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Johann Christoph Ueblacker - ein Opfer der »entschiedenen Aufklärer« an der Universität Ingolstadt
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.188 vom 15.08.2025

Der Vater Georg war Postmeister, die Mutter hieß Theresia. Die Familie nannte sich Ueblacker und lebte in Tirschenreuth. Dort kam am 21. November 1722 der Sohn Johann Christoph zur Welt.

In den Unterlagen des Stadtarchivs Tirschenreuth gibt es keine weiteren Informationen zu Pater Ueblacker, wie Beate Heinrich vom dortigen Stadtarchiv ermittelt hat – der große Stadtbrand von 1814 hat den größten Teil der Bestände vernichtet. Aus seiner Familie, die die Posthalterei führte, ist allerdings seine Schwester Maria Theresia, die drei Jahre nach ihm (1725) zur Welt kam bekannt: Zusammen mit ihrem Mann führte sie die Posthalterei nach dem Tod ihres Vaters weiter.
Nachweise über die Familie Ueblacker gibt es bereits im Bürgerverzeichnis von 1644, knapp 80 Jahre zuvor – Ueblacker stammte also aus einer Familie, die seit Generationen in Tirschenreuth wohnte.

Ueblacker trat im September 1740 dem Jesuitenorden bei und wurde 1753 in Eichstätt zum Priester geweiht.

Es folgte eine Reihe von Jahren als Lehrer, die klassisch mit dem Unterricht der philosophischen Fächer in Augsburg begann (1756 bis 1758). Über causa conscientiae, die er in Ellwangen (ab 1758) unterrichtet, nähert er sich seinen Kernthemen, die im Überschneidungsbereich von Theologie und Recht liegen und lehrt (noch bis 1760 in Ellwangen) Kanonisches Recht, dann die casus in Porrentruy, 1763/64 in München, und 1764 bis 1766 in Konstanz Kanonisches Recht.

1766 wird er an die Universität Ingolstadt berufen – als Kasuist. Dort lehrt (noch) der alte Franz Xaver Zech, Professoren-Urgestein, die Kanonistik. Zech (1692 in Ellingen geboren), ebenfalls Jesuit, ehemaliger Student an der bayerischen Landesuniversität, ebenfalls mit Vorlieben für die kirchenrechtlichen Fächer, war 1743 nach Ingolstadt gekommen und brachte es schließlich auf ein Viertel-Jahrhundert Ingolstädter Professorenschaft. 1768 zog sich Zech ins Münchener Jesuiten-Kolleg zurück, wo er sich noch als Bibliothekar betätigte.

Sein Nachfolger als Kanonist wird 1768 der von ihm vorgeschlagene Johann Christoph Ueblacker, den man vermutlich schon in dieser Perspektive zwei Jahre zuvor nach Ingolstadt geholt hatte.

Allerdings war der Trend der Zeit, den Jesuiten, mochten sie auch noch so brillante Wissenschaftler und befähigte Lehrer sein, nicht günstig. 1773 jedenfalls, wurde die Gesellschaft Jesu aufgelöst. Ueblacker erklärte sich bereit, sein Lehramt weiter zu versehen. Darauf aber wollte sich der Jesuitenfresser auf dem Stuhl des nun „Direktor“ genannten Universitätschefs hockende Johann Adam Freiherr von Ickstatt nicht einlassen. Er setzte durch, dass der Lehrstuhl (der übrigens zur juristischen Fakultät gehörte) von einem Laien und „entschiedenen Anhänger der Aufklärung“ besetzt werde. Da war er mit seinem Patenkind Johann Adam Weishaupt bestens bedient. (Ickstatt hatte schon dessen Vater Johann Georg Weishaupt mit stattlichem Salär nach Ingolstadt geholt und nach dessen frühen Tod die Patenschaft für den jungen Johann Adam übernommen und nun sozusagen der zweiten Generation seiner Protégés zu einem Ingolstädter Lehrstuhl verholfen. – Nur am Rande: auch seinem Neffen Peter von Ickstatt verschaffte er einen hiesigen Lehrstuhl – soviel zu Nepotismus und der moralischen Untadeligkeit der Aufklärung. Dieser Weishaupt (Sohn – Johann Adam) war es dann, der, 1776, den Illuminatenorden gründete.

