Lorenz Veith - Antiaufklärer aus Überzeugung
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.217 vom 01.04.2026
- Eine Charakterstudie. Leben gegen den Zeitgeist. -
Veith, zweiter Vorname Franz Xaver (eine Verbeugung vor dem großen Missionar der Jesuiten) kommt im Dezember 1725 in Augsburg zur Welt.
Er besucht das Augsburger Gymnasium und Lyceum. Es heißt, er habe anschließend ein Jahr zu Dillingen Theologie studiert. Er sei 1744 in die Gesellschaft Jesu eingetreten und habe das Noviziat in Landsberg absolviert. Michael Schaich spricht (im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität) von einem „vergleichsweise späten Ordensbeitritt“. Veith war neunzehn; verwirrend ist aber, dass er da bereits mit dem Theologiestudium begonnen haben soll und dass er vom Noviziat „unmittelbar“ ins Magisterium überging. (Vielleicht, um so die Pflichtübung der eigenen Lehrzeit nach Abschluss des Grundstudiums nachzuholen). Jedenfalls schickt man ihn (möglicherweise, um Ordnung in seinen akademische Lebensgang zu bringen) 1746 nach Regensburg, wo er fünf lange Jahre Lehrer am Gymnasiums ist.
Dann setzt er das ( ja bereits mutmaßlich angefangene) Theologiestudium fort. Wieder unkonventionell verteilt auf die Jahre 1751 bis 1754 in Ingolstadt und abschließend im Semester 1754/1755 in Dillingen.
In der Folge unterrichtet er an den Gymnasien Straubing 1755/1756 (unterbrochen vom Terziatsjahr in Altötting 1756/1757), in Regensburg 1757/1758, in Neuburg 1758/1759 und Burghausen 1759/1760. Man weiß nicht, ob der rasche Wechsel von einer Lehranstalt zur anderen auf den Wunsch der Oberen zurückzuführen ist, Veith vielfältige Unterrichtserfahrung zu verschaffen oder ob er bedingst war durch den Wunsch der örtlich Verantwortlichen, einem allzu rigorosen Mitbruder lieber anderorts einen Wirkungsort zu verschaffen.
Zunächst kommt Veith 1760 an die Landesuniversität. Er unterrichtet fünf Jahre lang Philosophie, ein Semester Kasuistik, drei Jahre Dogmatik und vier Jahre lang Heilige Schrift und Kontroverstheologie - bis 1773.
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Bis 1773: Der Landesherr setzt dem Jesuitenorden ein Ende.
Veith gehört nicht zu den Jesuiten, die, nach Aufhebung des Ordens, als „Ex-Jesuiten“ an einer Universität bleiben, wie sein Ordensbruder Ignaz Zanner in Freiburg, mit dem er 1764/1765 zusammen in Ingolstadt tätig war (siehe Historische Blätter vom 15. März 2026) , die nach Aufhebung des Ordens im Amt bleiben. Zanner ist nach Freiburg zurückgekehrt, ist acht Mal Dekan der dortigen Theologischen Fakultät gewesen, zum Rektor der Universität (1799) geworden und 1792 in Pension gegangen. Aus solchem Holz ist Veith nicht geschnitzt. Er ist ein harter Klotz. Nach der Aufhebung des Ordens (1773) zieht er sich in seine Geburtsstadt Augsburg zurück. Dort halten sich die Jesuiten länger, zäher, hartnäckiger.
Er lebt dort in dem als „Weltpriesterhaus“ geführten ehemaligen Jesuitenkolleg Sankt Salvator und unterrichtet am angeschlossenen Lyceum
Schaich schreibt: „Er gehört damit zum Kreis der sogenannten Augsburger Exjesuiten, die in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts mit einer Vielzahl von Publikationen und einer ausgedehnten Predigttätigkeit eine im ganzen deutschsprachigen Raum für Aufsehen sorgende Kampagne gegen den aufgeklärten Zeitgeist führten.“
Hier stehe ich, ich kann nicht anders, war Luthers Position, seinem Charakter folgend, seine unverrückbare Verortung gewesen. Die einen sehen in einer solchen Haltung eine querulatorische Starrköpfigkeit, die anderen ein aufrichtig-querdenkerisches Bekenntnis und die Entschlossenheit, sich dem Mainstream entgegenzustellen. Im Falle Veiths galt der Widerstand dem grundsätzlich anti-religiösen Aufklärertum, mit dem es nach seinem Empfinden keine Verständigung und keine Kompromisse geben konnte.
Zur antiaufklärerischen Polemik der Augsburger Exjesuiten trägt Veith mit mehreren Büchern bei. Sie entstammen allesamt der Zeit nach der Auflösung des Jesuitenordens und erscheinen im Verlag seiner Brüder Ignaz Adam und Franz Anton, etwa:
De primatu et infallibilitate romani pontificis (1781 u.ö.); Edmundi Richerii doctoris Parisini systema de ecclesiastica et politica potestate singulari diss confutatum (1783); De gemina delectatione caelesti ac terrena relative victrice (1785); Scriptura sacra contra incredulos propugnata ( neun Bände, 1789 – 1799) und (als Co-Herausgeber und Mitautor) Kritik über gewisse Kritiker, Recensenten und Broschürenmacher (1787 – 1796).
In seinen Schriften verteidigt er „den von Gott verliehenen päpstlichen Jurisdiktionsprimat sowie die Unfehlbarkeit des römischen Bischofs in Fragen des Dogmas“. Daneben wies er in dem (oben erwähnten) neunbändigen Werk zur den Ungläubigen entgegengehaltenen Heiligen Schrift („dessen erster Entwurf noch auf seine Ingolstädter Zeit zurückgehen soll“) „Vorwürfe zurück , wonach die Bibel Absurditäten, Ungereimtheiten und innere Widersprüche enthalte und legte im Gegenzug die Heilige Schrift als geoffenbarte Religion im traditionellen, vom Tridentinum beglaubigten Verständnis der römischen Kirche aus“ (Schaich) .
Für seine Schriften erhielt Veith (1784 und 1790) „ belobigende Schriften des Papstes, in denen sein Eintreten für den römischen Stuhl gewürdigt wurde“ (ebenda).
Veith starb im Oktober 1796 in Augsburg.
Empfehlung: Michael Schaich; Religionis defensor acerrimus. Joseph Anton Weissenbach und der Kreis der Augsburger Ex-Jesuiten; in: C Weiß und W Albrecht (Hrsgb.); Von ‚Obscuranten‘ und ‚Eudämonisten‘; St Ingbert, 1997
