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Jakob Grandvillers - Ein Verwalter zahlreicher Jesuitenkollegien in Bayern und der Schweiz
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.187 vom 01.08.2025

Jakob Grandvillers – oder Jacques Grandvilliers – gehört zu den Theologiestudenten, die sich in Ingolstadt ihren Doktortitel erwarben, dort als Professor berufen wurden, es aber nicht zu großem europaweiten theologischem Ruhme schafften. Er gewann aber durchaus Bedeutung im Rahmen der Oberdeutschen Ordensprovinz der Jesuiten, stand häufig deren Kollegien als Rektor vor und war insbesondere in den Schweizer Niederlassungen tätig – eine Rolle, die für ihn wie zugeschnitten schien. Er kam wie so manch andere erfolgreiche Leute aus einer Gegend, in der sich Sprachen und Lebensarten überschnitten und ihre Landeskinder bereicherten.

Jakob Grandvillers wurde im August 1674 in Delémont, der Hauptstadt des Schweizerischen Jura geboren. Und er entstammte einer Familie des französischen Uradels, den Grandvilliers, die damals längst ihren Höhepunkt überschnitten hatten, von denen aber eine Nebenlinie in Delémont noch eine bedeutende Rolle im öffentlichen Leben spielte und deren Mitglieder dort jahrhundertelang politisch einflussreiche Ämter hielten.

Zum Geburtsort zuerst: Delémont buchstabiert sich auf Deutsch als Delsberg; Menschen, die des Schweizerdeutschen mächtig sind, bezeichnen es als Dälschbrg, andere, die des Rätoromanischen Kundigen, nennen es Delemunt. Wie immer, die Kleinstadt liegt zwischen Basel und Biel, ist Hauptstadt des Kantons Jura. Man hat sich entschlossen, dort (heute) Französisch zu reden.
Spirituell war Delsberg auf Basel zu geeicht und jahrhundertelang eine Sommerresidenz der Baseler Fürstbischöfe. Im Zuge der Gegenreformation wurden dort ein Kapuziner- und ein Ursulinerinnen- Kloster gegründet. Eine tiefkatholische Region.
Insoweit kann es kaum erstaunen, dass Jacques Grandvilliers, da der familiäre Hintergrund dem angetan war und ihm die Pforten auftat, ans Gymnasium der Jesuiten zu Porrentruy geschickt wurde, das 21 Kilometer westlich Delsbergs liegt und das Deutschsprachige Puntrut nennen (die weiteren sprachlichen Namens-Varianten seien dem Leser hier erspart).
Porrentruy / Puntrut nun ist eine weitere, die zweitgrößte Kleinstadt des Schweizer Jura, nahe an der französischen Grenze; auch dort gibt es eine Residenz der Basler Fürstbischöfe, vor allem aber auch ein hier 1591 gegründetes Jesuitenkolleg.

In der Stiftungsurkunde standen Seelsorge und Reformtätigkeit voran. Bildung und Wissensvermittlung waren sozusagen jesuitischem Denken genetisch eigene Wesensmerkmale. 1604 waren Kolleg und Kirche fertiggestellt. Im großen drei Jahrzehnte währenden Krieg rückten französische Jesuiten nach, um die Niederlassung zu retten – längst vergangen. 1651 wurde der Stand des früheren Unterrichtsbetriebs wieder aufgenommen.

Jacques Grandvillars, der Spross einer ehedem ruhm- und machtvollen Familie, die die Zeitläufte zurechtgestutzt hatte, wurde an die Jesuitenschule, die die Reformationskriege gebeutelt hatten, gesandt.
Beide trotzen der Entwicklungen.

