Zeitzeugenporträt Band 3 - Michael Herrler
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.222 vom 01.05.2026
Michael Herrler
mit-denken
Vom Bau des Ingolstädter Klinikums und anderen Taten
Zeitzeugenporträt Band 3
Copyright: Michael Herrler, Gerd Treffer, Stadt Ingolstadt; Ingolstadt 2026
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Die Bild- und Tondokumentation des vorliegenden Werkes ist deponiert im Zentrum Stadtgeschichte, Stadtarchiv, Abteilung Zeitzeugenporträts.
Interview Michael Herrler,
21.11. und 28.11.2022;
Konzeption und Redaktion: Dr. Gerd Treffer,
Technik: Ulrich Rössle,
Verschriftung: Irma Buschel.
MICHAEL HERRLER
Mit-denken
VOM BAU DES INGOLSTÄDTER KLINIKUMS UND ANDEREN TATEN
(Hinweis an die Leser: Die in Klammern gesetzten, kursiven Passagen fassen die Fragen des Interviewers an Michael Herrler zusammen)
(Geburtstag, Geburtsort, Kindheit, Elternhaus)
Ich bin reiner Ingolstädter.
Geboren bin ich direkt neben der Schutter, in der Neugasse am 2. Juni 1935, heute also schon uralt.
Der Vater war Lokführer. Die Mutter war Oberpfälzerin. Die Familie Schauermann, mütterlicherseits, kam über den Großvater nach Ingolstadt. Er war bei der Bahn beschäftigt, an der Strecke Regensburg-Hof – wurde versetzt – von einem Bahnhof zum anderen. Meine Mutter ist in Klardorf bei Schwandorf geboren.
Ich hatte eine sehr schöne Kindheit. Ich bin in die Schule an der Beckerstraße gegangen. Die Mädchen waren in der Kupferstraße. Das war damals strikt getrennt. Dann kam die Oberrealschule.
Ich bin gerne dort gewesen. Das war eine schöne Zeit.
(Was waren die beliebten Fächer?)
Ich bin kein Sprachbegeisteter. Physik, Chemie und Mathematik waren meine Fächer.
(Gab es bestimmte herausragende Schulkameraden?)
Zum Beispiel Hans Ziechnaus, der später Vorstand bei Schubert & Salzer/Rieter war. Er hat mit mir Abitur gemacht.
Der Herbert Kreuzinger, der heute in der Gegend von Kassel lebt und Dipl. Braumeister wurde.
Franz Greb ein Mann, der schon mehr oder minder einer der beliebteren Schulkameraden war.
Alois Liegl: der Vater war AOK Vorsitzender in Ingolstadt.
Günther Neumann, der in Ingolstadt bekannt ist als Vorsitzender des Industrie- und Handelsgremiums, war auch mit mir in der Klasse.
Wir waren insgesamt 24 Schüler beim Abitur.
Wir haben unser Abitur im Jahr 1954 absolviert.
(Gibt es Jugenderinnerungen.
Gab es einen Tanzkurs?)
Wir waren im Tanzkurs.
Wir haben ihn sogar zweimal gemacht, da die Schülerinnen aus der Gnadenthal Schule in der nächsten Klasse sonst keine Partner gehabt hätten.
(Wie ist die Kriegszeit in Erinnerung?)
Die Kriegszeit ist eine üble Erinnerung.
Ich war zehn Jahre alt als der Krieg zu Ende war.
Wir waren oft im Luftschutzkeller, unter dem Scherbelberg.
Das war unser nächtlicher Weg, wenn die Sirene geheult hat, manchmal zweimal in der Nacht.
Mein Vater war zum Kriegsdienst eingezogen.
Meine Mutter half beim Löschen.
Als der Nordbahnhof getroffen worden war, musste sie zum Löschen weg.
Wir Jugendliche sind dann aus dem Luftschutzkeller ausgerissen.
Ich werde nie vergessen, wie das Roli-Kino gebrannt hat; die Amerikaner haben Brandbomben darauf geworfen.
Das war furchtbar, das werde ich nie vergessen.
(Ist irgendwas von der amerikanischen Besatzungszeit in Erinnerung geblieben?)
Meine Mutter hat Wäsche für Amerikaner gewaschen; die waren in der Nähe vom Hallenbad in Zelten untergebracht.
Da sind wir Kinder hingegangen.
Wir haben dafür natürlich was geschenkt bekommen.
(Wie war das Studium und welches Fach haben Sie gewählt?)
