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Vom Professor zum Richter degradiert - Franz Xaver (von) Krüll
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.163 vom 01.01.2025

Der Vater war Buchhändler.

Franz Xaver Krüll kam 1769 in Kelheim zur Welt, gewissermaßen mitten zwischen lngolstadt und Regensburg. In beiden Städten ging er auf das Gymnasium. Studieren aber konnte man nur in lngolstadt. Laut Matrikeleintrag studierte Krull ab 1784 in lngolstadt Rhetorik, Physik und Rechtswissenschaft. 1792 wurde er Lizentiat der Rechte. Er nahm eine anwaltschaftliche Praxis auf und begann, sich schriftstellerisch zu betätigen.

1797 brachte er in lngolstadt eine "Theoret.- Praktische Einleitung in die bayerische Civ.-Ger.-Ordnung" heraus; wohl mit dem Ziel einer universitären Laufbahn arbeitete er als öffentlicher Repetitor an der Universität, promovierte 1799 („Ueber die Nothwendigkeit des Studiums des teutschen Privatrechts“) zum Doktor der Rechte. Unmittelbar danach wurde Krüll als außerordentlicher Professor für bayerisches und deutsches Privatrecht, Lehensrecht, Rechtsenzyklopädie und Methodik berufen.
1800 wurde die Universität nach Landshut verlegt, wo Krüll 1803 zum Ordinarius befördert wurde - mit einem Gehalt von 800 Gulden.

1803 war auch das Datum seiner Hochzeit. Er ehelichte die Freiin von Rehlingen. Er übernahm zahlreiche Ämter in der Universitätsverwaltung, war 1800 Mitglied des Spruchkollegiums, seit 1805 Studienephor. Von 1807-1809 war er Rector Magnificus, danach ständiger Senator.

Schon früher zum Hofrat gemacht, wurde Krüll 1808 mit dem Ritterkreuz des zivilen Verdienstordens der bayerischen Krone ausgezeichnet und damit in den persönlichen Adelsstand erhoben.

1826 stand Krüll nach jahrelanger universitärer Lehr- und Verwaltungstätigkeit wieder als Rektor an der Spitze der Universität. Den anstehenden Umzug der Universität von Landshut nach München machte er aber nicht mit. Er wurde überraschend als Rat an das Appellationsgericht Straubing versetzt. Vermutet wird: Seine wissenschaftliche Qualifikation genügte König Ludwig I. und dem lnnenminister Eduard von Schenk nicht. Sie wollten nur hochqualifizierte Persönlichkeiten nach München holen, sagten sie. Krülls (durchaus zahlreiche) Schriften waren auf praktischen Nutzen gerichtet, konzipiert als systematische juristische Einführung von Studenten in die jeweilige Rechtsmaterie, und keine explizit wissenschaftlichen Darlegungen. Da war die Prüfung einzelner Teile des bürgerlichen Rechtes - in vier Bänden - aus seiner Landshuter Zeit, 1802-1805 erschienen, ein „Teutsches Privatrecht“, 1805, ein Handbuch des königlich- baierischen gemeinen bürgerlichen Rechts mit besonderer Rücksicht auf das fränkische und preußische Landrecht, in drei Bänden. Fleißig war er, der Herr Professor. Solide Schulbücher, aber Nichts, womit man so recht bei Hofe hätte renommieren können.

20 Jahre lang spielte Krüll nun den Appellationsgerichtsrat. Im August 1846 wurde er pensioniert. Die Genugtuung, seinen König wegen Lola Montez, zwangsweise vom Thron herabsteigen zu sehen, blieb ihm knapp versagt. Fünf Monate nach seiner Pensionierung starb er in Landshut.