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Iphigenia Osanna von Zimmern (1646-1719) - Oberin des Klosters Gnadenthal (1682-1704)
von Edmund Hausfelder

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.231 vom 01.08.2026

Am 21. September 1646 wurde in Ingolstadt als zehntes und vorletztes Kind des Johann Martin von Zimmern und seiner Frau Maria Margaretha eine Tochter geboren, die in der Pfarrkirche St. Moritz vom Bruder des Vaters, dem dortigen Pfarrer und Theologieprofessor Johann Oswald von Zimmern auf den Namen Maria Clara getauft wurde. Der Vater entstammte einem Geschlecht, das ursprünglich in einem Ort namens Zimmern ansässig war und später in die benachbarte Freie Reichsstadt Rottweil übersiedelte. 1562 erhielt ein Martin von Zimmern in Rottweil, vermutlich Maria Claras Urgroßvater, aus der Hand des Dompropstes von Magdeburg und kaiserlichen Hofpfalzgrafen Wilhelm Böcklin von Böcklinsau einen Wappenbrief. Das Wappen zeigt im gold und schwarz gespaltenen Schild 2 Bockshörner auf einem Dreiberg, alles verwechselter Tinktur, Stechhelm mit schwarz goldenen Helmdecken mit dem Berg und den Hörnern wie im Schild. Dieser Martin von Zimmern ist wahrscheinlich mit einem Studenten gleichen Namens identisch, der 1551 an der Universität Ingolstadt immatrikuliert wurde.

Johann Georg von Zimmern, Maria Claras Großvater, amtierte von 1591 bis zu seinem Tod im Jahr 1620 als gräflich helfensteinischer Pfleger in Wellheim, das damals als eigene Herrschaft von den Grafen aus dem weit entfernten Wiesensteig regiert wurde (in der Nähe von Geislingen an der Steige). Sein Sohn Johann Martin folgte ihm in dieser Stellung nach, verzichtete jedoch 1636 auf sein Amt und zog mit seiner Familie nach Ingolstadt, wo soeben sein Bruder als Pfarrer von St. Moritz präsentiert worden war. Die beiden ältesten Brüder Maria Claras kamen noch in Wellheim zur Welt.

1649 wurde die Familie von mehreren schweren Schicksalsschlägen heimgesucht. Zunächst erlag der älteste Sohn Johann Ignaz als Kandidat der Rechte einer in der Stadt wütenden Pestepidemie, von der wenige Wochen später auch der Vater dahingerafft wurde. Zwei Monate danach erhielt man aus Regensburg die Nachricht, dass dort P. Johann Georg von Zimmern SJ, der andere Bruder des Vaters, ebenfalls ein Opfer der Seuche geworden war. Zum Gedenken an seine Brüder und seinen Neffen stiftete Johann Oswald den linken Seitenaltar in der Sebastianskirche anstelle eines Grabmals. Dem Altar ist das Wappen der Familie aufgesetzt. Im September brachte die Mutter noch ihr elftes Kind zur Welt, den Sohn Johann Martin Moritz, der später ebenfalls Geistlicher werden sollte.

Als jüngste Tochter war Maria Clara wohl schon von vornherein für den Ordensstand bestimmt. Vermutlich unter dem günstigen Einfluss ihres Onkels Johann Oswald entschied sie sich tatsächlich für ein klösterliches Leben und trat am 8. Oktober 1662 mit 16 Jahren in das Franziskanerinnenkloster Gnadenthal ein. Ihr Onkel hatte acht Jahre zuvor einen Hof im Mailing gekauft, den er dem Konvent als Aussteuer für seine Nichte schenkte. Bei ihrem Eintritt ins Kloster brachte Maria Clara, die als Ordensfrau den Namen Sr. Iphigenia Osanna annahm, auch einen schön furnierten und geschnitzten Schrank mit, der 1662 angefertigt wurde und das Monogramm ihres Ordensnamens (IOVZ) trägt.

