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Ein ehemals Ingolstädter Juraprofessor an der Spitze der kaiserlichen Reichsverwaltung: Johann Baptist Weber d.Ä., Reichsvizekazler 1570 – 1577. Zum 500. Geburtstag.
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.233 vom 15.08.2026

Es geht hier um die Zeit der Kaiser Ferdinand I. (1558 – 1564) und Maximilian II. (1564 – 1576) und um Johann Baptist Weber. Ihm gelang der Aufstieg in das Amt des Reichsvizekanzlers und damit praktisch zum „ranghöchsten Beamten“ des Heiligen Römischen Reichs. Die Reichshofkanzlei war dessen ständige Zentrale. Nominell stand ihr der Erzbischof von Mainz als Reichserzkanzler vor. Praktischer Leiter aber war der Reichsvizekanzler, der in der Regel ein gelernter Jurist war und die administrativen Abläufe regelte. Der Reichsvizekanzler gehörte seit 1527 dem Geheimen Rat an. Weber erlangte (nach Andreas Edel im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität) „eine dominierende Rolle bei der Gestaltung der kaiserlichen Politik“.

Johann Baptist Weber war am 29. August 1526 in Memmingen zur Welt gekommen. Sein Vater Otto Cyriak war dort Arzt. 1541 schrieb sich Johann Baptist an der Universität Ingolstadt ein und absolvierte dort das philosophische Grundstudium. 1545 zog er nach Bologna, wo er im September 1548 zum Doktor beider Rechte promoviert wurde. Ende 1549 wurde er als Ordinarius für Zivilrecht an die Universität Ingolstadt berufen. Wissenschaftliche Leistungen oder Publikationen sind aus den neun Jahren seiner Lehrtätigkeit an der Bayerischen Landesuniversität nicht bekannt. Dennoch brachte er es zu einigem Ansehen. 1551 war er Dekan der juristischen Fakultät, 1556 wurde er zum Rektor, im Jahr darauf zum Vizerektor gewählt. Für Weber, schreibt Edel, „war die Professur an der Universität Ingolstadt ein Sprungbrett für eine Verwaltungskarriere, die ihn in kurzer Zeit an die Spitze der kaiserlichen Administration führte“.

Am 24. Mai 1558 wurde er von Herzog Albrecht V. zum Kanzler des Herzogtums Bayern in Landshut berufen. Er war damit der „bayerische Spitzenbeamte“, eine Rolle, in der er sich offenbar bewährte, sodass er schon im Frühjahr 1559 von Kaiser Ferdinand an den kaiserlichen Hof geholt und am 16. Mai 1559 zum Stellvertreter des Reichsvizekanzlers Georg Sigismund Seld berufen wurde. Als Seld aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat (1563), wurde Weber zum Reichsvizekanzler ernannt.
Nach dem Wechsel von Kaiser Ferdinand zu Maximilian II., der Rückkehr von Seld in das Amt und der Amtszeit von Ulrich Zasius (1566 – 1570) in dieser Position, wurde Weber (erneut) zunächst kommissarisch, dann ab 1571 alleiniger Reichsvizekanzler und blieb es bis 1577 ( Vgl. Lothar Gross; Die Geschichte der Deutschen Reichshofkanzlei; herausgegeben vom Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien; Wien, 1933).

Weber verstand es, seine Stellung auch materiell auszunützen und scheute - nach Lothar Gross – nicht davor zurück, für amtliche Dienste bedeutende Geldsummen anzunehmen. Das größte Geschäft machte er bei der Erhebung Herzog Cosimos von Medici zum Großherzog der Toskana. 1576 sagte man ihm nach, dass er durch derartige Geschenke ein Vermögen von 100 000 Gulden erworben habe. Und Edel meint: „Seine nicht immer eindeutige konfessionelle Gesinnung und seine mitunter korrupte Amtsführung schufen ihm viele Feinde, gegen die er sich jedoch zu behaupten wusste.“
Nach dem Tod seiner (zweiten) Frau Sybilla, die dem Augsburger Patriziergeschlecht Langenmantel entstammte, erbte er ein beträchtliches Vermögen, kaufte einen Freihof mit dem Dorf Bisamberg und ließ dort ein Schloss bauen. 1573 erwarb er die Herrschaft Retz.

Nach dem Tod Kaiser Maximilians II. zog sich Weber aus dem Reichsvizekanzleramt zurück, blieb aber bis 1583 im Geheimen Rat ( mit einem Jahresgehalt von 15oo fl.).

Sein gleichnamiger Sohn (Johann Baptist II.) (1555 – 1591) diente dem Kaiser als Reichshofrat, die Tochter Ursula war mit dem späteren Reichsvizekanzler Jacob Kurz von Senftenau verheiratet. Der Enkel, Johann Baptist III., war ab 1618 Reichshofrat und erhielt 1621 den Freiherrntitel. Die geadelte Familie mit Stammsitz Bisamberg (nördlich von Wien) starb mit ihm 1643 in der dritten Generation im Mannesstamm aus.

Johann Baptist I. selbst starb am 23. April 1584 in Wien und wurde in der Augustinerkirche bestattet.