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Schollinger OSB
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.186 vom 01.08.2025

Der Vater Johann war Waisenhausschullehrer in Freising. Seinen im Jahr 1722 geborenen Sohn taufte er Sebastian Anton. Der hatte später eigene Vorstellungen und nannte sich Hermann Schollinger.
In Freising besuchte man damals (nach der Elementarschule) das Benediktinergymnasium, was quasi nahtlos dazu führte, dass der Fünfzehnjährige als Novize ins Benediktinerkloster Oberaltaich eintrat, der Sechzehnjährige Profess ablegte, im eigenen Kloster Philosophie und Theologie studierte, ehe er 1744 an die ordenseigene Universität Salzburg zog und in dieser Stadt im März 1745 zum Priester geweiht wurde.

Ein Wintersemester (1746/1747) wagte er sich an die gemischt-konfessionelle Universität Erfurt, vertiefte seine Kenntnisse, neben Theologie, in Mathematik und orientalischen Sprachen. Kanonisches und weltliches Recht studierte er dann 1747 bis 1750 doch wieder lieber in Salzburg.
Nach kurzer Lehrtätigkeit im Mutterkloster leitete er ab 1752 in Rott am Inn, dann in Prüfening das Studium Commune des bayerischen Benediktinerordens.
Seit 1751/1752 tat er sich mit apologetischen Schriften hervor. Generell hat Apologetik drei wesentliche Funktionen. Sie will durch logische Argumente und wissenschaftliche und historische "Beweise" für die Wahrheit des Glaubens eintreten, diesen gegen Angriffe durch Kritiker anderer Glaubensrichtungen verteidigen und entgegengesetzte Glaubensrichtungen oder Weltanschauungen zurückweisen.
Die kurzlebige "Societas Litteraria Germano Benedicta " wählte Schollinger 1754 zum Mitglied. Nach manchen, gescheiterten, Bemühungen hatte der Historiker, Bibliothekar und Vorkämpfer der Akademiebewegung Oliver Legipont den benediktinischen Akademiegedanken einer reinen Ordensakademie aufgegriffen und den Benediktinerkardinal Angelo Maria Quirin, Präfekt der Vatikanischen Bibliothek als Protektor der Benediktiner-Akademie gewonnen. Fürstabt Engelbert von Syrgenstein von Kempten wurde Praeses. 1757 etablierte sich dort die Societaet. Als Ehrenmitglieder nahm sie auch weltliche Gelehrte ohne Unterschied der Konfessionen auf, knüpfte ausgedehnte Beziehungen u.a. zu den Maurinern in Paris und zur umtriebigen lothringischen Benediktinerkongregation. Als erstes Werk der Akademie erschien 1754 in Augsburg Ziegelbauers und Lepoints vierbändige "Historia Rei Litterariae Ordinis Sancti Benedicti". Allerdings war, als Schollinger zugewäht wurde, das Ende der Societaet schon nahe.
1759 wählte die junge Bayerische Akademie der Wissenschaften Schollinger zum Mitglied, der just in diesem Jahr auch die dogmatische Lehrkanzel in Salzburg erhielt.
Da er sich an politisch brisanten Preisfragen der Bayerischen Akademie beteiligte, musste er (1766) nach Oberaltaich zurückkehren. Von dort aus unternahm er für die Akademie die (weitere) Sammlung und Herausgabe der Monumenta Boica, der bayerischen Klosterurkunden. 1772 wurde er Prior seines Klosters.

