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Runde Professorengeburtstage 2026: Schaitter - Söll - Schreiber
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.221 vom 01.05.2026

In das Jahr 2026 fallen einige runde Geburtstage von Professoren der Universität Ingolstadt, über die nur wenig bekannt ist, weil sie literarisch nicht hervorgetreten sind oder nur kurze Zeit in Ingolstadt unterrichteten.

350 Jahre

Der 350. Geburtstag steht an für Dominicus Schaitter, der am 19. Januar 1676 in Brixen zur Welt kam. Im Oktober 1693 dem Jesuitenorden beigetreten, hielt er sich 1705 in Dillingen auf, wurde 1706 in Augsburg zum Priester geweiht und feierte in Dillingen Primiz. Agnes Toellners Beitrag zum Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität zu Folge, war er Schüler des sowohl in Dillingen wie zu Ingolstadt lehrenden Franz Höggmayr (1661 – 1738), der den philosophischen Kurs in Ingolstadt und auch das anschließende Theologiestudium dort absolviert hatte Ab 1693 wurde Höggmayr vom Orden als Professor an der Universität Dillingen eingesetzt und hielt dort den philosophischen Kurs. Anschließend war er in gleicher Funktion in Ingolstadt tätig und wird dort als Professor für Logik in der Matrikel geführt. Sein Schüler Schaitter pendelte ebenfalls zwischen Dillingen und Ingolstadt. 1710 hält auch er in Ingolstadt den dreijährigen philosophischen Kurs , 1713 wird er Studienpräfekt am Jesuitengymnasium und der Universität Dillingen , an der er 1713 bis 1716 die Professur für Moraltheologie inne hatte. Zu seinem weiteren Lebenslauf liegen nur bruchstückhafte Informationen vor: 1730 gehörte er der theologischen Fakultät der Universität Innsbruck an , 1731/1732 lehrte er am Jesuitenkollege Eichstätt Moraltheologie. Bezeugt ist er auch als Superior in Kaufbeuren. Gedruckte Werke von ihm sind nicht überliefert. Die Studienbibliothek Dillingen bewahrt ein ungedrucktes Werk von ihm auf („Tractatus de fide, spe et charitate“). Gestorben ist er am 6. Juni 1740 in Freiburg im Breisgau.


350 Jahre

350. Geburtstag trifft ebenfalls auf Anton Söll zu, der am 15. August 1676 in Sonnenburg in Tirol zur Welt kam. Ebenfalls 1693 dem Jesuitenorden beigetreten , war er 1712/1713 Professor der Metaphysik in Augsburg , 1713/1714 Professor der Mathematik , 1715/1716 Professor der Moraltheologie in Ingolstadt. 1716 bis 1724 ist er Kanonist in Dillingen. Es folgt eine längere Periode (bis mindestens 1734) im Dienst des Fürstbischofs von Brixen Kaspar Ignaz Künigl. 1736 wird er als Professor des kanonischen Rechts in Innsbruck erwähnt.
Sölls zumeist in Dillingen erschienenen Werke befassen sich vorwiegend mit kirchlichem Immobilien- und Abgaberecht , so die Qaestiones canonicae de tributis (1719) – De judiciis causarum civilum (1720), ein umfassender Kommentar zum Prozessrechte - De praescriptionibus tractatus canonico-civilis (1724. Er befasst sich mit Ersitzung und Verjährung von Rechten und wendet sich mit seiner Antithesis quoad legem amortizationes (Kempten, 1738) gegen Joseph Bernhard Gletles Schrift über die Amortisationsgesetze, die den freien Grunderwerb durch die Kirche und die Zunahme des abgabenfreien Kirchengutes beschränkten. Im Tractatus theoretico-practicus de decimis novalium (Kempten, 1738) behandelt er den Novalzehnt , der von den Erträgen des neu unter den Pflug genommenen Landes zu entrichten war. Umfangreich und eher rechtsphilosophischer Natur geriet seine Abhandlung über das Wesen und die Natur des Gesetzes Scientia legum (1724). Im Kern war Söll ein als Geistlicher im Hauptberuf verkappter Jurist, dessen Wirken im 19. und 20. Jahrhundert Würdigung fand. J.F.v. Schulte führt ihn in seiner „Geschichte der Quellen und Literatur des Canonischen Rechts“ (Stuttgart, 1890) auf, N. Grass in seiner Darstellung über „Österreichs Kirchenrechtslehrer der Neuzeit „ (Fribourg, 1988).
Söll starb am 2. August 1741 in Innsbruck.

300 Jahre

Thomas Schreiber, der am 22. Dezember 1726 im oberpfälzischen Floß zur Welt kam, gehört zu den am wenigsten bekannten Professoren der Universität Ingolstadt. Im September 1745 in die Gesellschaft Jesu aufgenommen, übernahm er 1768 den Lehrstuhl für Kasuistik. 1770 ging er in gleicher Funktion nach Dillingen, das er 1771 verließ, um als letzter Rektor vor Aufhebung des Jesuitenordens das Kolleg in Eichstätt zu leiten.
Er starb 1795 in Neuburg an der Donau.