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Johann Evangelist Thanner - Ingolstädter Professor und Hofbeichtvater der Kaiserin
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.184 vom 15.07.2025

Wenn man einen Vater hat, der Hofratspräsident ist, erleichtert das, zunächst den Start ins Leben. Johann Evangelist Thanner von Tannstein hatte dieses Glück, als er am 8. April 1618 in München zur Welt kam. Das war das Jahr, da der dreißig Jahre wütende Krieg begann und es vielleicht für Vater Hans Christoph doch nicht so angenehm war, in höheren Verwaltungsämtern tätig zu sein.

Fünfzehnjährig trat Johann Ev. dem Jesuitenorden bei und absolvierte sicherheitshalber und den Kriegsereignissen geschuldet das Noviziat in Böhmen. 
Dem dreijährigen Philosophiestudium in Ingolstadt 1635 bis 1638 folgte ein vierjähriges Magisterium in Innsbruck bis 1642. Zum vierjährigen Theologiestudium kehrte Thanner nach Ingolstadt zurück. Im Februar und im Mai 1646 erhielt er vom Eichstätter Bischof die höheren Weihen. Primiz feierte er in der Ingolstädter Jesuitenkirche zum Heiligen Geist, von deren Turm aus Christoph Scheiner (1573 bis 1650) mit seinem Schüler Baptist Cysat (1587 – 1657) als erster die Sonnenflecken entdeckt hatte, was ihm Galilei heftigst streitig machte.


Im November 1649 wird Thanner an der Universität Ingolstadt als Logikprofessor immatrikuliert, lehrt diese drei Jahre und 1652 / 1653 denn Moraltheologie.

Es beginnt eine akademische Wanderschaft – 1653/1654: München, Kontroverstheologie – 1654 bis 1657 Freiburg, Theologie-Professor, Fach Dogmatik. Aus Gesundheitsgründen – einem Augenleiden – ließ er sich 1657 nach Ingolstadt (heim-) versetzen, war aber dann doch vier Jahre in Dillingen, kam 1662 zurück und lehrt an der Ingolstädter Hohen Schule bis 1668 scholastische Theologie.

Seine Ingolstädter Zeit summiert sich – von seinen 50 Lebensjahren hat er als Student oder Professor nun rund 15 hier verbracht.

Seine Begabung und Fähigkeit zeigt sich in der Lehre, im Unterricht. In der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek in München, finden sich Mitschriften seiner Vorlesungen und ein Commentarius de fide, spe et caritate, de jure et justitia, aus Ingolstadt, von 1666 – 1668, aus der Zeit, da er auf dem Gipfel des akademischen Abschnitts seines Lebens stand und in Ingolstadt scholastische Theologie lehrte.

Er ist auch ein glänzender Verwalter. Nach 1668 überträgt man ihm zahlreiche Ordensämter. Er ist ein guter Seelsorger, deshalb sind damit auch Positionen, wie fürstlicher Beichtvater, verbunden. Da sind zunächst zwei Rektorate. Zwei Jahre am Kolleg in Neuburg, dann an der Universität Dillingen.

Von April 1674 bis Ende 1675 ist Thanner Provinzial der Oberdeutschen Provinz.

1675 wird er zum Hofbeichtvater des Pfalzgrafen von Neuburg und Herzogs von Jülich-Cleve, Philipp-Wilhelm (später Kurfürst von der Pfalz) berufen und lebt nun wechselnd in Neuburg und in Düsseldorf.

Thanner scheint sich gegen dieses Amt gesträubt zu haben, auch der Ordensgeneral habe der Ernennung zur zögerlich zugestimmt (schreibt Beatrix Schönewald im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München).

Er war Nachfolger Gabriel Ridlers, der sich seit 1671 um eine Ablösung von diesem Hofamt bemüht hatte.

Ab 1678 war Thanner dann Beichtvater der Kaiserin Magdalena Eleonoara (der dritten Gemahlin Kaiser Leopolds I.) einer Tochter Philipp-Wilhelms und pendelte nun zwischen Wien und Prag.

In der Goldenen Stadt starb Thanner Anfang 1680 62-jährig an einem Steinleiden.