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Hausmann und Kleinbrodt - Philosophie und Physik.  Ingolstädter Professoren zum Atomismus
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.189 vom 01.09.2025

Leonhard Hausmann, 1672 in Margreid, Tirol, geboren,1689 dem Jesuitenorden beigetreten, ab 1708 Philosophieprofessor in Dillingen, kam 1711 als Professor für Logik nach Ingolstadt und hielt den dreijährigen philosophischen Kurs. 1719-1720 las er scholastische Theologie (wieder) in Dillingen, ging über Brixen nach Freiburg im Breisgau, wo er Moraltheologie vortrug, und 1728 nach Innsbruck, wo er Kasuistik unterrichtete.1729 kam er erneut nach Ingolstadt, diesmal als Moraltheologe. Sein weiterer Lebensweg ist weitgehend unerforscht.1732 ist er wieder in Dillingen und dort als Exeget und Moraltheologe verzeichnet.

Faußner und Larsson-Folger schreiben ( im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximiliansuniversität), Hausmann habe eine gewisse Bekanntheit errungen, allerdings weniger als Theologe, als vielmehr durch seine Thesen im Zusammenhang mit dem Atomismusstreit, der an der Ingolstädter Philosophenfakultät ausgetragen wurde. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass das einzige von ihm im Biographischen Lexikon der LMU verzeichnete Werk eine Disputation zum Thema Objectum oculi (Praes.; Resp: H. Karg) ist, das 1714 in Ingolstadt, während seines ersten Professorates in einer Ingolstädter Offizin verlegt wurde.

Entfacht hatte den hiesigen Atomismusstreit ein anderer Jesuit, der „Cartesianer“ Anton Kleinbrodt, ein Mann von so hohem Ansehen, dass er in das Menologium („Oder: Lebensbilder aus der Geschichte der deutschen Ordensprovinz der Gesellschaft Jesu“ – von Heinrich Thoelen erarbeitet und 1901 in Roermond erschienen, das ursprünglich nur für den ordensinternen Gebrauch Lebensbilder um ihres nachzuahmenden Beispiels zusammenstellte) Eingang fand und kurz vor seiner Ernennung zum Provinzial der Oberdeutschen Provinz im Ruf der Heiligkeit verstarb.

Auf dem breitangelegten Interessens- und Neugierde-Feld des in Öhningen am Bodensee geborenen Sohnes des (späteren) bischöflichen Vogtes der gleichnamigen Herrschaft, der 1693 bis 1697 in Ingolstadt studierte ( ohne immatrikuliert zu sein) standen , als er zum Lehrer geworden war (auf seinem Lehr-Plan) Rhetorik in Fribourg (1697/1698), Philosophie in Freiburg, Scholastik (1704 bis 1706) in Amberg, aber auch Mathematik, Ethik und Hebräisch.

In Ingolstadt umfasste seine Lehrtätigkeit (zwar) nur den dreijährigen philosophischen Kurs (1701 bis 1704).Es fällt aber in diese Zeit sein (1704) dort verlegtes Hauptwerk: „Mundus elementaris disputationi subjectus“. Defendenten waren neben Johann Quirin Fleischmann der spätere Ingolstädter Rechtsprofessor Hermann Anton Chlingensperger ( aus einer berühmten Juristenfamilie) und spätere hochangesehene Medizinprofessor Johann Adam Morasch ( der gleich noch zu erwähnen sein wird).

Mit diesem Werk, so Siegfried Hofmann, brach Kleinbrodt der modernen atomistischen Physik Bahn…Jesuitischer Praxis entsprechend umfasste für ihn die Philosophie auch naturwissenschaftliche Fächer wie Physik…“ Kleinbrodt vertrat dabei „einen mehr dynamischen , nicht ausschließlich mechanistischen Atomismus“. Ein Element ist ihm dasjenige „in quod alia corpora dividuntur,intus existens potentia vel actu, ipsum autem est indivisible in alia corpore specie“ . Daraus entwickelte er seine Lehre von den vier Elementen -Luft, Wasser, Erde und Feuer. Dem Experiment verbunden, versuchte er zwischen Aristoteles, Empedokles und Demokrit und den von ihm vertretenen Atomismus eine Brücke zu schlagen. Mit Kleinbrodt war jedenfalls die Atomismusdebatte in Ingolstadt eröffnet, in die sich später sein Schüler Morasch, (1727 bis 1732) Professor der Medizin und Anatomie mit seiner dreibändigen, auf Kleinbrodts Vorlesungen fußenden „Philosophia atomistica“ einbrachte.

Hausmann hingegen vertrat gegen die Korpuskulartheorie des Lichtes einen orthodoxen aristotelischen Standpunkt. Er starb 1748 in Dillingen.