Johann von Moosburg - Bischof von Regensburg – Ein Sohn des Ingolstädter Herzogs Stephan und damit Halbbruder der Königin von Frankreich
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.230 vom 15.07.2026
Dass die Ingolstädter Herzöge – wie wohl auch nahezu alle anderen Fürstlichkeiten des späten Mittelalters – keine (nach heutigen Begriffen) mustergültigen Moral-Vorstellungen von ehelicher Treue hatten, ist bekannt. Ludwig der Gebartete hatte, wie man weiß, einen außerehelichen Sohn, Wieland von Freyberg, den er so offen bevorzugte, dass sein legitimer Nachkomme, Ludwig der Bucklige, rebellierte. (2006 hat das Stadttheater Ingolstadt sich anlässlich der 1200 Jahr-Feier der Stadt dieses Themas angenommen und ein Schauspiel aus der Feder von Thomas Schwarzer „Der letzte Herzog von Ingolstadt“ zur Aufführung gebracht).
Weit weniger bekannt (um nicht zu sagen nahezu unbeachtet) bleibt offenbar die Tatsache, dass es auch in der vorausgegangenen Generation der (ab 1392) souveränen Linie Bayern-Ingolstadt einen fürstlichen Bastard gab. Herzog Stephan III., genannt der Kneißl (das heißt: der Prachtliebende) hatte schon vor seiner Heirat, 1364 mit Thaddäa Visconti, der Tochter des tyrannischen Herrschers über Mailand, einen Sohn. Dieser Wittelsbacher Prinz Johann (von Geblüt, immerhin Abkomme eines regierenden Herzogs) wurde Bischof von Regensburg und das 25 Jahre lang.
(1 Zur Lebensgeschichte siehe die umfangreiche Darstellung bei: F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg; Regensburg (3 Bd.), 1883 – 1886; Bd. 3, S. 296 - 352)
Bischof Johann von Moosburg war mithin ein Halbbruder des zweiten Ingolstädter Souveräns, Ludwigs des Bärtigen (1365 – 1447). Der regiert von 1413 – 1443, die restliche Zeit bis 1447 ist er zwar nominell Landesherr und Herrscher, aber eingekerkert und als Politiker nicht handlungsfähig. Sein Sohn, Ludwig der Bucklige, war vor ihm – am 13. April 1445 - gestorben, sodass die Herrscherlinie Bayern- Ingolstadt mit des Gebarteten Tod am 1. Mai 1447 auf der Riesenburg von Burghausen das Ende des Hauses Ingolstadt bedeutete.Johann von Moosburg, der Sohn fürstlicher Herkunft, aber nicht aus ehelichem Herkommen stammend, Bischof von Regensburg, war damit aber auch Halbbruder der Königin von Frankreich, Elisabeths von Wittelsbach – in die Geschichte eingegangen und weltweit berühmt geworden als Isabeau de Bavière (1371 – 1435), Gemahlin König Karls VI. von Frankreich.
Als reifer Mann (so um die 35 Jahre) begleitete Bischof Johann seinen Vater 1394/1395 Stephan nach Paris (um die Unterstützung Frankreichs für den Fall einer kriegerischen Konfrontation mit der Linie Bayern – München, den dortigen Herzögen Ernst und Wilhelm zu finden (deren Cousin ersten Grades – ein Cousin Germain, wie die Franzosen das zu nennen pflegen – Bischof Johann war). Dass Johann seiner (Halb-) Schwester begegnete ist wohl keine Frage. Wie sich Königin und Bischof, Schwester und Bruder begegneten, bleibt zunächst unbekannt.
Stephan III. (1337 – 1413) (regiert zusammen mit seinen Brüdern 1375 – 1392 Bayern als Ganzes, dann das Herzogtum Bayern – Ingolstadt von 1392 – 1413), war ein „lebenslustiger, prunkvoll auftretender Fürst, stets reich geputzt in seiner Kleidung, durch seine Heirat an den üppigeren Luxus Italiens gewöhnt. Kampf und Abenteuer waren seiner strotzenden Lebenskraft Bedürfnis. Lag er nicht zu Felde, so ritt der kleine zierliche Herr weitum zu Turnieren und Festlichkeiten, und wie Weiber und Widersacher ward er die Schulden nie los… Sein gutmütiges Volk, mit Nachsicht urteilend, nannte ihn wohl den Gütigen. Geläufiger war ein anderer Beiname „der Kneißl“, der auf das Prachtliebende seiner äußeren Erscheinung deutete“.
(2 Siegmund von Riezler; Geschichte Bayerns, Bd. 3 1347 – 1508 – Neudruck der Ausgabe Gotha, 1889 -, München, 1964, S. 107)
Bayern und Österreich
Dem kraftvollen Stephan galt „kriegerische Kraftentfaltung als unerlässlich, bei ihm erscheint sie fast ebenso sehr als Selbstzweck oder als finanzielles Hilfsmittel, als dass ein tatsächliches oder vermeintliches Staatsinteresse ihn zu den Waffen gerufen hätten“.
(3 Riezler; Geschichte Bayerns…; a.a.O.; S. 108)
Die bayerischen Herzöge regierten zunächst gemeinsam – mit der friedlichen Politik des Vorgängers Stephan II. war es rasch vorbei. 1375 folgten Stephan III. und Friedrich einem Hilfeersuchen Herzog Leopolds von Österreich ins Elsass, wo englische Söldner unter Enguerrand von Couchy eingefallen waren. Als dann im Erzbistum Mainz zwei Gegenbischöfe Krieg begannen, eilte Stephan erneut ins Feld. Eine Zeitlang nährte dann die Hoffnung auf italienische Eroberungen Stephans Ehrgeiz. Im zu Hall (1374) geschlossenem Bündnis hatte er Herzog Leopold von Österreich Hilfe im Krieg gegen Venedig zugesagt, im Gegenzug ein Hilfeversprechen gegen den Herrn von Verona erhalten. Letztlich kam es zu Intrigen und Verwerfungen. So vermerkte man es in Österreich wohl übel, dass 1377 die bayerischen Herzöge versuchten, das Freisinger Domkapitel zur Wahl Johannes von Baiern, des natürlichen Sohns Herzog Stephans auf den Bischofsstuhl zu bewegen, wo doch dieser Stuhl in Österreich und Kärnten so reich begütert war. Die Herzöge versprechen am 5. August 1377 dem Kapitel „alle Ungnade abzutragen“, welche die Österreicher ihnen deshalb bezeigen würden.