1954 bin ich vom Scheiner Gymnasium abgegangen und habe mein Studium in München begonnen. Ich habe mich für ein Studium der Betriebswirtschaft an der Staatswirtschaftlichen Fakultät entschieden.
Ich wollte ursprünglich in die Wirtschaftsprüfung einsteigen, aber es kam anders.
Ich war bei Schubert & Salzer Werksstudent.
Dort hat mich Herr Wahl, der Leiter des Rechnungswesens, immer wieder gefragt, ob ich nicht dableiben möchte.
Man hat mir damals ein sehr gutes Gehalt geboten, ein so gutes, dass sich der Personalchef, das war damals Herr Reichart meinte, ob sich der Vorstand, Herr Dr. Thoma, beim Gehalt nicht geirrt habe.
In dieser Firma habe ich mich sehr wohl gefühlt, ich hatte eine interessante Arbeit.
Ich war 14 Jahre dort beschäftigt.
Ich habe bei Schubert und Salzer die EDV eingeführt, als erster, die Inventur mit Lochkarten durchgeführt, und das hat funktioniert.
Ich habe dann mit der Auto Union zusammengearbeitet, die waren mit der Lochkarten-Technik weit voraus. Dann kam die Umstellung auf Elektronik und damit die Großanlagen.
Ich habe viele Kurse gemacht, selbst Programmieren gelernt, dabei war ich viel in München.
(Schubert & Salzer war damals ein großes Unternehmen.)
Schubert & Salzer hatte damals ca. 4500 Beschäftigte.
Das war ein „Familienunternehmen“.
Da bist du nicht reingekommen, wenn nicht jemand ein gutes Wort für dich eingelegt hat.
(Schubsa war auch international orientiert?)
Die Firma war international tätig, ob im Orient und ganz Europa.
Wir hatten einen Gedankenaustausch mit einer französischen Firma in Mühlhausen, Elsass, und einer inItalien, Sant Andrea Novara.
(Wie war Ingolstadt in den 60/70 Jahren?
Verschlafen, provinziell? War da etwas von Aufbruch zu spüren?)
Die Stadt hatte einen Aufwärtstrend.
Erst kam die Gebietsreform, und danach ging es richtig los.
Bei Schubert & Salzer kam ein neuer Vorstand.
Ich bin gegangen, da ich mich mit dem Vorsitzenden nicht verstanden habe.
Eigentlich wollte ich zur Bahn.
Da habe ich dann ein Assessment in Frankfurt mitgemacht.
Am nächsten Tag habe ich schon einen Anruf erhalten, ob ich nicht dort in der EDV arbeiten möchte.
Meine Frau war davon nicht begeistert.
Wir hätten nach Frankfurt ziehen müssen.
Das war eine hochinteressante Sache, die Entwicklungen, die die Bahn machte, waren beachtlich.
Ich habe mich dann vom Betriebsarzt der Bahn untersuchen lassen und bin zum Präsidenten der Bahn in München geschickt worden.
Der hat mich gefragt: „Was wollen Sie bei der Bahn machen?“
Da habe ich gesagt: „Ein bisschen einen Aufstieg.“
Der Präsident meinte: „Direktor können Sie schon werden, aber wenn Sie weiter aufsteigen wollen, müssen Sie ins Ministerium nach Bonn gehen.“
(Wie war die Stimmung bei der Despag- Belegschaft?)
Das war eine sehr familiäre Situation.
Viele kannten sich.
Die Leute, die an der Führung waren, haben sich alle um die Belegschaft gekümmert und waren für die Leute da.
Der Vorstandswechsel brachte eine Veränderung.
Auch der Betriebsdirektor kam mit dem neuen Vorstand nicht zurecht und ist gegangen.
Dann kamen viele neue Leute, auch in der Eisengießerei.
(Wie war das politische Umfeld?
Die Zeit vor der Gebietsreform?)
Da war die Zeit vor Peter Schnell - Otto Stinglwagner, Josef Listl, der schon vor dem Krieg und während des Kriegs an der Spitze der Stadt stand.
Eine kleine Geschichte:
Meine Mutter hat nach dem Krieg bei den Remisen eine Säge aufgehoben; da kam einer von den Amerikanern und sagte: „Sie haben gestohlen – kommen Sie mit!“
Meine Mutter hat gesagt: „Ich habe die Säge nicht gestohlen. Ich kann sie auch liegen lassen, ich habe ein Kind daheim. Ich muss heim, ich kann nicht mitgehen.“Daraufhin meinte der Amerikaner: „Das hätten Sie sich früher überlegen müssen.“
Dann ist sie ins Gefängnis in die Sebastianstraße gekommen, und es ist gefragt worden, ob Leute da wären, die kochen könnten. Da hat sich meine Mutter gleich gemeldet.