Im Mai 1679 starb ihre Mutter, die ihren Mann um 30 Jahre überlebte, und im Februar 1680 vollendete auch ihr Onkel seinen irdischen Lebensweg. Nachdem Iphigenia Osanna 1675 zur Schaffnerin, d.h. zur Stellvertreterin der Oberin, gewählt worden war, war sie auch noch dazu bestimmt, das höchste Amt im Kloster zu erreichen. Als die Oberin Barbara Cäcilia Uhl im Februar 1682 starb, stand die Wahl von Iphigenia Osanna zu ihrer Nachfolgerin innerhalb des Klosters zwar bereits fest, konnte aber vorerst nicht stattfinden, weil der Wahlleiter, der bayerische Franziskaner-Provinzial, gerade zum Generalkapitel des Ordens nach Spanien abgereist war. Nun schrieb für den Konvent die Seniorschwester Anna Euphrosina Rechbacher an den Provinzial-Kommissar und bat um die Erlaubnis, dass die Schaffnerin bis zur Oberinnenwahl "wie eine würdige Mutter regieren" dürfe. Diesem Gesuch wurde stattgegeben und Iphigenia Osanna übernahm provisorisch die Leitung des Klosters. Nach der Rückkehr des Provinzials im Juli 1682 erfolgten sofort die Visitation des Klosters und die Wahl, bei der wie erwartet Iphigenia Osanna einstimmig zur Oberin gewählt wurde.

Sie ging nun voller Tatkraft daran, den Klosterkomplex zu erweitern und baulich zu verbessern. Noch 1682 kaufte sie vom Rektor des Jesuitenkollegs ein benachbartes Doppelhaus, im Jahr darauf kam ebenfalls vom Jesuitenkolleg ein weiteres angrenzendes Haus hinzu. Diese Häuser in der Johannesstraße wurden zu dem Zweck angekauft, um das Kloster von unlieber Nachbarschaft zu befreien, wie es heißt. Ebenfalls noch 1682 erhielt sie von dem in Freising tagenden Kapitel der bayerischen Franziskanerprovinz die Genehmigung, die Leiber der verstorbenen Schwestern künftig im äußeren Kreuzgang des hiesigen Franziskanerklosters beizusetzen. Im Januar 1683 wurde hierüber die entsprechende Urkunde ausgestellt. 1684 erfolgte die Anschaffung einer Uhr für das Schlafhaus, die längst überfällig war. In der Chronik heißt es dazu: "Dann zuvor haben wir nie keine Uhr im Kloster gehabt und also die Schwestern jederzeit mit Sorgen auf die äußeren Uhren in der Welt gemerkt, damit sie zu rechter Zeit in den Chor geläutet und den göttlichen Dienst verrichtet haben."

Nachdem man im Dezember 1685 ein Brauereianwesen in der Harderstraße an sich bringen konnte, wurde im Februar 1686 mit den Reparaturen an demselben begonnen. Dabei ließ man u.a. den vorhandenen Kettenbrunnen durch einen Pumpbrunnen mit zwei Säulen ersetzen. Außerdem wurde ein eigener Klosterbraumeister angestellt und schon am 5. April 1686 konnte der erste Sud Braunbier erfolgen.

Gebraut wurde in diesem Brauhaus bis 1722, dann wurde in der Johannesstraße eine neue Brauerei eingerichtet. Die Brautradition ging erst im April 1904 zu Ende, als man wegen der Bierlieferung einen Vertrag mit dem benachbarten Rappensbergerbräu schloss.

Von Mai bis Dezember 1686 und von Mai bis Oktober 1687 ließ Iphigenia Osanna das Klostergebäude aufstocken. Weil dort das Schlafhaus eingerichtet wurde, verlegte man auch die Uhr dorthin. Im Zuge dieser Erweiterungsmaßnahme wurde auch die heute noch unverändert bestehende Klosterapotheke eingebaut, die ein wahrhaftes Kleinod des Barock ist. 1688 erfolgte für die Kirche die Anschaffung eines großen Heiligen Grabes. Am 14. August 1689 fand sich hoher Besuch in Ingolstadt ein. Gegen Mittag kam zunächst Herzogin Eleonore Maria von Lothringen, Ehefrau Herzog Karls V. und Schwester Kaiser Leopolds I. hierher, am Abend folgte der Kaiser selbst mit seiner Gemahlin Eleonore Magdalena, seinem Sohn Joseph, damals bereits König von Ungarn, und seiner Tochter Maria Antonia, der Kurfürstin von Bayern. Aus Neuburg stießen gleichzeitig noch Pfalzgraf Johann Wilhelm und seine Schwester Maria Anna, die künftige Gattin des Königs von Spanien hinzu. Die Gäste nahmen im Neuen Schloss ihre Wohnung und besuchten am 17. August in der hiesigen Klosterkirche ein Hochamt, das der Graner Erzbischof Georg Széchenyi, der Primas von Ungarn zelebrierte. Nach dem Mittagsmahl reisten die Herrschaften mit Ausnahme der bayerischen Kurfürstin nach Neuburg weiter. Kurfürstin Maria Antonia besuchte am Nachmittag noch die Klosterfrauen in der Klausur und folgte erst zwei Tage später ihren Verwandten nach Neuburg. Es heißt, dass sie zunächst sehr traurig war, da Gerüchte entstanden waren, ihr Mann, Kurfürst Max Emanuel, sei in türkische Gefangenschaft geraten. Dies stellte sich jedoch als falsch heraus. Bereits im November 1685 war sie zusammen mit ihrem Ehemann zu Besuch in Ingolstadt gewesen und hatte damals dem Kloster Gnadenthal ein Almosen in Höhe von 21 Gulden geschenkt.