Johann von Moosburg
Der um 1358 geborene Wittelsbacher wurde schon 1372 in das Freisinger Domkapitel aufgenommen.
(4 Hermann Reidl; Pressetext zum 600. Todestag Bischof Johanns von Regensburg – freundlich vom Verfasser dem Autor übermittelt – vgl. dazu: Bernhard Pehl; Bischof mit Hang zu kostbaren Reliquien. Johann von Moosburg starb vor 600 Jahren. Halbbruder Ludwigs des Gebartete; in: Donau Kurier vom 5.,6. September 2009)
Johann konnte sich jedoch 1377/78 gegen von den Habsburgern unterstützten Leopold von Sturmberg (auch Luitpold von Sturmberg)
(5 http://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/842459 (=www.deademic.com: Academic dictionaries and encyclopedias)
nicht durchsetzen. Nach dem Tod des Bischofs Paul von Jagerndorf im April 1378 war Johann zwar vom Freisinger Domkapitel zum Bischof gewählt worden, konnte aber die päpstliche Bestätigung nicht erhalten.
1378 und 1379 studierte Johann in Bologna. Riezler berichtet von einer Urkunde Peters von Frauenberg, in der (am 18. Januar 1379) ein der Universität Bologna angehöriger Johann von Baiern, Sohn eines Herzogs von Baiern, erwähnt ist – und in jeden Irrtum ausschließenderweise als „electus Fringensensis“ bezeichnet wird. Mit Johann halten sich in Bologna die Freisinger Domherrn Franz von Preising; Peter von Frauenberg (damals Prokurator der deutschen Nation – der Vorstand der deutschen Studentenschaft an der Universität) und Thomas Grunshofer auf.
1382 wurde Johann dann Domprobst in Freising.
Kampf um den Regensburger Bischofsstuhl
Nach dem Tod des Regensburger Bischofs Theoderich eilte Johann mit dringlichen Empfehlungsschreiben seiner regierenden bayerischen Verwandten nach Rom zu Papst Urban VI. Der war umso mehr geneigt, den Wünschen der bayerischen Herzöge nachzukommen, als sein Gegenpapst Clemens VII. alles unternahm, um sich in Deutschland Autorität und Gefolgschaft zu verschaffen (und Leopold von Österreich auf seine Seite getreten war). So erhielt Johann durch apostolische Provision seine Ernennung zum Administrator – zum Verwalter der Diözese während der Sedisvakanz.
Zwischenzeitlich hatte das Regensburger Domkapitel den Passauer Domherren Paulus Kölner zum neuen Bischof gewählt. Als Johann nach seiner Rückkehr aus Rom die Ernennungsurkunde durch Papst Urban VI.
(6 Papst Urban VI. (Bartolomeo Prignano) um 1318, Neapel; 15. Oktober 1389, Rom; Papst 1378 – 1389; vgl.: Ansgar Frenken; Urban VI.; in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 12; Herzberg, 1997; Sp. 925 – 928; ferner: http://deacademic.com/disc.nsf/dewiki/1441178))
vorlegte, „waren die Domherren sehr betreten“.
(7 Hermann Reidel; a.a.O.)
Als Johann sich Anfang 1384 als neuer Bischof präsentierte, zog sich Kölner nach Passau auf sein dortiges Kanonikat zurück.
Paulus Kölner starb zudem um Ostern 1384 in Passau. Johann erhielt nun die Zustimmung der Kanoniker und apostolische Dispens- und Bestätigungsbriefe. Urban wurde (frühestens im Juni 1384) durch Urban VI. bestätigt.
(8 siehe: Erwin Gatz (Hrsgb.); Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1198 bis 1448. Ein biographisches Lexikon; Berlin, 2001; S. 633 f.)
Bei Johanns „erster Messe“ soll Herzog Friedrich, sein Onkel, anwesend gewesen sein.
(9 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg....; a.a.O., S. 298)
Zu Johanns Amtsführung
In der fünfundzwanzigjährigen Amtszeit des Bischofs ging es „vor allem um eine standesgemäße Hofhaltung des herzoglichen Abkömmlings“.
(10 Hermann Reidel; a.a.O.;)
Das Pontifikat war gekennzeichnet von heftigen Kontroversen mit dem Domkapitel über wirtschaftliche Fragen und über rechtliche Kompetenzen. Um seinen herrschaftlichen Lebensstil zu finanzieren, griff Bischof Johann auf jüdische Geldverleiher zurück, wenn die Besteuerung des Klerus und die Gewährung von Ablässen nicht hinreichten.
(11 Vgl.: Inschriften des Regensburger Doms I.; Deutsche Inschriften; http://www.inschriften.net/regensburg-dom-I/nr/di074-0129html)
Seinen Generalvikar, der immer größere Steuersummen für das aufwendige Hofleben beschaffen musste, brachte er in große Schwierigkeiten. Um neue Geldquellen zu erschließen, erhob er neue zusätzliche jährliche Abgaben zur Erneuerung der Seelsorgevollmacht, cura animarum.
(12 Vgl.: decademic, a.a.O.)
