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Georg Kern: an der Universität der Fürstensöhne. Ingolstadt: wo künftige Kaiser und Kurfürsten studierten.
Von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.236 vom 01.10.2026

Er starb vor 400 Jahren in Posen: Georg Kern, der zwei Jahre, 1616 – 1618, Professor in Ingolstadt war und dort zuvor schon studierte hatte. Zur Welt gekommen war er 1572 in Dillingen. Herkunft und Jugendzeit bleiben unbekannt.
Im September 1588 tritt er dem Jesuitenorden bei. 1590 kommt er studienhalber an die Ingolstädter Universität, durchläuft die Philosophie, studiert die Theologie und wird 1599 zum Priester geweiht . In diesem Jahr erscheint in Ingolstadt bei Adam Sartorius seine Doktorarbeit „Theses theologicae de Christo et Sacramentis“.

Die Universität der Fürstensöhne

Kern erlebt als Student eine Zeit, in der Stadt und Bürgerschaft den „Flor und Ruhm der Universität genießen“ (wie es bei Mederer heißt). Als Kern sich einschreibt, tut dies auch ein ungleich berühmterer: der Erzherzog Ferdinand von Österreich, nachmaliger Römischer Kaiser Ferdinand II., der Anfang des Jahres mit einem Gefolge von mehr als zwanzig Adeligen einzieht und fünf Jahre bleibt.
Die bayerische Landesuniversität ist zu einem Studienort des hohen Adels herangewachsen. In der Zeit von 1563 bis zum Anfang des folgenden Jahrhunderts studieren zwanzig fürstliche Personen in Ingolstadt. Acht Prinzen aus dem herzoglichen Hause Baiern; ein Landgraf von Leuchtenberg; drei Markgrafen von Baden; drei polnische und litauische Fürsten neben anderen Polen von Adel (von denen sich einmal zeitgleich vierzig Herren in Ingolstadt befinden); drei Prinzen aus dem Hause Gonzaga. Und natürlich der bayerische Erbprinz, der spätere Herzog, dann Kurfürst Maximilian, der 1590 schon drei Jahre hier studiert und noch ein weiteres anhängt.
„Und diese hohen Anverwandten (lebten) sehr vertraulich miteinander, so scheint ebendiese jugendliche Bekanntschaft auf das künftige Leben der zwey großen Fürsten einen nicht geringen Einfluß gehabt zu haben; welches all diejenigen leicht einsehen werden, denen die Geschichten…besonders des dreißigjährigen Krieges nicht unbekannt sind…“(Mederer; Geschichte des uralten königlichen Maierhofes Ingolstadt, itzt der Königl. Baierischen Hauptstadt Ingolstadt…). Mit anderen Worten, die Anführer der zwei großen Mächte der katholischen Seite im dreißig Jahre dauernden Krieg, Kaiser Ferdinand II. und Kurfürst Maximilian haben nebeneinander in Ingolstadt ihre grundkatholische Ausbildung erfahren und mit ihren Feldherrn ( Wallenstein beim Habsburger und Tilly beim Wittelsbacher) den Krieg gefochten. Und manche Historiker stehen nicht an, zu behaupten, ohne der Beiden Engagement hätte die Gefahr bestanden, dass ganz Deutschland an die protestantischen Reformer gefallen wäre.

1599 – 1602 lehrt Kern in Dillingen - zunächst Philosophie, bewährt sich fünf Jahre als Rektor des Jesuitenkollegs in Innsbruck und übernimmt, zurück in Dillingen, bis 1612 die Professur für scholastische Theologie, ein Fach, das er anschließend, neben anderen Aufgaben, in München unterrichtet.

1616 wird er erneut nach Ingolstadt geschickt und wirkt dort als Professor für Moraltheologie. Die Bayerische Staatsbibliothek besitzt dazu ein ungedrucktes Manuskript mit der Überschrift „Theologia moralis“.
Kern war wohl kein engagierter Kreativer und Denker, wohl eher ein Vermittler und Lehrertyp: immerhin führte er den Vorsitz bei vierzehn Disputationen.

Auch bei seinem zweiten Ingolstadt-Aufenthalt trifft Kern auf herausragende Personen unter seinen professoralen Kollegen. So Peter Steuart, Pfarrer bei St. Moritz, der 1617ein Waisenhaus stiftet, für das er in der „untern Stadt, unweit dem Donautor, da man’s auf den Letten nennt, ein Haus samt Stadel und Garten erwirbt, und schenckt theils an baarem Geld, theils an Kapitalien 8000 Fl. dazu…“(Mederer). Die Stiftung besteht heute noch und trägt das nun Peter-Steuart-Haus genannte Heim für Kinder und Jugendliche).

In dessen letzten Lebensjahren lernt Kern auch Pater Jakob Rehm kennen, der am 12. Oktober 1618 in Ingolstadt starb ( und dessen Seligsprechungsprozess aktuell im Gang ist), des Stifters des „vormals so berühmten Colloquii M.T.A., dessen Bildnis in Holz geschnitten ( im Zustand einer Levitation in Folge einer religiösen Verzückung ) wie auch dessen Gebeine (schreibt Mederer) dermalen in dem schönen Oratorium der ehemals akademischen, jetzt bürgerlichen Kongregation S. Mariae de Victoria aufbewahrt werden“ – beides befindet sich heute im Münster.
Mit einer ganz außerordentlichen Feier begingen die Ingolstädter Jesuiten 1622 die Heiligsprechung ihres Stifters Ignatius de Loyola und des großen Jesuitenmissionars Franz-Xaver am Sonntag Gaudi, dem achten Mai beginnend. Sie dauerte acht Tage lang.
An diesen und vielen anderen Ereignissen in der Universitäts- und „Hauptstadt“ nahm Kern zweifellos teil. Warum er sich 1626 in Posen aufhielt, könnte mit dem Kolegium Jezuickie w Poznaniu zusammenhängen, das seit 1571 existierte und seit 1611 das Recht hatte, Magister- und Doktortitel zu verleihen. Jedenfalls starb Kern dort am 30. April 1626.