Am 24. März 1690 um 4 Uhr früh bemerkten die Schwestern einen Brand beim Nachbarn, dem Bierbrauer Rappensberger, der rasch auf das Kloster übergriff. Da alle verfügbaren Leute zusammenhalfen und Wasser herbeischafften, sah das obere Stockwerk zwar bald wie ein See aus, doch konnte dadurch das Schlimmste verhindert werden. Sogar Statthalter Anton Graf von Montfort kam in die Klausur bis in den Garten hereingeritten, um zu sehen, wie es um das Kloster stand. Damit nicht genug, verspürte man im Dezember 1690 bei Tag und Nacht ein starkes Erdbeben. Über größere Schäden ist allerdings nichts bekannt.

Zwischen 1690 und 1700 erwarb Iphigenia Osanna noch weitere Liegenschaften, ein Gütl in Mailing, das mit einem Hof verbunden war, der dem Kloster bereits gehörte, einen Hof in Kothau, eine Sölde in Kothau, ein dem Kloster benachbartes Haus sowie vom Jesuitenkolleg ein weiteres angrenzendes Haus in der Johannesstraße. Ferner wurden noch ein Gartenteil und der obere Garten beim Seminar angekauft.

1694 wurden alle Schwestern in die St.-Michaels-Bruderschaft eingeschrieben. 1697 beschwerte sich der Obere Pfarrer "aus Missgunst gegen den Konvent", wie es heißt, beim Ordinariat in Eichstätt, dass die Leute an den hohen Feiertagen in der Klosterkirche zu viel Opfergeld einlegten. Daraufhin verbot der Provinzial den Schwestern generell, in der Kirche opfern zu lassen. Im selben Jahr ließ die Oberin mehrere Renovierungsarbeiten in der Kirche durchführen. Dabei wurde die Turmkuppel erneuert, die Kirche und der Chor neu geweißt und "mit Malereien versehen", ein neues Portal vor der Eingangstür gebaut und das Pflaster zwischen dem Choraltar und dem Gitter ausgewechselt. Im Jahr darauf erfolgte der Neubau des Refektoriums und des Backhauses sowie die Errichtung eines großen Sprechzimmers und eines "Schröpfstübels." Ebenfalls 1698 gewährte am 10. August Papst Innozenz XII. dem Konvent den Lateranensischen Ablass. Damit ihn auch weltliche Besucher der Klosterkirche erlangen konnten, wurde sie eigens erweitert. Dieser Anbau wurde durch ein neues Eisengitter vom ursprünglichen Kirchenschiff abgetrennt. Außerdem errichtete man im Kloster nach römischem Vorbild eine Heilige Stiege. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres und zur feierlichen Veröffentlichung der päpstlichen Bulle weilte im Juli 1699 der Abt von Scheyern im Konvent, der am letzten Tag der Festoktav ein feierliches Hochamt zelebrierte.

Im März 1701 starb in Augsburg Iphigenia Osannas jüngster Bruder Johann Martin Moritz im 52. Lebensjahr. Er war 1673 zum Priester geweiht worden und hatte drei Jahre später ein Kanonikat am Kollegiatstift St. Moritz in Augsburg erhalten.

