Vom Pfründensammeln – ein Lehrstück über das Bewußtsein vor political correctness und compliance. Zum 500. Todestag von Peter Gruenhofer
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr. 240 vom 01.11.2026
Peter Gruenhofer war von 1493 bis 1508 in Ingolstadt als Professor zu Gange und fühlte sich dort, wenn man die überkommenden Lebensdaten betrachtet, so zu Hause, dass er der Stadt über seine Professorenzeit hinaus verbunden blieb und dort 1526 verstarb.
Er stammt aus Heinheim (bei Obing). Christoph Schöner, der wesentlich zum Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität (Teil I: Ingolstadt – Landshut 1472 – 1826) beigetragen hat und dem darin u.a. die Biographie Gruenhofers zugefallen ist, hat nichts über sein „Vorleben“ zu berichten gefunden. Er gibt allerdings für das Jahr 1489, als Peter Gruenhofer in das dokumentierte Stadium tritt, an, der Eintritt in die Universität sei als „famulus“ des herzoglichen Schatzmeisters erfolgt. Das klingt fast nach einem „Stipendium“, wenn nicht des Hofes schlechthin, so doch einer hochgestellten Persönlichkeit dort. Der ehrgeizige Student braucht knappe eineinhalb Jahre zum Bakkalar und zwei weitere zum Magister. Zwei Monate danach – im März 1493 – wird er ins Gremium der Lesenden Magister aufgenommen und beginnt seine Lehrtätigkeit mit dem Exerzitium posteriorum; im folgenden Wintersemester ließt er den „Textus posteriorum“. Auch Schöner kann nur durch „obrigkeitliche Protektion“ erklären, dass Gruenhofer 1495 die Kollegiatur erhält, die durch den Tod Christoph Seilmayrs freigeworden war. Er behält sie bis 1508. Dennoch scheint er sich in der Fakultätspolitik nicht besonders hervorgetan zu haben, obgleich er zu jenen Personen gehörte, die 1497 von den herzoglichen Räten über den Zustand der Universität befragt werden. 1501/1502 ist er Dekan und 1507 einer der Vertreter der Fakultät bei den Beratungen über die „nova ordinatio“.
Es scheint: Seine Aufmerksamkeit galt weniger den universitären Strukturen als der Frage seines eigenen ökonomischen Fortkommens. Er wurde gewissermaßen zum „Pfründensammler“.
Zu Hause in Ingolstadt:
- 1500 erscheint er als Inhaber einer Mess-Pfründe;
- 1516 ist er als Inhaber der Schilwatzin-Präbende nachweisbar;
- außerdem besitzt er ( bis 1526) die „Missa Apostolorum“ an der Moritzkirche.
Aber auch außerhalb Ingolstadt strebt Gruenhofer nach Pfründen:
- Im Juni 1513 erhält er eine Chorherrenstelle an der Alten Kapelle zu Regensburg und
- im Dezember 1523 die Pfarrei St. Kassian ebenda;
- 1525 wird er als Inhaber der Pfarrei Allersburg genannt.
All diese seine Kapitalanlagen scheint er von Ingolstadt aus verwaltet zu haben, ohne aber vermutlich nach seinem Ausscheiden aus dem Collegium vetus 1508 noch universitär beschäftigt gewesen zu sein, wohl aber vom Nimbus des Hochschullehrers profitierend.
Nun ist zu berücksichtigen, dass gewisse Lehrtätigkeiten prinzipiell mit Pfründen verbunden waren. In Gruenhofers Werdegang zeichnen sich gewissermaßen bestimmte (Karriere-)Muster für die frühen Jahre nach der Universitätsgründung ab. Zunächst einmal war es nicht schädlich, von hochgestellten Personen des Hofadels oder der herzoglichen Beamtenschaft protegiert zu werden. Anrüchig, gar schamlos fand das offenbar niemand – es entsprach den gesellschaftlichen Vorstellungen der Zeit.
Zu anderen scheinen die Professoren (der Theologie , die Geistlichen auf Lehrstühlen) darauf gerichtet gewesen zu sein, dass ihr Salär aus Pfründen finanziert wurde, was im Rahmen der frühen Universitätsfinanzierung sozusagen systemkonform war, sie aber auch versuchten, sich kirchlicherseits Einnahmequellen zu erschließen, die über die Lehrtätigkeit hinaus, personengebunden ( und unter der Flagge ihrer priesterlichen Leistungen) geeignet waren, sich ein angemessenes Einkommen über den Dienst an der Universität hinaus zu sichern. Dass es dabei nicht schaden konnte, wenn man sich mit dem Titel eines Ordinarius oder Lehrbeauftragten der Bayerischen Landesuniversität zu schmücken, versteht sich von selbst. Auch dies erschein den Zeitgenossen offenbar nicht fragwürdig.
Was im 21. Jahrhundert, da man sich die political correctness und sogenannte compliance-Regeln als fragwürdig, gar abstrafbar zugelegt, für moralisch abzulehnen sich angewöhnt hat, war nicht allein in den Anfangsjahren der Universitäten in Europa, sondern über Jahrhunderte universitären Lebens hin nicht nur nicht anrüchig und ehrenrührig; es war vielmehr ein Bestandteil von Attraktivität, Status und Ausstrahlung des Professorenamtes an Universitäten.
An Peter Gruenhofer zeigt sich das.
Er starb am 23. Mai 1526 in Ingolstadt.