In seiner Geschichte der Bischöfe von Regensburg geht Janner wiederholt hart mit Bischof Johann ins Gericht: „Die Regierung Johanns war durchaus keine prinzipielle, kaum einen höheren Gesichtspunkt vermag man anzugeben, der von oben herab seine Tätigkeit beherrscht und regelt; dadurch kommt es, dass zwar eine Unmasse von Nachrichten uns überliefert ist, dass diese aber nur äußerst schwer unter gemeinsame Gesichtspunkte zu bringen sind“.
(13 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg...a.a.O.; S. 306 f.)
An anderer Stelle schreibt er von dem „prachtliebenden, man kann sagen, üppig lebenden Bischof“.
(14 ebenda)
Bald nach seinem Regierungsantritt legte Johann wie der um 1420 schreibende Chronist Andreas von Sankt Mang berichtet, den Grundstein zum nördlichen Domturm. Wie Bischof Conrad VI. vor ihm setzte Johann auch den Bau des neuen Bischofshofs fort und auch der Domplatz wurde um diese Zeit erweitert. Ein hochstiftiges Haus, das den Weg zwischen Dom und Dompropstei (der jetzt sogenannten Residenz) verengte, wurde aus dem Besitz des Magistrats erworben
„und zu Ehren des Hl. Petrus niedergerissen“.
(15 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg…a.a.O.; S. 309)
Und eben um diese Zeit scheint der „St. Johannes Thurm.... vollendet worden zu sein, denn an seiner Nordseite ist Johannes Wappen neben dem des Hochstifts angebracht“.
(16 ebenda)
Um den Bau des Domes zu befördern, ließ der Bischof in den Pfarreien eine jährliche mit päpstlichen Ablassbriefen unterfütterte Kollekte durchführen.
Belegt sind ferner Verpfändungen von hochstiftigen Gütern und die Veräußerung episkopaler Rechte.
(17 Vgl.: http://www.inschriften.net/regensburger-dom-I, a.a.O.)
Johann lebte „auf mehr als kirchenfürstlichem Fuße, was Wunder, wenn die alte Lust, hochstiftige Güter und Besitzungen zu verpfänden, Vesten und Schlösser zu verkaufen und zu verleihen“ wieder aufbrach.
(18 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg…. a.a.O.; S. 309)
Geldbedarf
Bischof Johann, so jedenfalls die Deutung, stürzte das Hochstift in eine weitere finanzielle Notlage.“
(19 decademic; a.a.O.) Da er „Schulden (auf-) und Verpfändungen (vornahm)“.
(20 ebenda)
Davon profitierte die Stadt Regensburg; die von der „Misswirtschaft“ Vorteile gewann..
(21 Das Urteil (ex post) einer „Misswirtschaft“ ist leichthin gefällt: in der Zeit des späten Mittelalters war die Frage des Einsatzes verfügbarer oder erreichbarer Mittel mit dem Verwendungszweck selbiger ein anderer als die spätere Perspektive des „Staats–Zieles“ zum Besten der Einwohner. Mittel zum Ruhme, für Bauten, zur Herrschaftsdarstellung und –sicherung einzusetzen, war den Zeitgeist zufolge durchaus kein unlauteres Ziel. Und wenn „Regensburg profitierte“ war dies in damaligen Augen eventuell eine win-win-Situation (wie man heute zu sagen pflegt.))
Wenn Regensburg durch die „Misswirtschaft des Bischofs Rechte erlangte, die sich andere Städte hart erkämpfen müssen mussten, bestand insoweit kein Anlass zur Klage. Klage. Die Stadt kaufte Donaustauf und das Dorf Sulzbach, die zuvor in den Besitz der bayerischen Herzöge gelangt waren.
Unter der Geldbeschaffung des Bischofs und seines Generalvikars litten vor allem die Dorfpfarrer; die unter den genannten Beiträgen zum Dombau qua Ablassbriefen Einbußen erlitten und Summen abzuführen hatten, die sie für ihre Pfarreien benötigten. Ihre eigenen Pfründe wurden inkorporiert, sie hatten zusätzliche Abgaben zu erleiden. „Das Anstellungsverhältnis wurde durch die Inkorporation (möglicher; G.T.) Willkür ausgesetzt‘“.
(22 deacademic, a.a.O.)
Da Bischof Johanns Generalvikar und Berater, Peter von Remagen, nicht nur sozusagen von Amtes wegen zur Hofhaltung, Lebensgestaltung und zum Leben der Diözese und Regensburgs finanzgestalterisch beitrug, sondern (nach der traditionellen Ansicht) einen beträchtlichen Teil der Abgaben in sein Privatvermögen einfließen ließ - für seine eigenen Bedürfnisse, wohl aber auch für fromme Stiftungen.
(23 Hermann Reidel; a.a.O.)
In der Tat „muss Peter ein stattliches Vermögen besessen haben, da er 1387 in der Stiftskirche St. Johann zwei Kaplaneien stiftete und 1391 neuerdings eine Ewigmesse auf dem St. Clemensaltar“.
(F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg... a.a.O.; S. 344)
Er wurde schließlich, obwohl ihm der Bischof zuvor Straffreiheit garantiert, und mit Brief und Siegel Straflosigkeit und „Sicherheit gegen alle Beschuldigungen verbürgt“ hatte,
(24 Vgl. Karl Hausberger; Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reich…. a.a.O. S. 634)
quasi als Sündenbock ins Gefängnis geworfen.
(25 ebenda)
Der bedauernswerte Generalvikar
Dieser bedauernswerte Helfer war Peter von Remagen, der 1366 erstmals urkundlich als Kanonikus bei St. Johann erwähnt wird. 1382 bekleidete er das Amt eines Sammlers der päpstlichen Kammergefälle von fast ganz Deutschland, 1390 führte er, jetzt Domherr, das Amt eines Generalvikars der Regensburger Diözese.
