Lorenz Grill - der große Studienreisende in Sachen Medizin
Zum 500. Geburtstag
Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 14 - Ausgabe Nr. 153 vom 01.09.2024
Grill kam 1524 in Altenheim bei Landshut zur Welt. Er nahm 1540 sein Studium in Wien auf, wechselte zwei Jahre später nach Ingolstadt und 1545 nach Tübingen, wo er bei Leonhart Fuchs Vorlesungen belegte.
Mit einem Stipendium der Fugger versehen, konnte er eine sechs Jahre dauernde Studienreise unternehmen: Siena, Pisa, Padua, Rom, Neapel, Montpellier, Paris und über die Niederlande nach England. Ausfluss der Reise war ein Bericht "Oratio de peregrinationa studio medicinalis ergo suspecta" ( abgedruckt in F.J. Grienwaldts Album Bavariae iatrice seu catalogis celebriorum aliquot medicorum (München,1773)). Er verdeutlicht sein Interesse am praktischen Medizinunterricht - den aus verschiedenenLändern zu vergleichen er hinreichend Gelegenheit hatte.
Im Dezember 1555 kam er zurück nach Ingolstadt und beabsichtigte wohl, seine Erfahrungen und Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Kurz vor seinem Ruf nach Ingolstadt aber erlitt er einen schweren Unfall, bei dem er sich beide Oberschenkel brach, sodass er sich in den ihm verbleibenden gut vier Lebensjahren in Wissenschaft und Lehre nicht mehr hervortun konnte.
Er stiftete ein Stipendium für Medizinstudenten und vermachte den Begünstigten seine umfangreiche Bibliothek.
Er starb im März 1560 und wurde im Ingolstädter Münster bestattet. Wo genau in dieser Kirche, darüber sind sich die älteren Ingolstädter Universitätshistoriker nicht einig. Mederer, der sich auf den Universitätsannalen-Schreiber Rotmar bezieht (und dessen irrige Annahmen korrigiert), übernimmt von ihm den Text der Grabinschrift und sieht ihn bestattet in sacello cerevisiariorum, in der Urbankapelle. Gerstner sieht ihn in der Hieronymuskapelle (irrtümlich nennt er 1540 als Sterbejahr). Ostermair nennt als Bestattungsort die Sebastianskapelle.
Wie dem auch sei, der Grabstein des Lorenz Grill ist untergegangen. Allerdings hat ihn Johann Baptist Götz in seiner umfangreichen Darstellung der Ingolstädter Grabmäler (abgedruckt im Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, hier Nr. 44, 1925, S. 192) unter der Rubrik "Verschwundene Grabsteine, deren Inschriften wir kennen" aufgenommen. Er gibt sie folgendermaßen wieder:
"Laurentius Gryllus, Medicinae Doctor et Professor Vixit Annos XXXVI, Menses VII et Dies VII, Mortus Anno MDLX, Die IV Martii . Cuius anima vivat Deo".
Götz fügt an: " Gryll, ein hochberühmter Mediziner seiner Zeit, stammte aus Altenheim bei Landshut, der Heimat Schwebermairs ( er schreibt den Namen falsch als Schwebermaier), wo er 1542 geboren wurde (was falsch ist und 1524 heißen muss, was sich auch unschwer aus den von Götz zitierten Daten der Inschrift errechnen lässt), studierte in Ingolstadt und machte auf Kosten der Fugger große Reisen..."
Schwebermair war der erste Regens des Georgianums ( siehe: Historische Blätter Nr. 135, 2024 vom 1. März 2024), der allerdings schon 1530 verstarb.
Schwebermair taucht auch im Zusammenhang mit einen weiteren Grill auf. Dieser Johannes Grill ist Lorenz Grills Bruder. Das Biographische Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München gibt zu seinen Lebensdaten keine Auskunft, weist aber aus den Matrikeln Altenheim als Geburtsort nach. Johannes kommt 1540 nach Ingolstadt. Das Studium finanziert er, schreibt Christoph Schöner, " durch eines der von seinem Verwandten Georg Schwebermair gestifteten Stipendien; die Bemerkung 'collegii stipendiatus" neben seinem Namen in der Matrikel deutet zumindest darauf hin."
1541 wird Johannes Grill Baccalaureus, 1544 Magister. Im Oktober 1544 erhält er die Dialektiklektur, 1546 amtiert er als Dekan der Artistenfakultät und studiert bei den Juristen weiter. Im September 1547 gibt er seine Lektur auf und wird nach einem Eintrag im artistischen Dekanatsbuch Präzeptor bei den Freiherrn Lamberg in Orteneck und Ottenstein. Verzeichnet ist Grill an der Universität Freiburg, dann erst wieder 1560-1563 im Zusammenhang mit der Besetzung des von seinem Bruder Lorenz gestifteten Stipendiums am Ingolstädter Georgianum. Dabei wird er als Advokat zu Landshut bezeichnet.
