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Franz Neuffert – ein Raderschüler mit Ingolstadt als akademischer Heimat
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.224 vom 15.05.2026

Franz Neuffardus kam 1576, also vor 450 Jahren in Florenz zur Welt, wuchs aber in Donauwörth auf und trat im Oktober 1594 dem Jesuitenorden bei. Alois Schmid weist im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität auf einen Mentor hin, der für seine Entwicklung als Geistlicher, Wissenschaftler und Literat bedeutsam wurde: „ Er kam in den Umkreis von Matthäus Rader, mit dem er in brieflicher Korrespondenz stand.

Besagter Matthäus Rader (1561 – 1634) war nach Ordensstudien 1581 in die Societas Jesu eingetreten. Durch seine Erziehungstätigkeit am Kolleg St. Salvator in Augsburg und erste Publikationen zog er die Aufmerksamkeit Herzog Wilhelms (I.) auf sich, der 1612 seine Versetzung an das Münchener Kolleg bewirkte. Rader lehrte hier fortan (bis zu seinem Tod) Humaniora und Rhetorik (und war wiederholt Rektor).
Als Pädagoge förderte er durch ungewohnte neue Ansätze („certanima poetica“) gezielt die sprachlichen Fähigkeiten seiner Schüler (darunter auch der große Theaterdichter Jakob Bidermann) und trat selbst als Verfasser von Werken des Jesuitendramas hervor (wie des „Cassian“ und arbeitete mit am „Triumphus Divi Michaelis Angeli“, der 1597 anlässlich der Fertigstellung des neuen Michaelskollegs aufgeführt wurde). Unter Raders philologischen Arbeiten erreichten insbesondere die gräzistischen Werke dauerhafte Bedeutung und machten ihn zu einem führenden Vertreter der gegenreformatorischen Byzantinistik. Herzog Wilhelm dachte ihm die Aufgabe zu, als einer der führenden Hofhistoriographen die Bayerische Landeschronik neu zu bearbeiten. Obwohl Rader dies nicht ihm erhofften Umfang erfüllen konnte, führte die hagiographische „Bavaria Sancta et Pia“ ( vier Bände, 1615 – 1628) territoriale und konfessionelle Geschichtsschreibung zusammen. Raders Briefwechsel zeigt zu „vielfältigen Themen jesuitischer Wissenschaft einen intensiven Austausch auf hohem Niveau mit zahlreichen Gelehrten auch über die Konfessionsgrenzen hinweg. Diese Korrespondenz ist ein aussagekräftiges Zeugnis barocker Geisteskultur in Oberdeutschland“ (Alois Schmid; Neue Deutsche Biographie 21 (2003) Matthäus Rader).

Wohl unter Raders Einfluss befasste sich Neuffert mit Philologie, voran mit Griechisch, und erhielt 1600 eine Professur als Gräzist und 1604 für Rhetorik an der Universität Ingolstadt, die sozusagen zu seiner akademischen Heimat wurde, da er dort 1606/1607 sein Theologiestudium absolvierte.
Es folgten Professuren (und zwar nicht an den theologischen Fakultäten, sondern als Rhetoriker) in Augsburg (1608/1609) und (1611) in Regensburg. Dazwischen liegt ein Aufenthalt in Ebersberg.

1616/1617 kehrt er nach Ingolstadt zurück – ist zunächst Professor für Ethik an der Universität, dann Regens am Collegium Ignatium. 1619 wird mit gleicher Aufgabe nach Porrentruy berufen.

In Sachen philosophischer Publikationen ist Neuffert allerdings eine Enttäuschung: „Schriften aus seiner Feder konnten nicht nachgewiesen werden“.

Er starb 1533 in Memmingen.