Professor Johann Kagerer - der Bodenständige
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.190 vom 15.09.2025
Johann Kagerer wäre kürzlich 400 Jahre alt geworden. 1622 in Burghausen geboren, war er im dortigen Jesuitengymnasium unterrichtet worden, folgerichtig 1639 in den Orden eingetreten. An einer namentlich nicht bekannten Lehranstalt des Ordens betrieb er philosophische Studien, die er mit dem Magister abschloss. An einem ebenfalls nicht namentlich bekannten Ort unterrichtete er vier Jahre lang Grammatik und studierte selbst Theologie, ehe er in Augsburg Philosophie las.
1657 bis 1659 lehrte er in Ingolstadt - nun an der philosophischen Fakultät und war im Wintersemester1557/58 deren Dekan. In dieser Zeit war er auch an einer Disputation („Disputatio philosophica de actione productiva corporis naturalis“) beteiligt, der Matthias Ram präsidierte, der nur ein Jahr jüngere, in Hall in Tirol geborene Jesuit, der 1641 der Gemeinschaft beigetreten war.
Man stand sich nahe. Beide kamen ja aus Orten, die man nun nicht gerade als die Zentren der europäischen Gelehrsamkeit betrachten konnte. Man kannte sich, durchlief dieselbe Schulung, den ordensüblichen Ausbildungsweg. Beide scheint es auch nicht hinausgetrieben zu haben an die glänzenden Universitäten in Frankreich oder Italien, wo man seine Argumente hätte schärfen , wo man intellektuelle Duelle hätte führen, seine Brillanz hätte beweisen können. Der Gerechtigkeit halber sei gesagt, dass die Zeit, da Kagerer und Ram junge Männer waren, für weite Reisen nicht angetan waren, als der dreißig Jahre dauernde Krieg vieles verwüstete, aber auch manchen die Entschuldigung lieferte, dass man sich zu diesem oder jenem nun nicht aufraffen könne. Da unterrichtete man doch lieber an ( namentlich nicht genannten) ordenseigenen Anstalten, blieb im Lande und nährte sich redlich.
Auch Ram wurde an „diversen dem Orden zugeteilten Lehranstalten als Professor für Grammatik (wie Kagerer), für Humaniora und Philosophie (wie bald auch Kagerer) eingesetzt, ohne dabei (wie Kagerer) auffallende wissenschaftliche Aktivitäten zu entfalten“ (Winfried Müller). 1655 bis 1658 war Ram als Professor für Logik und Physik – also an der Philosophischen Fakultät - (wie Kagerer 1657 bis 1659) der Universität Ingolstadt tätig. (Von daher die genannte Disputation). Von 1662 bis zu seinem Tod (1665) dozierte Ram in Dillingen scholastische Theologie. Kagerer ging nicht nach Dillingen, sondern nach Landshut, wieder keine streitlustige akademische Arena, eher ein ordensgeschütztes Reservat (wo kaum heftiger Widerspruch zu erwarten war) und lehrte dort Kasuistik.
Für den Rest seines Lebens, schreibt Michael Schaich ( im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität), „liegen wiederum nur spärliche Angaben vor.“ 1668 vermutet ihn Schaich in Innsbruck, zumal dort (am 4. und 6. September) ein aus seiner Feder stammendes Schauspiel mit dem Titel „Ovis perdita et reducta “aufgeführt wurde. Schaich zitiert den Titel und fügt korrekt an „o.O.,o.J“, also ohne Angabe des Ortes des Druckes und seines Jahres.
Tatsache ist: Das Zentrum des Jesuitentheaters (deutscher Sprache und überhaupt) mit den drei großen „Jakobs“ – Balde, Bidermann, Locher - war Ingolstadt. Hier kamen die großen Schulspiele – auch vor Landesherr und Hofe – zur Aufführung. Karl Bosl hat zu recht geschrieben, ohne das Ingolstädter Jesuitentheater wäre deutsche Theatergeschichte nicht denkbar.
Kagerer war in Ingolstadt zweifelllos dem Ruhm dieser Tradition begegnet und davon inspiriert. Sein „Ovis perdita“ mag in Innsbruck inszeniert worden sein. Es spricht aber einiges dafür, dass es in seiner Ingolstädter Zeit erdacht, angedacht, vielleicht entworfen oder gar geschrieben worden war. Tatsache ist auch, dass die Bayerische Staatsbibliothek einen Druck verwahrt: „Ovis Perdita et Reducta. Das ist: Wunderbarliche Widerkehrung Marci. Eines Cretenischen Jünglings“ (Bayerische Staatsbibliothek München -4 Bava.2193,VI,1 68# Berbid 25). Dort heißt es nahtlos weiter: „Vorgestellt Von der studierenden Jugend deß Churfürstlichen Gymnasij der Gesellschaft Jesu zu Ingolstadt. Den 4. vnd 6. Herbstmonats, Anno 1703“
Kagerer starb am 5. März 1682 in München.