1701 begann der Spanische Erbfolgekrieg, dessen Auswirkungen man zwei Jahre später auch in Ingolstadt zu spüren bekam. Im August wurde von den Soldaten der gesamte Viehbestand der Stadt beschlagnahmt und zu den Toren hinausgetrieben, darunter auch 24 Kühe des Klosters. Außerdem hatten die Schwestern Einquartierungen, Steuern und andere Kriegslasten zu ertragen. Die Aufnahme der geflohenen Klosterfrauen aus Niederschönenfeld, Hohenwart, Kühbach und Holzen überfüllte darüber hinaus die Räumlichkeiten und trug neben den Soldaten, die im Klosterbauhof und in der Klosterbrauerei einquartiert waren, dazu bei, dass alle Vorräte im Nu aufgebraucht waren. Es kam so schlimm, dass sogar angelegte Kapitalien angegriffen werden mussten, um der Not einigermaßen gerecht zu werden. 1704 bereitete die feindliche Belagerung der Bevölkerung großen Schrecken. Aus Furcht vor Plünderungen verwahrte man alle Habseligkeiten, so gut es ging. Das Getreide aus dem Klosterkasten musste an den General, der das Kommando über die in der Stadt stationierten Truppen führte, abgeliefert werden. Was noch nicht gedroschen war, brachte man in die Klausur, in den Klostergarten und in das Innere des Klosters. Es wurde dann im alten Refektorium von den Knechten und Mägden ausgedroschen. Andere Gegenstände wurden im Keller versteckt. Sogar der Schrein mit dem Leib des hl. Concordius wurde von acht Männern in die Klausur, d.h. in den Apfelkeller, getragen.

Dieser hl. Martyrer begleitete die Oberin schon seit Beginn ihrer Amtszeit. Bereits wenige Tage nach dem Tod ihrer Vorgängerin, am 1. März 1682, brachte der damalige Guardian von Landshut den Leib aus Freising, wo die Verehrung des Heiligen oberhirtlich genehmigt worden war, nach Ingolstadt. [Der Heilige wurde während einer Christenverfolgung um das Jahr 350 auf Befehl eines "Tyrannen" namens Magnus Decentius, seines Zeichens römischer Gegenkaiser in Gallien, ermordet.] Tags darauf wurden die Reliquien vom Klosterbeichtvater und vom Guardian in einer feierlichen Prozession in die Klausur getragen. Daraufhin gab der Guardian Sr. Iphigenia Osanna den Auftrag, die Gebeine würdig fassen zu lassen. Mit dieser Aufgabe wurde die Seniorschwester betaut, die die Arbeiten bis zur Rückkehr des Provinzials erledigen konnte. Den Sarg fertigten einige jüngere Schwestern aus spanischem Furnier. Durch einige größere Spenden konnte auch die Schmückung der Reliquien noch im selben Jahr abgeschlossen werden. Am Abend des 13. Dezember trugen die Schwestern den Heiligenschrein bis zum Tor, von wo ihn die Franziskaner in ihre Kirche holten und die ganze Nacht zur Verehrung ausstellten. Am 14. Dezember erfolgte in einer feierlichen Prozession die Übertragung in die Kirche St. Johannes. Am 15. Dezember zelebrierte der Ordensprovinzial ein Hochamt und während der sich anschließenden Festoktav fand jeden Tag eine hl. Messe statt.

Mitten in den Ängsten dieser Kriegszeiten wurde Iphigenia Osanna als Oberin abgesetzt. Auf Befehl des Franziskanergenerals in Rom mussten damals die Vorsteherinnen aller Frauenklöster innerhalb der Bayerischen Ordensprovinz abgelöst werden, die ihr Amt bereits länger als sechs Jahre innehatten. Bis zu diesem Zeitpunkt bekleidete die gewählte Oberin ihre Würde auf Lebenszeit, von nun an mussten alle sechs Jahre Wahlen vorgenommen werden. Am 22. April 1704 wurde Sr. Maria Elisabetha Huefnagl zur neuen Oberin gewählt. So musste Iphigenia Osanna, die das Kloster über 22 Jahre hinweg mit großer Tatkraft und Umsicht geleitet hatte, wenigstens während ihrer Amtszeit die für Bayern so schlimmen Ereignisse wie die verlustreichen Schlachten am Schellenberg bei Donauwörth Anfang Juli und bei Höchstädt Mitte August, die letztlich im Dezember zur kampflosen Übergabe der Festung Ingolstadt an die kaiserlichen Truppen führten, nicht mehr erleben. Im November hatten der Stadtmagistrat und die Universität 18.000 Gulden rückständigen Sold für die aufständischen bayerischen Soldaten aufzubringen, die sich weigerten, die Stadt gemäß der Bestimmungen des Vertrags von Ilbesheim, der eine ehrenvolle Kapitulation Bayerns vorsah, zu verlassen. Zu dieser Summe steuerte auch ihr Schwager, von dem wir noch hören werden, 500 Gulden bei. 1712 konnte sie ihr Goldenes Professjubiläum begehen. Sie erlebte noch den Friedensschluss 1714 und die Rückgabe der Festung an die Bayern im Januar 1715. Am 2. April 1719 starb sie im 73. Lebensjahr und wurde im äußeren Kreuzgang des Franziskanerklosters beigesetzt.

