Heute in Österreich – früher Teil des Herzogtums Bayern-Ingolstadt – was verdanken Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg der Zugehörigkeit zu Bayern-Ingolstadt
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.239 vom 15.10.2026
Nach der Wittelsbacher Landesteilung von 1392 gehörten Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel zum souveränen Herzogtum Bayern-Ingolstadt (siehe Historische Blätter vom 15. November 2026)
Den beiden (hier in Frage kommenden) Herzögen, Stephan der Kneißl und Ludwig der Gebartete, lag die Förderung der Städte in ihrer Herrschaft besonders am Herzen. Sie sollten blühende Gemeinwesen sein, zur Wehrfähigkeit und so zum Ansehen des Herzogs beitragen und seine Position im Konzert der europäischen Mächte beitragen (siehe Historische Blätter vom 1. Oktober 2026)
Dazu trugen die Herzöge durch finanztechnische und wirtschaftliche Förderung in Form von Stapel- und Marktrechten und weitergehender politischer Unterstützung bei.
Dass damals der Bayern-Ingolstädter Herrschaft Städte und Landstriche im heutigen Österreich angehörten, ist heute weitgehend unbekannt. Dennoch fiel dem Ingolstädter Herzog Stephan dem Kneißl die Herrschaft über das „Land im Gebirg“ zu und umfasste Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg.
Auch sie wurden von den Herzögen Stephan und Ludwig umfangreich gefördert – nämlich:
• Kufstein
Der Ort hatte vermutlich noch im 13. Jahrhundert das Marktrecht erhalten und wurde keine zwei Monate nach der Landesteilung von Stephan dem Kneißl zur Stadt erhoben (11. Januar 1393), der das Stapelrecht für Kaufmannswaren zu Lande und zu Wasser zugesprochen wurden.
Stapelrechte waren herzogliche Vorschriften, die Fernhändler zwangen, an bestimmten Orten ihre Waren zu deponieren, an denen sie von anderen Kompanien übernommen wurden oder erst nach Entrichtung von Gebühren weitertransportiert werden durften. Im Falle Kufsteins bestätigte Herzog Ludwig der Gebartete (später, 1435) das Privileg, dass alle „Feilschaften“ (zum Kauf angebotene Waren, Handelsartikel oder Marktprodukte) auf den Wochenmarkt von Kufstein gebracht werden mussten und dort zum Kauf anzubieten waren, um die Stadt als Handelsort zu stärken und als Wirtschaftsstandort zu fördern.
Herzog Ludwig sorgte 1415 dafür, dass die Stadtbefestigung wesentlich verstärkt wurde. Zwei Jahre später bestätigte er die bisherigen Freiheiten der Stadt. Um 1420 wurde die gotische Hallenkirche fertiggestellt.
• Rattenberg
Die Stadt, zwischen Burgberg und Inn gepresst, war für das Herzogtum Bayern, zu dem es im 13. Jahrhundert gehörte, von eminenter verkehrspolitischer und militärischer Bedeutung. Rattenberg war die Grenzstadt zum habsburgischen Tirol. Schon Mitte des 14. Jahrhunderts hatte die Stadt eine Ummauerung erfahren. 1384 hatte der herzogliche Pfleger ein Kloster als Hospiz für Durchreisende errichtet.
Wie Kufstein, wurde Rattenberg fast unmittelbar nach der Landesteilung zur Stadt erhoben und ebenso wie Kufstein mit einer Meistbegünstigungsklausel bedacht: Sie erhielten alle Rechte, die andere Städte und Märkte und „unser Land zu Ober-Bayern“ haben, verliehen. (Im August 1410 bestätigte Herzog Stephan der Stadt dieselben Rechte wie sie Ingolstadt, Wasserburg und die anderen Städte und Märkte des Herzogtums Ingolstadt haben.)
Ludwig der Gebartete gab 1415 umfangreiche Erweiterungsbauten in Auftrag. Im Bauprogramm von 1416 ging es um vier Stadtmauertore, die Toranlage des Steintors, das Brückentor an der Innbrücke, das Landtor im Nordosteck der Stadt und das Pründltor, dem Berg zu gelegen.
Zur Finanzierung verschaffte der Herzog der Stadt beachtliche Einnahmen: 1415 z.B. den Zoll auf alle ein- oder durchgeführten Waren, zusätzlich zu dem schon 1396 gebilligten Drittel am herzoglichen Umgeld. Dem Unterhalt der Inn-Brücke diente seit 1393 eine an die Bürger Rattenbergs abgetretene Stadtsteuer. Hinzu kamen Materiallieferungen für Baumaßnahmen an der Befestigung und der Brücke. Finanzquellen waren auch ein Marktzwang für die Bevölkerung des ganzen Umgriffs, die Gestaltung eines Wochenmarktes (ab 1333) und eines Jahrmarktes (im Oktober seit 1403).
• Kitzbühel
1271 schon hatte Herzog Ludwig II. der Strenge die Siedlung zur Stadt erhoben. Sie wurde zu einem politisch wie wirtschaftlich bedeutenden Stützpunkt Bayerns, zumal im frühen 14. Jahrhundert die Stadtmauer vollendet wurde, in die der herzogliche Pflegehof einbezogen wurde.
1393 bestätigte Herzog Stephan auch hier die Privilegien der Stadt und stiftete das Hl.-Geist-Spital.
Für Ludwig den Gebarteten fielen die Städte im Gebirge in einen gemeinsamen Rahmen. Bald nach seinem Regierungsantritt lies er seine drei dortigen Landgerichte beschreiben und die herzoglichen Einnahmen verzeichnen. Dieses Urbar, urteilt Siegfried Hofmann, „zählt dank seiner Exaktheit zu den hervorragendsten schriftlichen Zeugnissen für die Geschichte Tirols. Es enthält u.a. die ältesten Angaben über den Bergbau in den östlichen Teilen Tirols.“
Für das Landgericht Kitzbühel sind Gruben für Silber, Kupfer und Eisen verzeichnet.
Auch wurden in der Ingolstädter Herrschaftszeit zwei Kirchen gebaut. 1430 die Katharinenkirche in der Vorstadt und ab 1435 die Pfarrkirche St. Andreas.
Alle drei der hier genannten Städte im Landesteil im Gebirge erfuhren gleichermaßen ein glückliches Los: Sie blieben von den Kriegen des Herzogs verschont.