Sie hat dort als erstes dem Dr. Listl das Essen serviert.
(Können Sie sich noch an den Oberbürgermeister Dr. Stinglwagner erinnern?)
Ja, freilich.
Ich habe ihn gekannt.
Unter anderem hat die Frau eines Schulkameraden bei ihm als Sekretärin gearbeitet.
(Gab es eine Umbruchstimmung?)
Ja, aber was heißt Umbruch? Der kam später.
Peter Schnell hat übernommen.
Er war immer für die Leute da.
Er hat sich um die Stadt gekümmert.
Wir waren für ihn da.
Das ist selbstverständlich gewesen.
(Familiengründung)
Meine Frau und ich kannten uns schon seit der Schulzeit.
Ich war Werksstudent bei der Stadt Ingolstadt.
Meine Frau war im Wohnungs- und Flüchtlingsamt beschäftigt.
Man hat auch mich dort zugewiesen, um die Aktenführung der Flüchtlingsleute zusammenzuführen und zu beschriften; somit waren wir im gleichen Amt.
(Ihre Beziehung zu Peter Schnell ist schon älter - ihre Väter haben sich gekannt?)
Ja, unsere Väter haben sich gekannt.
Sie waren beide Lokführer.
Peter Schnell war damals aber nicht in Ingolstadt, sondern in Treuchtlingen und ist in Eichstätt zur Schule gegangen.
Der Kontakt wurde erst stärker, als ich bei der Stadt war.
(Wie sind Sie zur Stadt gekommen, wer hat Sie angesprochen?)
Meine Frau wollte nicht, dass ich nach Frankfurt gehe und meinte: „Die suchen (hier in Ingolstadt) jemand fürs neue Krankenhaus“, dabei bin ich zum Zug gekommen.
(Das war aber weit vor dem Beginn des Krankenhaus-Baus?)
Ich bin 1973 zur Stadt gekommen.
Für den Krankenhaus-Bau hinter der Friedenskaserne waren zu dieser Zeit schon Pläne vorhanden.
Ich wollte schnell anfangen, aber ich hatte eine Kündigungszeit bei Schubert & Salzer von einem halben Jahr.
Ich wollte, dass der Vorstand mich früher gehen lässt, aber er hat mich nicht gehen lassen.
In der Zwischenzeit war die Reise nach Amerika, um die Krankenhäuser dort kennenzulernen.
Ich habe mir Urlaub genommen, und bin schon mitgefahren, obwohl ich noch bei der Despag war.
(Was ist diese geheimnisumwobene „Reise nach Amerika“?)
Da haben wir uns in Krankenhäusern in Amerika umgesehen.
Wir hatten amerikanische Berater, die Hospital-Gruppe, die das arrangiert haben.
Es ist eine Gruppe von Stadtratsmitgliedern mitgeflogen und auch der damalige Stadtbaurat Lutter war dabei.
Da habe ich noch Bilder von „Lutters Kanal-Rede“ während des Aufenthalts dort.
Ich habe, übrigens, auch viele Bilder vom Bau des neuen Krankenhauses.
(Was ist eine Kanal-Rede?)
Hinter der Friedenskaserne sollte das neue Krankenhaus gebaut werden.
Das wäre eine Katastrophe gewesen.
Aber man hatte bereits den Kanal dort gelegt, obwohl man noch keine Bauentscheidung hatte.
Da hat sich Lutter darüber geäußert, wieviel Geld schon investiert sei, und wollte keineswegs den Standort aufgeben; das war die berühmte Kanal-Rede von Lutter, die damals in Amerika gehalten wurde.
(Die Planung)
Es hat eine Planung von Architekt Kälberer gegeben, aber es gab keine Zustimmung vom Beraterteam Hospitalsytem.
Die Planung enthielt einen nicht realisierbarer Krankenhausbetrieb.
Auch die Oberste Baubehörde war gegen die Planung.
Die Pflegetürme des Krankenhauses wären höher geworden als die Türme vom Münster.
Während der Planungsphase war Dr. Gössl von der Obersten Baubehörde, ein Großmehringer, auf die Idee gekommen, Warmwasser aus der Raffiniere zum Klinikum zu leiten.