Iphigenia Osanna von Zimmern darf man wohl zu Recht als die bedeutendste aller Vorsteherinnen in der langen Geschichte des Klosters Gnadenthal bezeichnen. Besonders die rege Bautätigkeit, die sie während ihrer Amtszeit entfaltete, und der Ankauf sowohl benachbarter Häuser und Grundstücke als auch anderer Liegenschaften verdienen hervorgehoben zu werden. Rechnet man alle Ausgaben zusammen, so kommt man auf die stolze Summe von etwas mehr als 15.000 Gulden. Bei der Finanzierung der vielen Baumaßnahmen und Erwerbungen kam ihr sicher zugute, dass das Kloster gerade in dieser Zeit beträchtliche Summen durch Spenden und Erbschaften erhielt und sie selbst über Verwandte Zugang zu einigen Geldmitteln hatte, da die Familie von Zimmern als recht vermögend angesehen werden darf. Neuerungen stand sie offensichtlich stets aufgeschlossen gegenüber, was sich insbesondere an der Anschaffung einer Uhr und an der Neueinrichtung der Klosterapotheke verdeutlicht. Deshalb kann man die Entscheidung der Ordensleitung in Rom, die zu ihrer Absetzung führte, nur als ausgesprochen unglücklich bezeichnen.

Nicht unerwähnt sollte noch bleiben, dass auch zwei ihrer Nichten ins Kloster Gnadenthal eintraten. Iphigenia Osannas Schwester Elisabeth hatte 1669 den Juristen Georg Widmann aus Offendorf geheiratet, der - nachdem er in Ingolstadt nicht zum Zuge kam - 1671 zum ersten Professor für Zivil- und Lehenrecht an der neugegründeten Universität Innsbruck ernannt wurde. Zwei Jahre später wurde er vom Kaiser in den erblichen Adelsstand erhoben und durfte sich nun "von Widmont" nennen. Gleichwohl blieb es für ihn erklärtes Ziel, als Professor nach Ingolstadt zu gehen, was 1676 tatsächlich gelang. Ihm scheint diese Professur sehr am Herzen gelegen zu sein, da er sogar "ein Fässchen süßen Wein" als Empfehlung hierher schickte, damit sein Anstellungsdekret schneller ausgefertigt werde. Zwei seiner Töchter traten 1688 bzw. 1693 als Sr. Anna Barbara und als Sr. Margaretha ins Kloster ein. Die ältere, die als Kellermeisterin und Pförtnerin tätig war, starb bereits gut fünf Monate nach ihrer Tante im Alter von 47 Jahren, die jüngere, die das Amt der Schaffnerin ausübte und auch in der Apotheke tätig war, starb 1743 im Alter von 68 Jahren.

Quellen und Literatur:
Archiv des Klosters Gnadenthal: Klosterchronik
Frank Becker, Christina Grimminger, Karlheinz Hemmeter, Stadt Ingolstadt - Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Denkmäler, München 2002 (Denkmäler in Bayern, Bd. I,1)
Joseph Gerstner, Geschichte der Stadt Ingolstadt in Oberbayern, München 1852
Edmund Hausfelder, Johann Oswald von Zimmern (1604-1680) - Ein geistliches Leben in unruhiger Zeit, Ingolstadt 2004
ders., Iphigenia Osanna von Zimmern (1646-1719) - Oberin von St. Johann im Gnadenthal in Ingolstadt; in: Barbara Bagorski, Ludwig Brandl (Hrsg.), Zwölf Frauengestalten aus dem Bistum Eichstätt vom 8. bis zum 20. Jahrhundert, Regensburg 2008
Max Joseph Hufnagel, Ingolstädter Franziskanerinnenkloster St. Johannes -Gnadenthal; in: Bavarica Franciscana Antiqua, Bd. V, München 1961