Die Grandvillars (französische Schreibweise) waren eine adlige Familie aus der Gegend um Belfort. Das Geschlecht zählte zum Uradel des Heiligen Römischen Reichs (ein Grandvillars, Nardin von Namen, nahm am Dritten Kreuzzug Friedrich Barbarossas teil; weitere Familienmitglieder werden als Tempelritter genannt)…..
Es kann hier nicht nachgezeichnet werden, welche Windungen und Wendungen die Familiengeschichte in den folgenden Jahrhunderten erfuhr. Hier bedeutsam bleibt, dass sie in der Folge ihrer Unterstützung der Hugenotten im „französischen Religionskrieg“ ihre angestammte Region verlassen und in der ihnen wohlgesinnten schweizerischen Eidgenossenschaft Zuflucht suchen musste.

Einer der Familienkreise sammelte sich in Delémont, das zu Basel gehörte, und stellte in den nachfolgenden Generationen wichtige Offiziere, wie Jean-Vernier de Grandvillier (1612-1675) – Statthalter des Fürstbischofs, Bürgermeister und Bannerherr. (Johannes Bucej, nennt im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität „Jean Vernier“ als Jakobs Vater.)
Tatsache ist: Jakob besucht das Gymnasium Porrentruy und tritt im September 1690 der Gesellschaft Jesu bei.


Seine philosophischen Studien absolviert er
- 1693 bis 1696 in Augsburg, setzt sie fort
- 1696 bis 1699 in Freiburg (im Breisgau), und schließlich
- 1699 bis 1701 im heimatlichen Porrentruy.

Er soll nun Theologie studieren. Das führt ihn für die Jahre 1701 bis 1705 an die Landesuniversität Ingolstadt zurück. Dort ist versammelt, was europaweit die Universitäten an Spitzentheologie zu bieten haben und Ausnahmepersönlichkeiten wie Kaspar Castner ( Direktor der Kaiserlichen Sternwarte von Peking und Mandarin zweiter Klasse) im Vorbeischauen an ihrer früheren Alma Mater belegen).

1705 wird er in Eichstätt zum Priester geweiht. 1707 wird er Magister; in den folgenden Jahren hält er den dreijährigen philosophischen Kurs, 1710 wird er zum Doktor der Theologie promoviert. 1710 bis 1712 doziert er Moraltheologie.

In diese Zeit fällt eine Disputation, der er vorsteht und die 1710 in Ingolstadt vorgelegt wird: „Deus argumentis moralibus ab atheorum impietate vindicatus.“ Der Respondent ist ein Chlingensperg – aus einem bekannten IngolstädterJuristengeschlecht, das an Universität und in der Stadt über mehrere Generationen hin bestens vernetzt ist.

1712 geht er als Professor für scholastische Theologie nach Dillingen, wo er die Universität bis 1721 bereichert.In Dillingen erscheint 1716 die zweite Disputatio mit dem Titel „Ecclesia Romana sola credibilis et vera“.

Als Verfasser eigener Werke hat sich Grandvillers jedenfalls nicht hervorgetan. Ab den 1720er Jahren war er mehr als Verwalter denn als Lehrender tätig.

Für die nächsten fünfzehn Jahre zieht es ihn in seine Schweizer Heimat zurück – wo er mehreren Kollegien als Regens vorsteht. Er ist in Porrentruy, seiner engeren Heimat also (1721 bis 1724), dann in Fribourg (1728 bis 1732), schließlich in Solothurn (1732 bis 1735).

Dann verlagert sich sein Lebensschwerpunkt wieder in den bayerischen Raum: 1736/1737 ist Regens am Ingolstädter Konvikt zum Heiligen Ignatius, 1737 Instruktor im Altöttinger Tertiat.

1741 bis 1744 ist er zurück in Solothurn und bis 1744 in Porrentruy, dort zunächst als Rektor, denn als Genesender von schwerer Krankheit, ehe er 1749 bis 1751 als Studienpräfekt ans Regensburger Jesuitenkolleg kommt.

Er beschließt am 25. August 1752 sein 78 Jahre währendes Leben in der Jesuitenniederlassung in Eberberg.