(26 Vgl.: F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg... a.a.O.; S. 343)
Er verwaltete die Domfabrikkasse, erwarb sich große Verdienste um den Dombau, führte die Finanzen, was ihn „dem Bischof Johann ganz besonders theuer machte.“ (27 ebenda)
Er eröffnete mit der cura animarum, einer jährlichen, sehr hohen Taxe, eine neue Einnahmequelle: „Eine ungeheure Summe Geldes floss dadurch in die Kassen des Bischofs“,
(28 ebenda, S. 344)
erregte aber den Zorn des Klerus „über das Aussaugesystem des Generalvikars“.
(29 ebenda)
So half ihm letztlich auch der Indemnitätsschein des Bischofs nicht. Er wurde gestürzt, seiner Güter beraubt, ins Gefängnis geworfen und scheint in der Haft umgekommen zu sein.
(30 Karl Hausberger; Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches…. a.a.O.; S. 634)
„Der Unwille gegen ihn war so groß, dass man auf dem von Peter selbst im Domkreuzgang gesetzten Grabstein nicht einmal den Tag und das Jahr des Todes (es war 1400) einzumeißeln sich bemüßigt fand, ja dass man…… sogar seinen gestifteten Jahrtag zu halten unterließ.
(31 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg…. a.a.O.; S. 345)
Lust am Streit, Unlust zur Pastoral
Bei den rechtlichen Streitigkeiten ging es darum, dass sich Bischof Johann bemühte, sich die mit Vertrag von 1373 von seinem Vorgänger Konrad von Haimburg dem Domkapitel übertragene bischöfliche Gerichtsbarkeit wieder zurückzuholen. Die Domherren appellierten schließlich an den Prager Erzbischof Johann von Jenstein als Legaten, der 1387 zugunsten des Kapitels urteilte. Der Disput flammte später erneut auf und wurde erst 1402 durch einen Vergleich beigelegt.
(32 Karl Hausberger; Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches…. a.a.O.; S. 634)
„Danach verblieb die richterliche Gewalt im Allgemeinen beim Kapitel“.
Eigene pastorale Initiativen gingen – soweit bekannt – von Bischof Johann nicht aus.
(33 Karl Hausberger; Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches….. a.a.O.; S. 634) Soweit solche aufscheinen, wurden sie vom reformeifrigen Pfalzgrafen Ruprecht I. bei Rhein oder dem Regensburger Rat der Stadt dazu drängend gefordert.
In der Übersicht der „Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1198 bis 1448“ schreibt Karl Hausberger dezidiert: „Die Quellen bescheinigen Johann übereinstimmend, dass seine Amtsführung den Erfordernissen der Zeit nicht annähernd gerecht wurde“.
(34 ebenda)
Hermann Reidel
(35 Hermann Reidel; a.a.O.)
urteilt ähnlich („Bischof Johann von Moosburg wird in der Geschichtsschreibung des Bistums sehr kritisch beurteilt“
(36 ebenda)
und nennt eine „Quelle“: Laurentius Hochwart, Chronist und Domprediger im 16. Jahrhundert „spricht sich wohl am Schärfsten gegen Johann aus“.
(37 ebenda)
Der Domprediger schreibt: „Johann hat so gelebt, dass sich die Historiker schämen, von seinem Leben und seiner Diözesanleitung zu berichten. Die bischöflichen Geschäfte vernachlässigte er. Für das Hochstift war er nicht bloß ohne Nutzen, sondern sogar demselben zu großem Schaden, nur bloß auf sich allein bedacht, bestrebt, den Makel seiner Geburt durch fürstlichen Aufwand zu decken“.
(38 zitiert nach: ebenda)
Ein Bischof in politischen Händeln
Nicht ausbleiben konnte auch, dass der Fürstensohn und Bischof in politische Händel hineingezogen wurde, sich darin wohl auch wohlfühlte.
Virulent waren dazumal die Auseinandersetzung zwischen Fürsten und Städten. König Wenzel suchte zu vermitteln – die Heidelberger Stallungen (26. Juli 1384) waren ein Versuch, eigentlich nur ein Waffenstillstand. Ihm war auch Bischof Johann beigetreten – als man in Koblenz am 8. Dezember 1384 eine Erläuterung zu den Heidelberger Vereinbarungen gab, ist Johann schon im Fürstenverzeichnis geführt. Allerdings hielt der „Friede“ nicht; die Gewaltstreiche, die Adelige und Herrn gegen die Städte führten, hatten diese zusammengeführt. Die Städte sicherten sich beim Nürnberger Hoftag im Juli 1387 die Bündnisfolgschaft des Salzburger Erzbischofs Pilgrim, wobei ausdrückliche Assistenz gegen die bayerischen Herzöge festgelegt war. Das sicherte zwar den Städten – voran Regensburg und Augsburg – bedeutende Unterstützung, war aber Anlass zum Krieg. Die bayerischen Herzöge nahmen Erzbischof Pilgrim, der Ende November 1387 zu Beratungen mit ihnen nach Raitenhaslach gekommen war, fest und brachten ihn nach Burghausen (Ludwig der Gebartete sollte später seinerseits dort gefangen gehalten und nach seinem Tod in Raitenhaslach bestattet werden). Dann begann die Fehde gegen Regensburg, während das Salzburger Kapitel Bayern mit dem Interdikt belegte und Wenzel Bayern den Krieg erkläre – nach diplomatischen Finessen belagerte Herzog Friedrich die Veste Stauf, Herzog Albrecht stand am Fuße des Breuberges bei Stauf und Stephan der Kneißl und Ludwig der Gebartete lagerten südlich der Donau. Im November erst kam es zu einem Gefecht, das die Regensburger für sich verbuchten.
