinen Bruder, der, rund 17 Jahre jünger, 1482, ebenfalls in Ingolstadt zur Welt kam.
Vorweg eine Bemerkung zur Namensschreibung: Das Biographische Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität verwendet die Schreibweise Burckhard (der auch die Historischen Blätter folgen). Andere Quellen nutzen die Formen Burkhart, Burghard und Burchhard oder ( zu Franz gar) Burkhard de Burkhardis.

Franz begann sein Studium 1497 in der Artistenfakultät, wechselte nach dem Erwerb des Magistergrades zu den Juristen und studierte insbesondere bei Johann Pettenhofer die Gesetze. 1509 erlangte er das Lizentiat beider Rechte.
Während der nächsten dreieinhalb Jahre war er als Stadtschreiber in Ingolstadt tätig, bis er 1513 zum Doktor beider Rechte promoviert wurde, wonach er zum Rat und Diener des Landesfürsten berufen wurde. 1515 begann seine Karriere als Rechtsprofessor in Ingolstadt, soweit seine weiteren Pflichten eine Lehrtätigkeit zuließen. 1515 bis Juni 1516 unterrichtete er als Zivilist (Pandekten und Codex), 1519 und 1536 – 1539 als Kanonist (letzteres war sozusagen ein Austragsposten). 1521 war übrigens sein großer Bruder Peter aus Wittenberg nach Ingolstadt zurückgekommen. Ab 1522 war Franz zudem Advokat am Reichskammergericht. In diesen Funktionen kämpfte er an der Seite von Johannes Eck versus Luther und gab entscheidende Impulse zur Religionspolitik, war aber auch in den Universitätsangelegenheiten eine zentrale Figur.

Bekannt ist, dass Franz Burckhard in die recht schwierigen Berufungsverhandlungen mit Peter Apian und später zu dessen Darlehen seitens der Universität in beträchtlicher Höhe involviert und teilweise Verhandlungsführer war.(Siehe: Christoph Schöner; Mathematik und Astronomie an der Universität Ingolstadt im 15. und 16. Jahrhundert.)

Franz Burckhard wuchs ganz offensichtlich in einen engen Beraterstab des Herzogs hinein. 1524 wurde er Mitglied einer Kommission von Äbten und Fürstlichen Räten, die mit der Abwicklung von Klostervisitationen und Sanktionen für Glaubensabtrünnige des geistlichen wie des weltlichen Standes betraut war. Der 1524 auf dem Regensburger Konvent eingerichteten Kommission gehörten – neben Burckhard – u.a. Landhofmeister Christoph von Schwarzenberg, Dr. Leonhard Eck, Kanzler Augustin Lösch an. Dieses Gremium reiht sich ein in die Tendenz zum landesherrlichen Kirchenregiment der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, da die Abwehr des Protestantismus erhöhter Anstrengungen bedurfte, die in Bayern wiederum vorwiegend durch die weltliche Gewalt eingeleitet und getragen wurden. Dabei erfuhren die Kirchenhoheitsrechte der bayerischen Herzöge entscheidenden Ausbau durch die päpstlichen Privilegien von 1523 und 1526, die an bereits bestehende Institute anknüpfen konnten, die es den Fürsten erlaubten, eine konkurrierende Strafgerichtsbarkeit über den Klerus zu errichten und ggf. Klostervisitationen durchzuführen, sofern die Bischöfe entsprechenden Aufforderungen nicht nachkamen. Allerdings blieben die Bemühungen wenig erfolgreich und führten erst 1556/1557 unter Albrecht V. zur Einrichtung einer zentralen Institution des landeskirchlichen Kirchenregiments.(Siehe: Maximilian Lanzinner; Fürst, Räte und Landstände. Die Entstehung der Zentralbehörden in Bayern -Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Nr. 61).


Franz Burckhard starb am 9. Dezember 1539 in Rain am Lech, wurde aber in Ingolstadt bestattet.