Vogler und Thanner - Allzwecklehrer
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.223 vom 15.05.2026
Vorweg Johannes Vogler (er hat schließlich am 16. Mai 2026 350. Todestag):
In Humanisten-Kreisen ist es üblich, sich einen lateinisch-abgeleiteten Namen zuzulegen. Das verleiht sozusagen akademische Flügel. „Avarius“ hat eine gewissermaßen überflügelnde Anmutung und ist, so man „Vogler“ heißt, eine naheliegende Agnomenwahl. Johannes ist im März 1610 in Engen zur Welt gekommen. Das liegt in Schwaben. Bei Konstanz.
Als er 1635 zum Studium nach Ingolstadt kommt, ist er schon seit sechs Jahren Jesuit. Nach seinem Studium an der Bayerischen Universität, nachdem er in Augsburg Humaniora gelehrt hat, kehrt er 1642 bis 1644 nach Ingolstadt zurück, ist Lehrer am Jesuitenkolleg und akademischen Gymnasium.
1644 bis 1646 ist er Professor für Dialektik in Konstanz, liest 1645 bis 1648 am Jesuitenkolleg in Luzern den dreijährigen philosophischen Kurs, ist dann ein Jahr lang Minister des Kollegs, ehe er 1649 bis1652 Logik, Physik und Metaphysik liest.
1652 kehrt er nach Ingolstadt zurück. Zwölf Jahre lang ist er Professor - Philosophische Fakultät. Er unterrichtet Mathematik und Hebräisch. Wohl im Bemühen der Jesuiten, in der Artistenfakultät Fuß zu fassen. Vielleicht auch zu jenen gehörend, die in die akademische Grundausbildung verliebt sind und lieber die Grundlagen des akademischen Lebens und Denkens verfolgen und unterrichten, als sich mit den Fragen der höheren Fakultäten auseinanderzusetzen, wobei Vogler ohnehin nur die Theologie offen gestanden wäre.
Er tritt an der Philosophischen Fakultät die Nachfolge Ludwig Thanners an, der zehn Jahre jünger ist als er, aus Kitzbühel stammt und 1638 in den Jesuitenorden eingetreten ist.
Thanner hatte im Rahmen der ordensüblichen Ausbildung Philosophie und Theologie studiert. 1651 war er nach Ingolstadt gesandt worden und hatte hier Mathematik und Hebräisch zu unterrichten. Nach dem Wintersemester war er rasch nach Öttingen gezogen ehe er nach Luzern ging, wo er von 1653 bis 1656 blieb und zeitweise als Feldprediger eingesetzt wurde. Es sind unruhige Zeiten: Der Kaiser Ferdinand stirbt, als aussichtsreichste Kandidaten für die Kaiserkrone gelten der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. und Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern. Gefahr allenthalben. Beide sind aber keine Habsburger. Und so wird 1658 der ungarisch und böhmische König Leopold zum Kaiser erwählt.
Man erinnere sich: Am 25. Februar 1623 – das ist nun gerade fünfundzwanzig Jahre her – hat der Kaiser den bayerischen Herzog Maximilian mit der Kurwürde ausgezeichnet ( Herog Maximilian IV. wechselt damit auch die Nummerierung und wird zu Maximilian I., Kurfürst). Beide haben an der Universität Ingolstadt studiert und dort ihre grundkatholische Prägung erfahren, danach Seite an Seite ihren Teil des dreißigjährigen Krieges durchgefochten. Der eine mit Tilly, der andere mit Wallenstein als Feldleuten. Man sagt: ohne ihre unerschütterliche Politik wäre ganz Deutschland protestantisch geworden.
Zurück zu Thanner: Er wird fortan an zahlreichen Kollegien eingesetzt. Augsburg. Mindelheim, dem Stammschloss des einstigen habsburgischen Landsknechts-Führers Georg von Frundsberg und seines Sohnes Caspar, treue Habsburger Gefolgsmänner, Caspar hatte ebenfalls in Ingolstadt studiert. Konstanz, in dessen Nahfeld Vogler zur Welt kam. Rottenburg. Straubing. 1672 taucht Thanner als Seelsorger in Neuburg an der Donau auf. Jeweils ein Semester unterrichtet er in Freiburg und Augsburg - Ethik und Mathematik. 1678 ist er in München: Corrector typographiae. 1682 stirbt er in Straubing.
Man erinnere sich: 30 Jahre zuvor hatte er in Ingolstadt seinen Lehrstuhl an Vogler, „Aviarius“, übergeben.
Vogler seinerseits nutzt seine Ingolstädter Zeit für astronomisch-physikalische Forschungen und besorgt eine 1659 in Ingolstadt erschienene Abhandlung zu Sonnenuhren und Fragen der Optik. (Problema gnomonicum de horlogio universali diurno ac nocturno novis demonstratonibus illustratum et una cum thesibus opticis ).
1664 wechselt Vogler nach Freiburg, ist 1665 in Luzern, wo er bis 1672 Vorlesungen über die Heilige Schrift hielt, die ihren Niederschlag in der Stiftsbibliothek Engelberg fanden.
Er stirbt 1676 in Luzern.