Im Mai 1389 wurde in Eger Friede geschlossen, „sicher unter Vermittlung des anwesenden Johann“.
(39 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg… a.a.O.; S. 330)
Der Bischof hatte sich am Kriege nicht beteiligt („sei es, dass er die Ungerechtigkeit der bayerischen Fehde einsah, sei es, dass er sich mit der Stadt nicht abwerfen wollte“.
(40 Ebenda: „Die Regensburger heben dieses Verhalten Johanns lobend hervor“.)
1392 war das Land geteilt worden. Stephan war Bayern-Ingolstadt zugefallen. 1394 holte Stephan der Kneißl, Bischof Johann in den herzoglichen Rat. (41 Vgl.: Lieberich; Gelehrte Räte…siehe Inschriften des Regensburger Doms… a.a.O.)
Von den drei herzoglichen Brüdern, die (1392) Bayern unter sich geteilt hatten, starb Friedrich (am 4. Dezember 1393) als erster. Er hinterließ einen siebenjährigen Sohn, Heinrich (später als „der Reiche“ bekannt), dessen – alleinige – Vormundschaft Stephan beansprucht. Auf einem Tage zu Landshut, an dem auch Bischof Johann teilnimmt, stimmt er der Teilnahme seines Bruders Johann (München) an der Vormundschaft zu. Bei einer weiteren Unterhandlung in Amberg (9. Mai 1394) entschieden Bischof Johann, Pfalzgraf Ruprecht, der Nürnberger Burggraf und der Leuchtenberger Landgraf, dass jeder der beiden Brüder abwechselnd zwei Jahre lang Vormund sein solle, aber mit 10 Räten, die je zur Hälfte aus ihrem Lande stammen sollten: Unter diesen Räten war auch Bischof Johann – Vormund seines Cousins von Landshut.
Ein Bischof in Paris
Die Vereinbarung war nichts wert, die Versöhnung nur scheinbar, denn Herzog Johann „eilte unmittelbar nach Linz und schloss dort ein Bündnis mit den österreichischen Herzögen und dann auch noch mit dem Freisinger Bischof und dem Herzog Galeazzo Visconti“.
(42 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg…. a.a.O.; S. 334)
Als Stephan dies erfuhr, übergab er die Regierung seinem Sohn Ludwig dem Gebarteten und reiste mit seinem natürlichen Sohn, dem Bischof Johann, nach Paris zu seiner Tochter Elisabeth, die seit 1385 mit König Karl VI. verheiratet war und nunmehr in Frankreich Isabeau aus Bayern benannt wurde.
Die Reise, so Reidel, diente dazu, „Unterstützung (für Bayern-Ingolstadt; G.T.) im Falle eines Krieges gegen die Münchner Herzöge Ernst und Wilhelm zu erhalten“. (43 Hermann Reidel; a.a.O.)
Über die Begegnung des Bischofs von Regensburg mit seiner Schwester, der Königin von Frankreich, und Mitgliedern von deren angeheirateter Familie ist nichts bekannt.
Kostbare Kunstwerke
„Möglicherweise“ – so Hermann Reidel – hat Bischof Johann damals „ein kostbares Emailkästchen mit einer Rippe des Hl. Laurentius und einen Dorn von der Krone Christi aus Paris nach Regensburg mitgebracht“.
(44 Hermann Reidel; a.a.O.)
Das Reliquiar – ursprünglich ein äußerst aufwendiges Schatzkästchen franko-flämischer Herkunft – ist seit 1496 in den Inventaren des Domschatzes verzeichnet. Reidel fügt an: „Es könnte aber noch später nach 1400 durch Johannes Halbbruder Herzog Ludwig den Gebarteten von Bayern Ingolstadt nach Regensburg gekommen sein……“.
(45 Hermann Reidel; a.a.O.)
Tatsache ist: Paris war um diese Zeit der Ort, an dem die Orfevrerie, die Kunst der Gold- und Silberschmiede, einen Höhepunkt erreicht hatte und Kunstwerke hervorbrachte, die nirgendwo sonst in Europa ihresgleichen fanden.
Tatsache ist: Königin Isabeau hatte ein Faible für diese extrem kostbaren Kunstwerke – sie schenkte ihrem Gemahl, König Karl VI. – als „étrennes“, den in Frankreich üblichen Geschenke zu einem neuen Jahr, solche Meisterwerke der Goldschmiedekunst, darunter etwa eine Darstellung der „Schönen Unserer Lieben Frau“, ein Kunstwerk von hohen Graden, das für die Schatzkammer, den Heiltumsschatz des Ingolstädter Herrschaftsdoms bestimmt und namensgebend für das Ingolstädter Münster wurde (,das von Herzog Ludwig dem Gebarteten erbaut wurde und keineswegs als zweite „Pfarre“ gedacht war, sondern, nach dem Vorbild von Saint-Denis bei Paris als Grabstätte der Ingolstadt-Wittelsbacher Dynastie und Ort dienen sollte, an dem der Herzog seine Reliquien aufbewahrte, den Heiltumsschatz, der über das Land wachen sollte.
(46 Dieses unschätzbare Kunstwerk wurde auf Befehl Napoleons zur Finanzierung seines Russlandfeldzuges des bloßen Materialwertes wegen eingeschmolzen.)
Ein weiteres von Ludwig dem Gebarteten aus Frankreich hergebrachten Meisterwerke ist das heute in Altötting aufbewahrte „Goldene Rössl“ – Geschenk Isabeaus an König Karl VI., verpfändet an Herzog Ludwig von Ingolstadt.
Was das Laurentius-Reliquiar anbelangt, bleibt offen, ob es Bischof Johann oder Herzog Ludwig aus Frankreich brachte.