Das war ein Lieblingsprojekt von ihm, das jedoch nicht verwirklicht wurde.
Es wären Röhren notwendig geworden von einem Meter Durchmesser, um das Warmwasser für die Heizung heranzuführen.
Alles das waren Hemmnisse.
(Es waren schon ein paar Millionen ausgegeben)
Ja, für den Kanal, aber nichts für die Heizung.
Für die Kanäle waren schon fünf Millionen DM verbuddelt worden.
(Und die Planung des Krankenhauses selbst hat ja auch was gekostet)
Die hat sicherlich auch was gekostet.
Wir sind dann zu dritt, führende Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Kroll, Gassner und ich nach Frankfurt gefahren, um mit dem Architekten über die Ablösung einig zu werden.
Es waren ungefähr um die drei Millionen DM.
(Es gab böses Blut in der Stadt)
Böses Blut kann man nicht sagen, aber es wurde natürlich nicht so gut aufgenommen.
Wir haben den Architekten Kälberer abgelöst und suchten einen neuen.
Funktionsausschreibungen gab es damals noch nicht.
Deshalb bin ich von Architekturbüro zu Architekturbüro gereist, und es waren Georg Alexander Roemmich, der in München zu gleicher Zeit das Krankenhaus Bogenhausen gebaut hat, und noch ein anderer Architekt, auch aus München, im Gespräch.
Roemmich haben wir dann genommen und keine schlechten Erfahrungen gemacht.
(Das große Ziel ist ein neues Klinikum – eine gewaltige Aufgabe.
Wie fühlt man sich da? Hat man Angst, dass es klappt?)
Ich bin zur Arbeit gegangen und hatte keine Zeit darüber nachzudenken.
(Wie lebt man mit so einer Herausforderung?
Das war ja das größte Projekt, dass die Stadt jemals verfolgt hat.)
Ich habe damit gut gelebt.
Ich habe mich gekümmert.
Ich war Tag und Nacht dafür da.
Und die Planungsgruppe hat mich sehr unterstützt.
(Notwendig war es, dafür innerhalb der Stadtverwaltung ein eigenes Referat aufzubauen.)
Ich habe das Krankenhaus-Referat von Fritz Kroll übernommen.
Ich war schon für das alte Haus der Krankenhausreferent.
Das habe ich damals verlangt - nach einer gewissen Zeit zur Einarbeitung.
Kroll wollte es abgeben, also habe ich es bekommen.
Ich habe zuerst einmal nichts verändert und geschaut, was läuft, und ich habe die Leute kennengelernt.
Dann kam vom Staat die Umstellung mit dem KHG (Krankenhausfinanzierungsgesetz).
Die Krankenhäuser sollten Wirtschaftsbetriebe werden, dann kam die kaufmännische Buchhaltung, da wurde das erste Mal bilanziert - das war natürlich mein Metier.
Das habe ich dann noch für das alte Haus erledigt.
(Personalpolitik)
Ich habe zuerst einmal die Leute kennenlernen müssen.
Das ging zum Einstieg im Alten Krankenhaus soweit ganz gut.
Ich weiß noch, wie Dr. Merkel damals gesagt hat, nachdem ich meine Vorstellungen für den künftigen Betrieb genannt habe: „Wir sind ein Krankenhaus und Sie müssen noch viel lernen.“
Da habe ich nicht widersprochen und ich habe viel gelernt.
Da war natürlich auch die Umstellung, dass ein Krankenhaus zum Wirtschaftsbetrieb wird, dann die kaufmännische doppelte Buchführung, die Finanzierung – ganz anders, als früher und gewohnt.
Nicht nur bei den Neubauten, auch in den bestehenden Häusern.
Und die Chefärzte waren bislang Herrscher über alles.
Dr. Pfeiffer war Chef des Verwaltungsleiters.
Das war, fortan anders, und das hat man bei den Chefärzten damals nicht so gern gesehen.
Außer Dr. Merkel hat sich darüber keiner größer geäußert.
Da waren schon schwierige Leute da, zum Beispiel der Radiologe.
(Dr. Eisenreich war auch nicht einfach.)
Herr Eisenreich kam eines Tages ins Rathaus, und im Vorzimmer ist schon ein Geschrei gewesen.
Er ist dann in mein Zimmer gekommen und hat sich weiterhin laut geäußert.
