Josef August Schultes - ein bayerischer Patriot (zur unrechten Zeit)
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.180 vom 15.06.2025
Josef August Schultes kam 1773 in Wien zur Welt. Der Vater war Schmied und Kammerdiener des Grafen von Oettingen und Wallerstein.
1792 begann er sein Studium an der Universität Wien und promovierte im April 1796 zum Doktor der Medizin. Da war er gerade 23 Jahre alt geworden.
1797 übernahm er eine Professur für Naturgeschichte an der Theresianischen Ritterakademie in Wien. 1805 ging er an die Universität Krakau und gab dort den Professor für Chemie, Botanik, Klinik und Spezielle Therapie. Er erinnert insofern an Georg Ludwig Claudius Rousseau – Schultes um eine gute Generation voraus – der ebenfalls aus der Medizin kam und aus ihr heraus neue Disziplinen entwickelte, der erste Naturwissenschaftler in Bayern, 1776 Ordinarius für Chemie und Experimentalphysik ( siehe: Historische Blätter vom 1. April 2024).
Schultes erneuerte in Krakau den Botanischen Garten (und erinnert an Franz von Paula Schrank, der 1809 den Botanischen Garten in München in Angriff nahm, Gelehrter der Zoologie, Mineralogie, Bergbaukunde, Land- und Forstwirtschaft war – kurz, der Disziplinen, die dem Nutzen des Volkes dienen sollten fand und aufbaute, wie die Arbeiten seiner Kollegen Mooshammer, Begründer der Volkswirtschaftslehre in Bayern, oder Will, der die Tiermedizin in Bayern schuf und Wert darauf legte, dass sie den Bauern und auf dem Umweg einer gesicherten Ernährung den Menschen generell Nutzen brachte .
Schultes war zwar in Wien geboren , fühlte sich aber der Herkunft seiner Eltern wegen Bayern zugetan. 1808 nahm er in Innsbruck eine Professur an.
Napoleon war Herr über das kontinentale Europa. Zwei Jahre zuvor war Bayern unter ihm zum Königreich geworden. „Bayerischer Patriotismus und profranzösische Gesinnung veranlassten ihn, über die Vorbereitungen des Tiroler Aufstandes nach München zu berichten“ ( Wolfgang Piereth im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München). Von den Tirolern als Verräter verhaftet, wurde er nach Ungarn deportiert.
Im Oktober 1810 war er dann Professor für Naturgeschichte und Botanik in Landshut, wohin es relativ kurzzeitig die Bayerische Landesuniversität verschlagen hatte. Noch vor Jahresende wurde er Professor für Spezielle Therapie in der medizinischen Sektion - von Fakultäten redete man nicht mehr gerne. 14 Jahre lang tat er dort Dienst. Er machte sich durch zahlreiche Publikationen einen Namen:
- Bayerns Flora. Vollständige Beschreibung der im Königreich Baiern wildwachsenden Pflanzen, Landshut, 1811,
- Anleitung zum gründlichen Studium der Botanik zum Gebrauche bey Vorlesungen und zum Selbstunterricht, Wien, 1817,
- Carl von Linné , systema vegetalibum , 10 Bände , Stuttgart 1810 ff.
Mit seiner „ noch von der Aufklärung geprägten, empirischen und enzyklopädisch orientierten Wissenschaftsauffassung“ geriet er rasch zu der in Landshut gepflegten „romantischen Naturphilosophie und Medizin“ in Widerstreit.
1824 übernahm er zwar noch von Johann Anton Röschlaub die Medizinische Klinik der Universität Landshut. Als dann aber 1826 die Universität nach München „weiterverlagert“ wurde, verlor Schultes seine Professur. Der nunmehrige Landesherr, ein Philhellene war gewiss kein Frankophiler, und Schultes „ blieb, darüber tief verbittert, als Direktor der Chirurgischen Schule in Landshut zurück“ (Piereth). Er war - seinen wissenschaftstheoretischen Vorstellungen folgend - ein Anhänger Montgelas , dessen Politik er insbesondere während des Wiener Kongresses mit anonymen Flugschriften und Artikeln in der Regierungszeitschrift „Allemannia“ publizistisch gegen die preußisch- nationale Partei zu verteidigen suchte. So einen wollte Ludwig I. nicht unbedingt in München haben.
Schultes starb 1831 in Landshut.