Zum Dorn aus Christi Dornenkrone: Sie befand sich (legendär) in der Sacre Chapelle zu Paris. Einen Dorn des Marterwerkzeuges zu erhalten war (angesichts auch der extrem begrenzten Zahl einer solchen Kostbarkeit) eine superbe Gunst, die selbst der König von Frankreich recht begrenzt halten musste.
Nun ist bekannt, dass König Karl seinem Schwager von Bayern – Ingolstadt einen solchen Dorn vermachte. Die (örtliche, Ingolstädter) Sage vermeldet, dass dieser Dorn eines Tages bei einem großen Reinemachen in der Sakristei von einer nichtsahnenden Staubwischerin weggeputzt wurde.
Insoweit zeigt sich eine sorglose Nachlässigkeit im Ingolstädter Umgang mit einer religiösen Preziose. Unwahrscheinlich scheint, dass es zwei Dornen waren – einer für Ingolstadt, einer für Regensburg, wahrscheinlich scheint eher, dass ein Dorn an den künftigen Herzog von Bayern – Ingolstadt, den Schwager des Königs, verschenkt wurde und nicht an den Bischof von Regensburg mit seiner unehelichen Geburt, was aber des kirchlichen Amtes wegen auch nicht ausgeschlossen ist.
Letztlich wird sich der Weg von der Sainte Chapelle zu Paris nach Bayern nicht nachvollziehen lassen. Tatsache ist, dass der Regensburger Dorn noch existiert und seit Jahrhunderten dokumentiert ist.
Kriegszüge in Bayern
Was den Anlass der Reise Stephans und Bischof Johanns nach Paris, ein befürchteter Konflikt mit Bayern – München, betraf, so wurde der Krieg von Ludwig dem Gebarteten, einem „fehdelustigen, gewaltthätigen Manne“ begonnene.
(47 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg… a.a.O.; S. 335)
Er sah im Freisinger Bischof Berthold, der zugleich österreichischer Kanzler war, den Hauptwidersacher der Ansprüche seines Vaters und versuchte einen Handstreich gegen Freising. Das Unternehmen scheiterte, als Mannschaften des Herzogs Johann aus dem nahen München zu Hilfe eilten. Daraufhin überfiel Ludwig das zu München gehörende Neuburg an der Donau, das er – wie Friedberg und andere Orte – vollends ausplünderte.
Im Frühjahr 1395 – „als die Fehden noch im besten Zuge waren“ ,
(48 ebenda)
kamen Herzog Stephan und Bischof Johann aus Frankreich zurück und bemühten sich um Unterstützung.
Da traf es sich gut, dass einer der großen Europas, Johann von Burgund mit französischen Haufen ins Land kam, die er dem ungarischen König Sigmund als Hilfstruppen zuführen sollte, der vom türkischen Sultan Bajazet bedroht wurde. Militärisch machtvoll unterfüttert, versöhnte er die feindlichen Brüder und suchte
„ihre Kriegslust gegen die Türken zu wenden“.
(49 ebenda)
Zweimal fanden entsprechende Beratungen in Regensburg statt, wobei Bischof Johann eine besondere Stellung einnahm.
Bei einer dieser Beratungsrunden um Pfingsten 1395 versprach Stephan seinem Sohn Ludwig 11410 Gulden, die ihm dieser im Krieg mit Johann, Wilhelm und Ernst geliehen hatte, bis auf Martini zu zahlen und setzte ihm als Bürgen Bischof Johann und andere. Er versprach diesen Bürgen zugleich, sie bis Martini von der Bürgschaft zu befreien und versetzte ihnen die Vesten Rain und Neuenburg mit Zubehör als Pfand. Als keiner der weiteren Bürgen aber sein Siegel anhing, enthob Ludwig auch den Bischof seiner Haftung, und der verzichtete auf seine Rechte an den beiden Vesten. Janner schreibt: „Es geschah dies, weil die Regierung der Herzöge kurz vorher wieder eine gemeinschaftliche geworden war“.
(50 ebenda)
Beigelegt wurde der Bruder-Zwist im Hause Wittelsbach nämlich am 25. September 1395 durch zehn Schiedsmänner, an deren Spitze Bischof Johann stand. Sie befanden, es sollten die beiden Brüder Stephan und Johann „nicht nur über das Land des Herzog Heinrich, sondern auch über ihre eigenen Länder wieder gemeinschaftlich regieren und die frühere Teilung solle ab sein“.
(51 F. Janner, Geschichte der Bischöfe von Regensburg... a.a.O.; S. 336)
Die Brüder fügten sich – bei einem Landtag im November 1395 in Ingolstadt empfingen die Fürsten die neue Huldigung der Stände.
Der Ehrgeiz eines Bischofs: Aquileia oder Salzburg (zusätzlich)
Dass Bischof Johann nach zusätzlichen Würden (und Einkünften) strebte, zeigen seine Ambitionen auf weitere Bischofssitze. König Wenzel – in dessen Gunst Bischof Johann stand – stellte im Winter 1394 bei Papst Bonifaz den Antrag, es „möge Johann auf den eben erledigten Stuhl von Aquileia befördert werden“.
(52 ebenda)
Das Ersuchen blieb erfolglos.
Nach den geschilderten kriegerischen Auseinandersetzungen und der politischen Rückkehr zur gemeinsamen Regierung und dem Tod Erzbischof Pilgrims am 5. April 1396 war der erzbischöfliche Stuhl in Salzburg vakant. Bayerischerseits erwog man, ihn mit Herzog Wilhelm oder eventuell mit Bischof Johann zu besetzen, was „den bayerischen Herzögen, die fortwährend mit dem Salzburger Erzstift in Hader waren, sehr erwünscht“ dünkte.
(53 ebenda).