Da habe ich auf den Tisch geschlagen und gesagt: „Hier drinnen schreit nur einer, und das bin ich!“
Daraufhin hat er gesagt: „Jetzt gefällst Du mir!“
Seitdem hatte ich mit Eisenreich keine Probleme.
Wir haben gewusst, wo wir stehen – jeder kannte seine Aufgaben.
(Wie war die Qualität der Mitarbeiter im Verwaltungsbereich?)
Da war sehr viel Wechsel.
Ich habe mehrere Leute von der Stadt zugewiesen bekommen, und sie sind alle gern wieder weg.
Angeblich hat man gesagt, dass man bei denen vom Krankenhausreferat viel arbeiten muss.
Ich habe meine Mannschaft aufbauen können, sechs Leute, mit denen ich eng zusammengearbeitet habe. Das ist der Finanzchef gewesen, der Technischer Leiter, der EDV-Leiter und der Wirtschaftsleiter und eine Juristin, die ich alle neu eingestellt habe, bis auf einen, der von der Stadt kam, den mir der Personalchef dort empfohlen hat, Heribert Fastenmeier, der war gut und hat viel gekonnt.
Die Mannschaft hat zusammengehalten, wir haben uns verstanden und wir haben uns jede Woche, so wie es Peter Schnell auch gemacht hat, zusammengesetzt zur Abteilungsleiterbesprechung.
Auch von der neuen Pflegedirektorin erhielt ich viel Unterstützung.
Während des Baus hatte ich drei Mitarbeiter, eine Sekretärin und einen Angestellten.
Da war zunächst Herr Werner, er hat aber dann eine neue Aufgabe übernommen.
Dann kam Herr Landsleitner, er hat während des Baus mitgearbeitet.
Er wollte aber nicht mit raus in den Klinikumsbetrieb und ist dann zur IFG gegangen.
Später kamen dann der Technische Leiter hinzu.
(Wie waren die Beziehungen zum Stadtrat. Sie hatten ja nicht nur mit der Verwaltung zu tun)
Sicher, wenn ich angesprochen wurde oder den Wunsch hatte, zu informieren, habe ich das selbstverständlich gemacht.
Ich bin mit den Stadträten gut zurechtgekommen.
(Im Vergleich zur Industrie – es ein schwerfälliges Arbeiten?)
Es ist ein anderes Arbeiten.
Du hast mehrere Leute, die auf dich zukommen und sagen: „Ich bin Dein Chef.“
Das hast du in der Industrie nicht.
Da hast du einen Chef, und mit dem musst du klarkommen, aber wehe, wenn du dich nicht verstehst.
Da ist es in der Kommune besser.
(Wer waren die wesentlichen Ansprechpartner beim Stadtrat?)
Das waren neben dem Oberbürgermeister Alfons Weinzierl, Harald Renninger und damals Dr. Elmar Spranger und später Hans Amler.
Von der SPD Hermann Egermann, Fritz Böhm, Heiner Gruber und Elisabeth Hamann.
Das waren perfekte Leute und verständnisvoll. Heiner Gruber war ein ganz toller Mann.
(Hat es Feindseligkeiten gegenüber dem Projekt aus dem Stadtrat gegeben?)
Nein, da wüsste ich nichts.
Am Anfang war ein interessanter Mann der Bezirkstagspräsident Klimm.
Das war ein väterlicher Typ.
Du hast mit ihm reden können, er hat auch immer Zeit gehabt.
Die Idee, eine Verbindung herzustellen über einen Zweckverband, war im Bezirk überhaupt nicht gefragt.
Es ging um die Psychiatrie, die in ein somatisches Krankenhaus integriert werden sollte.
Das war eine Idee.
Der Hintergrund war, dass psychisch Kranke genauso Kranke wie somatische Patienten sind.
Warum sollte man sie isolieren?
Hinzu kam, dass viele somatische Ärzte froh sind, wenn sie einen psychiatrischen Dienst an der Hand haben, den sie einschalten können.
Dass war bundesweit ein Modell und wir haben es durchgezogen.
Wir wissen heute, dass es richtig ist.
Es existiert bis heute und ist erfolgreich.
Es hat dabei nie größere Probleme gegeben.
(Steuerungselement beim Krankenhausbau war ein Ingenieurbüro, dass für die Termin- und Kostenkontrolle zuständig war)
Die haben mir Kosten und Termine in eine Form gebracht, so dass ich immer einen aktuellen Stand hatte.
Ich musste die Rechnungen freigeben und prüfen.