Als kurz darauf der Jesuitenorden aufgehoben wurde, sollten die theologischen Lehrstühle an der Landesuniversität mit Vertretern der Prälatenorden besetzt werden. In der theologischen Fakultät gab es zwar bestens ausgewiesene Jesuitenprofessoren, die anboten, ihre Lehrtätigkeit fortzusetzen. Die anti-jesuitischen Eiferer aber, gestützt auf den heute so hochgepriesenen neuen Direktor der Universität, Johann Adam von Ickstatt, und insbesondere Johann Georg Lori, die neue "aufklärerische" Führungsschicht der Universitätsadministration, wollte dort keine Ex-Jesuiten dulden. Der Radikalaufklärer Professor Nikolaus Thaddäus (von) Gönner verstieg sich gar - und bekannte damit Farbe über den wahren Grund, warum die Universität 1800 nach Landshut verlegt wurde - zu der Behauptung, nicht alle Ingolstädter Professoren seien "Freunde des Lichtes" (will heißen: der Aufklärung), zu leicht könne in Ingolstadt der Obscurantismus wieder die Oberhand gewinnen. Gemeint war die jesuitische Lehre, die manche fürchteten, weil sie von überlegenen Intellektuellen vorgetragen wurde. Die Zeit sich zur Rettung der dummen Mitmenschen berufen fühlenden gutmenschlichen Weltverbesserer war angebrochen. Auf den Ingolstädter Lehrstühlen wünschte man sich Professoren aus den Prälatenorden. So erhielt Schollinger am 11.Oktober 1773 einen der beiden Lehrstühle für Dogmatik, wurde zugleich Dekan der theologischen Fakultät für das Wintersemester. Er galt, schreibt Ludwig Hammermayer, "zunächst als Exponent der antijesuitischen Reformer". Vermutlich hatte er sich damit übernommen, sowohl in Bezug auf den theologischen Diskurs auf Höhe der Zeit, als auch in der Handhabung des Instrumentariums der Verwaltung einer Universität. Hammermayer: "Den permanenten Auseinandersetzungen mit den Ex-Jesuiten, vor allem mit seinem engsten Fachkollegen Benedikt Stattler, zeigte er sich nicht immer gewachsen. Seine wissenschaftliche und pädagogisch-didaktische Eignung wurde nicht nur von seinen Gegnern bezweifelt." Tatsächlich erwog er selbst schon 1775 seinen Abgang von der Universität, wurde stattdessen im Studienjahr 1775/1776 rector magnificus. Nach dem Ende des Rektoratsjahres verließ er die Universität. Er kehrte nach Oberaltaich zurück.

Der alte Besitz Welchenberg bei Niederwillkingen im niederbayerischen Straubing-Bogen wurde im 15., 16. und 17. Jahrhundert mehrfach veräußert und schließlich 1657 von der Witwe des Hofmarksherrn dem Kloster Oberaltaich vermacht, das im Schloss eine Probstei einrichtete. Dort wurde Schollinger 1780 Probst und fand Zeit, seiner Lieblingsbeschäftigung - dem Schreiben und Publizieren - nachzugehen.
Er hinterließ mehr als 50 gedruckte Werke und eine stattliche Zahl ungedruckter Abhandlungen. Viele davon waren bereits vor seiner Zeit als Welchenberger Probst erschienen. Ludwig Hammermayer rügt, er habe "häufig zu hastig, polemisch und einseitig juristisch-normativ" gearbeitet, gibt aber zu, dass er auch zu "wertvollen Erkenntnissen und guter Kritik gelangte". Sein Hauptwerk "Praelectiones theologicae ad usum studii communis congregationis benedictione bavaricae" (in 12 Bänden, Augsburg, 1796) zeigt ihn "nicht als Systematiker, sondern als Kirchenrechts- und Dogmenhistoriker mit apologetischer Neigung".
Schollinger vertrat einen moderaten theologischen Rationalismus und meist traditionelle Positionen. Als "katholischer Aufklärer" darf er nur sehr bedingt gelten. Historischen Themen näherte er sich erst ab 1762 durch Bearbeitung der Münchner Preisfragen, dann durch die Monumenta Boica und seine Studien zu den frühmittelalterlichen Synoden (etwa: De Synodo Neuenheimensi sub Tassilone Boioaricae duce celebrata, Ingolstadt, 1777, oder De eadem Synodo Dingolfingensi diversa, Neuburg, 1777). In der Probstzeit entstanden quellenbelegte Untersuchungen zur bayerischen Herzogs- und Adelsgenealogie (wie die "Untersuchung der Vorältern Ottos des Großen,(des) geb Pfalzgrafen von Wittelsbach und gemeinschaftlichen Stammvaters des Durchlauchtigsten Churhauses Baiern und Pfalz" (Ingolstadt, 1778) oder "Berichtigte Reihe der herzoglichen Linie in Niederbaiern von Herzog Heinrich I. im Jahr 1255 bis Herzog Johann den letzten 1340" (Augsburg, 1780). Zahlreiche seiner historischen Arbeiten finden sich in den "Abhandlungen der churfürstlich-baierischen Akademie der Wissenschaft, Neue Abhandlungen der Baierischen Akademie der Wissenschaften, Beiträge zur vaterländischen Historie,Geographie und Statistik": Texte zu Fragen der Diplomatik, Numismatik ,Heraldik und Epigraphik.

Schollinger starb am 16. Juli 1795 in Welchenberg.