Es gibt eine Vereinbarung (vom 21. Mai 1396) zwischen den beiden Kandidaten, in der sie „nach dem Rathe ihrer Väter, Vettern und Brüder“
(54 ebenda)
versprechen, „wegen des Bisthums zu Salzburg, darum für sie zu beiden Seiten dem Papst Bonifaz IX. geschrieben ist, keinerlei Stöß zu haben; würde das Bisthum dem Herzog Wilhelm verliehen, so soll er keinen andern Pfleger und Verweser setzen als Bischof Johann; wollte Wilhelm das Bisthum nicht haben und nicht zu Pfaffen werden, so solle er es dem Bischof Johann aufgeben; würde das Bistum an Johann verliehen, so solle er mit Wilhelm vor ihrer Väter und Brüder und die siegelnden Räthe kommen und was die erkennen, dabei soll es bleiben.“
(55 ebenda)
Weitere Abreden folgten – umsonst, da Gregor Schenk von Osterwitz das Erzbistum erhielt.
Der Bischof baut
Sichtbare Zeichen hat Bischof Johann durch seine bauherrliche Tätigkeit hinterlassen – am Westportal und an der Stiftskirche von St. Johann, an deren nördlicher Turmfassade sein und das hochstiftliche Wappen prangen. Durch den Neubau dieser Kirche ab 1380 (und bis 1384/1385) „konnte die Fundamentierung des Domnordturms gelegt werden. Das berühmte Mittelportal des Doms mit seinem Triangel und der Statue des hl. Petrus am Mittelpfeiler wurde unter Bischof Johann(es) ausgeführt“.
(56 Hermann Reidel; a.a.O.)
Hubel schreibt:
(57 Hauptportal des Regensburger Doms, S. 125)
Johann sei bekanntlich ein anerkannter unehelicher Sohn des Herzogs und Halbbruder der Königin Isabeau von Frankreich gewesen: „In diesem Zusammenhang werden auch die neuesten Erkenntnisse zum Einfluss der französischen Bildhauerkunst auf die Portalplastik des Regensburger Domes erörtert“.
(58 S.a.: Die Inschriften des Regensburger Doms; a.a.O., S. 3 Anm. 4)
Interessanterweise wird auch der französische Architektureinfluss im Zusammenhang mit dem Bau der Liebfrauenkirche zu Ingolstadt, die von Ludwig dem Gebarteten (1425) begonnen wurde und als dynastische Herrschaftskirche gedacht war und die zu schönsten und größten gotischen Hallenkirchen in Süddeutschland zählt, immer wieder angedeutet. Allerdings wurde der Bau erst 100 Jahre später vollendet – er bot 9000 Menschen Platz, obgleich Ingolstadt damals kaum 4000 Einwohner hatte.
(59 Gerd Treffer; Kleine Ingolstädter Stadtgeschichte; Regensburg, 2004; S. 56)
Dass die Wildheit der Sitten jener Zeit „frühe Schatten schwer auch auf den Weltclerus und die Klöster geworfen“ hatte,
(60 F Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg…. a.a.O.; S. 339)
und sich zu Bischof Johanns Zeit „die alten Übel breit gemacht, neue und größere Dimensionen angenommen haben“
(61 ebenda)
wurde noch dadurch verschlimmert, dass von einem Reformeifer des Bischof Johann nichts zu erkennen war. Er setzte zwar gewaltsam eine Reform – nach Manier der von Kastl ausgehenden Reform, die sich über die bayerischen und schwäbischen Kloster verbreitete – durch, aber nur, weil er von Pfalzgraf Ruprecht d.J. dazu getrieben wurde; auch im zweiten Fall einer Klosterreform, beim Kloster zum Hl.
Kreuz, muss der weltliche Magistrat von Regensburg selbständig auftreten und in einem dritten Kloster steht der Bischof mit den laxeren Mönchen im Bunde.
Unter einem neuen König
Nach der Absetzung Wenzels wurde am 20. Oktober 1400 Pfalzgraf Ruprecht III. zum König erwählt. Wie die bayerischen Fürsten sich unmittelbar dem neuen Herrn anschlossen so auch Bischof Johann, der in dem Verzeichnis jener steht, die Ende 1400 als Anhänger Ruprechts aufgeführt werden. Als Ruprecht im Februar 1401 nach Nürnberg kam, erteilte er nach dem hergebrachten Recht der primae preces Anwartschaften auf Pfründen am Dom und bei anderen Stiften. Wenig später verlieh er in Amberg dem Bischof die Realien und bestätigte die Privilegien und Rechte von Hochstift, Domkapitel und Diözesanklerus.
Harmonie zwischen den Halbbrüdern
Wie zu seiner Krönung versprochen zog Ruprecht im Herbst 1401 gegen Galeazzo Visconti. Bischof Johann folgte nicht mit in den Krieg. So bevollmächtigte ihn sein Halbbruder Ludwig der Gebartete (in München am 29. September 1401) solange er zu „Lamparten“ sei, „all seine Güter und Diener auszurichten, als ob er selbst im Lande wäre und im Falle sein Vater Stephan mit Tod abginge, sich seines Erbes bis zur Rückkunft aus Lombardien zu überwinden“.
(62 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg…. a.a.O.; S. 346)
Diese Verfügung, seine Verwaltung, sein Vermögen dem Regensburger Bischof anzuvertrauen, wirft ein Licht auf das Verhältnis zwischen den Halbbrüdern, das durchaus auf ein gewisses Maß an Vertrauen und Zutrauen in die Fähigkeit aufweist.
Das zeigt sich auch, als sich die (wiederhergestellte) gemeinschaftliche Regierung als ebenso von Zwist und Unfrieden geprägte zeigte, wie die Zeit des Nebeneinanders selbständiger Fürstentümer.