Ich konnte sie aber nicht technisch prüfen, ich konnte das nur von der Finanzseite her.
Die Techniker haben mit den einzelnen Firmen verhandelt und die Ansätze geprüft.
Wenn etwas nicht stimmte und wenn ich Fragen hatte, dann haben wir uns das immer gemeinsam angeschaut.
Es war ein gutes Miteinander.
(Wenn man ein Krankenhaus baut, muss man viele Leute miteinbeziehen und viele Leute wollen mitreden)
Die Ärzte haben im Bau weniger mitgeredet, sich aber sehr mit den Funktionsabläufen beschäftigt: Abläufe innerhalb ihres Bereiches, wo sie zuständig waren.
Sonst hatten sie mit dem Bau nichts zu tun.
(Es war ein sehr aufwendiges Verfahren)
Ja, ich bin von der Früh bis Abend und samstags im Büro gewesen.
(Beim Neubau gab es unterschiedliche Phasen.
Wann war es schwieriger?)
Phasen kann ich nicht sagen.
Die erste Etappe war, dass wir die Abschottung des Wassers rings um den ganzen Bereich erreichten; dafür sind schon Millionen geflossen – deshalb brauchte man hinterher keine Abschallungen mehr.
Das war damals die erste Maßnahme.
Das war ein Selbstläufer.
Hinterher ging alles weitgehend problemlos ineinander über.
(Es hat keine Erschöpfungsmomente in der Bauphase gegeben?)
Nein, da hatten wir keine Zeit.
Es war ein gutes Zusammenarbeiten.
Auf dem Baufeld gab es eine Kantine; man ist dort auch mit den Firmen zusammengesessen.
Das Krankenhaus stand und dann kam das Lob von allen Seiten.
(Wie war die Einweihungsfeier?
Franz Josef Strauß war da)
Mit ihm habe ich mich gut unterhalten können.
Ich muss sagen, dass ich am Anfang skeptisch war, ob ich mit ihm sprechen könnte.
Dann kam die SPD.
Weil Strauß da war, musste Anke Fuchs, die SPD- Bundesministerin, kommen.
Beide haben geredet.
Ich habe sie nachher sprechen dürfen, dabei hat sie die Integration der Psychiatrie angesprochen.
(Es war ein großes Fest)
Ja, es war ein großes und schönes Fest.
(Wer war danach auf Landes- oder Bundesebene der Ansprechpartner?)
Das Sozialministerium.
Mit Frau Stamm konnte man sich immer gut unterhalten.
Ich war Landesvorsitzender des Verbandes der Krankenhausdirektoren in Bayern und der Vizepräsident auf Bundesebene und Frau Stamm hat uns immer einen Vortrag gehalten bei unserer Jahresversammlung.
Einmal hat einer aus unserem Vorstand gefragt: „ Frau Ministerin, wir weihen eine Fahne. Würden Sie auch bei der Fahnenweihe dabei sein?“
„Ja, selbstverständlich“, meinte Sie.
„Würden Sie auch unsere Fahnenmutter machen?“
„Ja, warum nicht.“
Sie kam im nächsten Jahr und hat tatsächlich in der Kirche die Fahnenmutter gemacht.
(Dieses Amt als Vorsitzender der Bayerischen Krankenhausdirektoren.
Was waren die wesentlichen Diskussionspunkte?)
Die Krankenhausfinanzierung, Personalprobleme und natürlich Investitionsprobleme, Förderung durch den Staat.
Es gab immer Streit, was zahlt der Staat, was zahlt die Kasse.
Ein Thema war z.B. die Instandhaltung.
Da hat uns Horst Seehofer geholfen, da bin ich ihm noch heute dankbar.
Die Instandhaltung, hat ursprünglich die Krankenkasse gesagt, ist nicht unter Betriebskosten zu sehen, sondern es geht vielmehr um Investitionsförderung.
Dann kam ein Gerichtsurteil, dass die Instandhaltung keine Investition, sondern betriebsbedingt ist.
Da nichts in den Pflegesätzen kalkuliert war und die Kassen nach wie vor nicht zahlen wollten, hat uns Seehofer in einer Fraktionssitzung mit FDP und CDU/CSU eine Pauschale von 18 % für Instandhaltung zugesprochen und den Kassen den Druck gegeben, dass sie zahlen müssen.
(Welche Fehler hat man mit den kleinen Krankenhäusern gemacht?)
Ja, was heißt schon Fehler.
Die kleinen machen auch ihre Arbeit.
