Neuerscheinung: Die Franziskanerinnen von Ingolstadt 750 Jahre Kloster St. Johann im Gnadenthal

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr. 241 vom 01.11.2026

2026 war das Jahr, in dem das Kloster St. Johann im Gnadenthal sein 750jähriges Bestehen feiern konnte – mit einem Hochamt in der Franziskanerkirche, dem Bischofsbesuch in den Gnadenthalschulen, mit einem Biergarten im Klosterhof als Erinnerung an die 400jährige Brautätigkeit des Klosters, mit Tagen der offenen Tür, mit einem Fest der Ableger der Schule in Brasilien und Angola und vielen weiteren Veranstaltungen.

Bild vergrößern: Buchvorstellung 750 Jahre Kloster St. Johann im Gnadenthal Bild: © Bernd Betz / Stadt Ingolstadt
Autor Dr. Gerd Treffer und die Co-Autorinnen und -Autoren v.l.n.r.: Lisa Steigerwald, Edmund Hausfelder, Christa Schmidbauer, Michael Klarner, Sr. M Júlia, Doris Wittmann, Gerd Treffer, Gerald Huber (nicht im Bild Christa Scheuer, Beatrix Schönewald)

Nun erscheint zum Abschluss des Jubiläumsjahres ein Buch, das die ein Viertel-Jahrtausend überbrückende Geschichte des Klosters nacherzählt und sie unter sehr unterschiedlichen und unerwarteten Gesichtspunkten beleuchtet.

Den Grundtext, die Schilderung der Klostergeschichte vom Beginenheim über die hohe Zeit im Barock, als Kaiser, Herzöge und Kurfürsten das Haus besuchten bis hin zur Säkularisation, als dem Gnadenthal nur noch die Rolle als Aussterbekloster zugedacht war, danach die Epoche, als die Franziskanerinnen die Erziehung der Mädchen und jungen Frauen Ingolstadts energisch in die Hand nahmen, später Opfer der NS-Politik wurden und Schwestern in die Mission nach Brasilien (und heute auch Angola) schickten – diesen Grundtext liefert Gerd Treffer, der auch die Herausgeberschaft und die Gestaltung des Textbildbandes übernommen hat. Eine Vielzahl der Fotografien stammt von Gert Schmidbauer, der über Jahre hin Haus, Leben im Kloster und insbesondere die dort aufbewahrten Kunstschätze abgebildet hat.

Beiträge zu dem Buch liefern fachkundige Kenner der Ingolstädter und der Klostergeschichte. Vom Pressesprecher der Stadt Ingolstadt, Michael Klarner, der schon früher die besondere Gestimmtheit innerhalb der Klostermauern beschrieben hat, stammt eine einfühlsame Einordnung des Klosters in die Stadtgeschichte. Gerald Huber vom Bayerischen Rundfunk bringt sein umfangreiches Wissen zur bayerischen Landesgeschichte und zu ihrer Landshuter Variante ein und schreibt über die Vertreibung der Landshuter Schwestern nach Ingolstadt. Dr. Beatrix Schönewald, langjährige Direktorin der historischen Institute, des Zentrums für Stadtgeschichte, stellt das Kloster-Archiv des Gnadenthals und die dort aufbewahrten Papst-, Kaiser- und Bischofsurkunden dar. Edmund Hausfelder, viele Jahre an der Spitze des Stadtarchivs, schildert Leben und Werk der Iphigenia von Zimmern, unter der das Kloster seine barocke Blüte erlebte. Doris Wittman vom Stadtarchiv – niemand weiß mehr über die Ingolstädter Kirchen- und Religionsgeschichte als sie – hat die spirituelle Dimension franziskanischen (Frauen-)Lebens beleuchtet und Lisa Steigerwald vom Donau Kurier, die mit investigativer Neugier ins Klosterleben eintauchte, berichtet von ihren Eindrücken und steuert ein Interview mit der amtierenden Generaloberin, vor allem zur Zukunft des Klosters und seiner Dependancen in Brasilien und Angola bei. Christa Scheuer, Lehrerin und „Geschichtsschreiberin“ der Gnadenthalschulen, zeichnet den Lebensweg der Schulen und ihre besondere Atmosphäre nach.

Weitere Kapitel und Bildseiten des Buches befassen sich mit den „Legenden“, die sich um das Kloster gebildet haben (etwa die Puppe, die den Schwestern folgte, weil es ihr sonst zu langweilig wurde). Erstellt wurde für das Buch eine aktualisierte Liste der Oberinnen von Anfang an, neu die Übersicht, der im „Rufe der Heiligkeit“ verstorbenen „Schwestern“. Geschildert werden die „Heilige Stiege“ im Klosterinneren (und die dazugehörige päpstliche Gewährung eines völligen Ablasses).
Natürlich wird die berühmte Klosterapotheke in Bildern dargestellt. Und in zahlreichen Bildern wird die „große Künstlerin des Konvents“, Sr. Euphemia Blaschke gewürdigt.
Weitere Kapitel beschreiben die „Krippentradition“ des Hauses, die Brautradition oder die wunderbaren Kunstwerke, die sich im Kloster verstecken und die Ingolstädter Handwerksmeister über Jahrhunderte hin für die Schwestern gefertigt haben: Schlösser, Türen und Beschläge, der Wonnegarten des Hl. Geistes von Sr. Euphemia im früheren Refektorium, die „Klostergeschichte“ als Mosaik im „Besucherzimmer“ …


Gerd Treffer
Die Franziskanerinnen von Ingolstadt
750 Jahre Kloster St. Johann im Gnadenthal
Ingolstadt, 2026
140 Seiten

ISBN: 978-3-98-207707-9
Preis: 28 Euro, erhältlich insbesondere über Kloster St. Johann im Gnadenthal, Harderstraße 5, 85049 Ingolstadt, an der Pforte

01.11.2026