Im Oktober 1402 bedurfte es des Versuches von Friedensvermittlungen zwischen den Herzögen Stephan, Ernst und Wilhelm. Sie fanden in Ingolstadt und Freising statt. Bischof Johann war daran beteiligt: Die gewählten Schiedsrichter sprachen sich schließlich für die Wiederherstellung der Teilung von 1392 in Bayern-München und Bayern-Ingolstadt aus.
Das befriedete die Lage aber nicht, da „jetzt wie früher die gleichen Klagen wegen Übervortheilung, besonders von dem Gebarteten, erhoben wurden“.
(63 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg ... a.a.O.; S. 347)
Ludwig erhob neue Ansprüche, die durch einen Spruch abgewiesen wurden.
Ludwig, von seiner Schwester gerufen, auf dem Weg nach Paris, bevollmächtigte (am 30. Mai 1407) in Straßburg seinen bischöflichen Halbbruder (und einige andere), seinen Protest gegen den Schiedsspruch vorzutragen und die zur Fehde nötigen Gelder aufzunehmen.
(64 Vgl.: ebenda)
Schon 1406 hatte Stephan zugestimmt, dass seine zwei Söhne, Ludwig und Johann, für den Krieg den zwanzigsten Pfennig erheben und ihnen bei der Verwendung dieser Steuer freie Hand gelassen.
Denn, so Janner, „gerade sie beide waren es, welche ihren Vater zu den stets neuen Ansprüchen trieben“.
(65 ebenda)
Johann habe sich in diesen Jahren „mehr und mehr an Ludwig angeschlossen. Bei diesem konnte er eher seine fürstliche Lebensweise pflegen als an seinem tiefverschuldeten Bischofssitz“.
(66 ebenda)
Und zwischen den Brüdern herrscht eine gewisse Charakterähnlichkeit, die sich in einer „aller Friedensliebe baren Hartnäckigkeit“,
(67 ebenda)
einer arroganten Selbstbezogenheit und dem Streben nach Prunk, Reichtum und einem unnachahmlichen Adelsstolz zeigte. Hinzu kommt das Pochen auf die dem Stand – beim einen dem Fürsten, beim anderen dem Kirchenfürsten gegenüber – geschuldete Ehrerweisung.
Bischof Johann zeigte „Energie in Verteidigung seiner Rechte“
(68 ebenda)
– im großen, wie im kleinen – wobei es bei letzterem nicht an Kleinlichkeit fehlte, etwa im Falle des Ministerialen Rüger dem Neuhofer, der auf den Amthof in Kapfelberg Anspruch erhob und den Johann schlicht gefangen setzte und erst wieder entließ, nachdem er (am 3. Februar) 1403 Urfehde geschworen und auf alle Ansprüche verzichtet hatte.
(69 Vgl. ebenda, S. 347 f., Anm. 3)
Johann war „steter Freund und Stellvertreter seines…. Halbbruders Ludwig, in alle Händel seiner Familie verwickelt……“
(70 F. Janner; Geschichte der Bischöfe von Regensburg…. a.a.O.; S. 352).
Er war vermutlich, insbesondere in reiferen Jahren, ein echtes Mitglied der „Familie“, geneigt, sich „die Mittel für ein luxuriöses, fürstliches Leben zu verschaffen“.
(71 ebenda)
Das Bischofsamt, das Hochstift galt ihm, so Janner, „nur als Versorgungsanstalt“.
(72 ebenda)
Er fügt zu recht an: „Als solche haben es ihm auch seine Verwandten verschafft“.
(73 ebenda)
Johann von Moosburg starb am 25. (nach anderen Angaben am 29.) April 1409. Seine Grabplatte aus rotem Marmor ist an der Nordseite des Südchors des Regensburger Doms in den Boden eingelassen (und an der rechten Längsseite teilweise durch das Grabmal für Bischof Johann Michael von Sailer, der seinerseits Professor an der Bayerischen Landesuniversität Ingolstadt gewesen war verdeckt). Die Umschrift auf erhöhtem Rand zwischen zwei scharfen Linien umläuft den ganzen Stein und lautet (in der Übersetzung aus dem Latein): „Im Jahre des Herrn 1409 starb der Hochwürdige Vater in Christus und Herr, Herr Johannes, Bischof von Regensburg, am Tag des Hl. Evangelisten Markus, seine Seele ruhe in Frieden“.
(74 Vgl.: Die Inschriften des Regensburger Doms... a.a.O.; ferner: Die Kunstdenkmäler von Bayern. Oberpfalz.XXII. Stadt Regensburg, I: Dom und Sankt Emmeram; bearbeitet von Felix Mader; München, 1933; Bischofsgrabmäler)
Im Feld ruht die Gestalt des Bischofs in Hochrelief in vollem Ornat, das Haupt mit Mitra auf einem großen Kissen mit Quasten. In der Rechten hält er den Bischofsstab, in der Linken ein Buch. Im unteren Drittel finden sich zu beiden Seiten Wappenschilder. Das Gesicht ist breit, fast feist, gezeichnet.
Fragen
Unbeantwortet bleiben bei alledem einige Fragen von biographischer Neugier:
Wer war Bischof Johanns Mutter – also die Geliebte Herzog Stephans des Kneißls?
(75 Haeutle; Genealogie des erlauchten Stammhauses Wittelsbach; S. 123 f. (Anm. 1): „filius illegitime natus“)
Warum wurde dieser Sohn aus einer Liebschaft anerkannt – wer hat ihn als Kind betreut – warum nannte man ihn „von Moosburg“ – wie war sein Verhältnis zu seinen Geschwistern und den fürstlichen Verwandten?
Unbekannt bleibt vorerst auch: Welche Spuren haben Herzog Stephan und Bischof Johann in französischen Archiven bei ihrem Besuch am Hofe von Frankreich hinterlassen?
(76 Schreiben von Dr. Reidel an den Verfasser vom 26. Juli 2018)