Nur eines ist eingetreten.
Die kleinen haben die großen Krankenhäuser als Konkurrenten gesehen.
Dann hat jedes kleine Krankenhaus versucht, einen Computertomographen zu kriegen, einen Herzkatheter- Platz einzuführen, und das sind keine Aufgaben für kleine Krankenhäuser.
(Das ist ein politisches Problem)
Ja, das ist ein politisches Problem.
(Kennen Sie die Geschichte, dass Herr Listl, Anfang der 60er Jahre gefragt worden ist, ob er bereit sei, in Kösching mit dem Landkreis Eichstätt ein Krankenhaus zu bauen und seine Antwort gewesen sei: „Ich baue gerade ein Theater. Ich habe kein Geld für ein Krankenhaus.“)
Nein, aber sowas darf er natürlich nicht sagen.
(Integration der Psychiatrie in ein somatisches Krankenhaus.
Wurde das Modell irgendwo kopiert, haben es andere nachgemacht?)
Ich weiß nur: Vom Bezirk Oberbayern ist es nicht mehr gemacht worden, wo anders habe ich keinen Überblick.
Damals sind wir gut gefahren damit.
Das kann ich nur bestätigen.
(Wenn man Chef eines neuen Krankenhauses wird, führt man auch neue Strukturen ein. Was ist denn im Vergleich zum alten Krankenhaus neu gewesen?
Was ist besser geworden?
Was haben vielleicht andere kopiert?)
Da gibt es schon einiges, das neu geworden ist.
Wir haben die Innere Medizin in zwei Kliniken eingeteilt.
Wir haben die Chirurgie aufgeteilt.
Wir haben neue Bereiche dazu bekommen, die Psychiatrie, Neurologie, Neurochirurgie und auch Großgeräte.
Es waren damals schon 18 Chefarztstellen.
Nicht unerwähnt soll die Errichtung des Medizinischen Schulzentrums bleiben.
Im alten Krankenhaus gab es immer die Krankenhauspflegeschule; wir errichteten einen Neubau, 7 medizinische Schulen wurden neu eröffnet.
Sicherung der Stellenbesetzung und Nachwuchsförderung war unser Ziel.
(Wie viele Mitarbeiter hatte das alte Krankenhaus?)
Es waren bestimmt 500 Mitarbeiter weniger, aber es war damals schon groß.
570 Betten hatte das alte Haus, ohne die Psychiatrie.
Dann haben wir die Klinik Liebl übernommen.
Ein großer Bereich, der dazu gekommen ist, aber nicht auf einen Schlag.
(Warum ist Ingolstadt keine Universitätsklinik geworden?
Hätten wir das werden wollen, hätten wir das werden können?)
Werden wollen, hätten wir schon mögen.
Das dürfen haben wir nicht durchgebracht.
(Woran lag das?)
Vor allem die Direktoren der Universitätskliniken waren dagegen.
Wie lange hat Augsburg gekämpft, bis es die Universitätszulassung bekommen hat, obwohl die Klinik in einer höheren Versorgungsstufe wie wir war.
Da war keine Chance!
Ich weiß noch, wie damals Fritz Kroll zu Peter Schnell kam und gesagt hat: „Ich hab jetzt einen Grund für die Universität.“
Auf diesem Grund steht jetzt das neue Haus.
(Gibt es da unterschiedliche Versorgung zwischen Ingolstadt und einem Universitätsklinikum?)
Ja, in der Bezahlung und in der Versorgungsstufe.
Das eine ist Hochschulfinanzierung und das andere ist Krankenhausfinanzierung des Landes im kommunalen Bereich.
(Merkt der Patient etwas davon?)
Nein, der Patient merkt nichts davon.
(Das wäre also ein schöner Titel gewesen?)
Die Chefärzte waren in der Regel alle sowieso Professoren einer Uni-Klinik, und wir haben Wert drauf gelegt, dass wir immer auf dem neuesten Stand bleiben.
(Welches medizinisches Wissen erwirbt man sich als Krankenhausdirektor?)
Sehr viel, du musst alle wichtigen Fachausdrücke kennen.
Da muss man zusätzlich lernen. Das habe ich auch gemacht.
Man muss ja mit den Ärzten reden können.
(Was ist in Ingolstadt neu eingeführt worden, was andere Häuser in Bayern kopiert haben?
Gibt´s da was?)
Ja natürlich, sehr viel im Verwaltungsbereich, in der Organisation und der Finanzierungsfrage.