Die Universität wurde gesäubert. Gegen den Zeitgeist und eine gut bei Hofe vernetzte Clique von freigeistlichen Universitätsverwaltern konnte Ueblacker nicht gewinnen. Er wurde an das Münchner Lyzeum geschickt, kehrte aber dem Lehrberuf lieber umgehend den Rücken und ging 1774 als Pfarrer nach Geisenfeld.

Dort starb er vier Jahre später (am 21. Juli 1778) und wurde in der katholischen Stadtpfarrkirche bestattet.

In Josef Kürzingers „Kloster und Markt Geisenfeld bis zur Säkularisation 1803“ findet sich der Hinweis, Ueblacker sei 1775 nach Geisenfeld gekommen, nachdem sein Vorgänger im Amt des Seelsorgers dieser Gemeine (Johann Georg Mayer) am 17. November 1774 verstorben war.

Ueblacker war nur wenige Jahre Ortspfarrer. Von seinem Tod – so bei Kürzinger festgehalten – berichtet Johann Nepomuk Mederer – ebenfalls Jesuit –, der große Historiker der Ingolstädter Universitätsgeschichte (Annales Ingolstadiensis Academiae, 4 Bände, Ingosltadt 1782) in einem Brief an den Geheimen Rat Johann Kaspar von Lippert (1729 – 1800), Professor, Jurist, eminenter Universitätspolitiker und als solcher Protektor Mederers:

„Der H. Pfarrer von Geisenfeld ist Leider! Den 21. Jul. Nach 10 Uhr morgens verschieden. Ich bin am 19. ejusd. Abends um 6 Uhr zu ihm gekommen, ihn zu besuchen und ihm zu seinem Namenstag Glück zu wünschen. Wider alle Erwartung traf ich ihn schon fast sterbend an. Wie er dann erst 3 Stunden vorher mit allen Heiligen war versehen worden, obwohl er noch tags vorher Mess gelesen und die Klosterfrauen zur Beicht gehöret hatte. Es hat ihm meines Erachtens eine Gattung von Schlag getroffen, denn er konnte nichts mehr reden. Sein ganzes Reden mit mir war: Behüt dich Gott mein Kind, welches sonst ein Sprichwort von ihm war…“

Und Kürzinger fügt an:

„In der heutigen Pfarrkirche findet sich für ihn folgendes Epitaph: Hier ruhet/Der Hochwürdig/Hochedelgebohrene und Hochgelehrte/ Herr Christoph Ublacher./ der Gottesgelehrtheit./ dann beeder Rechten Doctor/ auf der hohen Schule zu Ingolstadt/ der geistlichen Rechten / öffentlicher Lehrer./ Churfuerstlich/ wirklich geistlicher Rath zu München./ Exjesuit. Pfarrer und Klosterfrauen/ Beichtvater in Geisenfeld./ Welcher im 56 Jahr seines Alters/ in Gott selig entschlaffen/ den 21. Heumonats im Jahre 1778./ Gott gebe ihm die ewige Ruhe.“

Ludger Müller hat (im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität) darauf hingewiesen, dass es einen Streit um die von Ueblacker bei seinem Auszug aus der Universität Ingolstadt mitgenommenen Bücher mit der Universität gab (,der erst nach seinem Tod entschieden wurde). Nur Bücher, die einen Besitzvermerk des Jesuiten-Kollegs bzw. des Kanonischen Lehrstuhls trugen, waren der Universität zu restituieren. Man schenkte sich nichts unter Ex-Jesuiten und entschiedenen Aufklärern.

Was Ueblackers literarisches Werk anbelangt, stehen aus seiner frühen Zeit, die in Regensburg erschienenen „Theses ex Universa philosohiae“ voran, die 1756 erschienen, dem Jahr, da er in Augsburg begann, die philosophischen Fächer zu lehren. Zehn Jahre später – als er 1766 nach Ingolstadt zu seinem Gönner, Professor Zech kam – erschien (anonym) der von ihm erstellte Index universalis ad faciliorem usum institutionum juris cononici autore P. Franc. Xav. Zech, s. J., editarum – wohl eine dankbare, ehrerbietige Verbeugung vor dem alten Lehrer und Einstimmung auf die Übernahme von dessen Lehrstuhl.
Selbst in Amt und Würden erscheint 1769 in Ingolstadt sein Conspectus juris canonici – in Frageform nennt er den Stoff der kirchenrechtlichen Vorlesungen und verweist dabei auf die einschlägigen Titel der Dekretalen Gregors IX. oder des Lehrbuchs von Zech.