Ich war tätig im Rahmen unserer Fachvereinigung der Verwaltungsleiter, so hieß sie ursprünglich, und dann Verband der Krankenhausdirektoren.
Da habe ich sehr viele Vorträge gehalten über die Finanzierungs-, Personal- und Ablaufprobleme.
Da ist sehr viel rüber gekommen vom Klinikum.
(Was hat sich in der Krankenhauspolitik in Bayern in diesen Jahren geändert, als Sie verantwortlich waren?)
Da hat sich viel geändert.
Zuerst war die Kameralistik.
Dann kam ein einschlägiges Krankenhausfinanzierungsgesetz, ein Bundesgesetz, 1972.
Das war genau die Zeit, als ich zur Stadt gekommen bin.
Dadurch hat sich einiges in der Finanzierung geändert.
Der Staat hat zugesagt, dass die Krankenhausinvestitionen voll vom Staat finanziert werden.
Auch früher war der Staat beteiligt, aber anders organisiert.
Dann hieß es, dass der Staat Investitionen zahlt, den Betrieb die Krankenkasse.
Dann wurde darüber gestritten, welche Dinge zu Investitionen, welche zum laufenden Betrieb gehören.
Strittig war z.B. die Instandhaltung.
Da hat uns damals Horst Seehofer sehr geholfen.
Das Krankenhausfinanzierungsgesetz schreibt vor, die Investitionen werden zu 100 % vom Staat übernommen.
Bayern hat dann eine Krankenhausumlage beschlossen und sich mehr oder minder wieder Geld von den Kommunen geholt.
Bei unserem Neubau hatten wir 13,5 %, sogenannte örtliche Beteiligung der Kommune, Stadt und Bezirk, auferlegt bekommen, die wir an das Land Bayern zahlen mussten, das dann wiederum 100 % finanziert hat.
(Und der Beitrag des Bundes?)
Nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz zahlt der Bund nichts, das ist Ländersache.
(Warum waren dann die Bundesministerin Frau Anke Fuchs (SPD) bei der Eröffnung des Klinikums dabei?)
Die Frage ist berechtigt.
Da muss man aber die Politik fragen.
(Müsste man heute von der Finanzierung her etwas ändern?)
Ja und Nein, man ist seinerzeit vom Pflegesatzrecht auf das Fallpauschalen-System umgestiegen.
Die Entwicklung habe ich voll mitgemacht.
Kurz bevor ich weg bin, kam ab 1990 die Fallpauschale ins Gespräch.
Amerika war da Vorbild.
Entscheidend ist dabei, wie gut und schnell die Krankenhäuser ihre Aufgaben erfüllen können.
(Was könnte man an die Stelle einer Fallpauschale setzen?)
Die Frage ist, wie bekommen wir einen gerechten Preis für die Leistungen des Krankenhauses.
Das war früher der Pflegesatz.
Dann hat man umgestellt auf die Fallpauschale um wirtschaftlicher arbeiten zu können.
Wenn die Behandlung schneller abgewickelt wurde, war es von Vorteil für das Krankenhaus und wenn zu langsam abgewickelt wurde, dann ging es zu Lasten des Hauses.
(Bräuchte man eine neue Klinikfinanzierung?)
Man müsste zuerst ein neues System haben.
Und dann bleibt die Frage, sind die Kriterien richtig erstellt und werden sie entsprechend angepasst.
(Zur Generalsanierung beim Klinikum.
Ist die Zeit zwischen notwendigen Sanierungen kurzlebiger geworden?)
Im Krankenhauswesen geht immer der Satz um: „Es gibt kein Krankenhaus, in dem nicht gebaut wird.“
Die Großgeräte – Computertomografie, MRT, Herzkatheter Messplatz – Neuerungen die damals kamen, sind alles Entwicklungen, die Bauten verursachen.
Wir mussten ein neues Herzkatheterlabor bauen.
Dann kamen Erweiterungen dazu.
Das Perinatalzentrum für die Säuglinge.
Als man mit Neuburg die Kooperation endlich abgeschlossen hatte, war ein großer Bereich notwendig, der umgebaut werden musste.
Nach mir kamen die Umbauten im OP-Bereich.
Jetzt konnte die Intensivpflege erweitert werden, die auch immer wichtiger wurde.
Das waren Dinge, die einfach notwendig wurden, Entwicklungen, die auf einen zukommen.
(Früher hat man ein Krankenhaus, eine Schule mit der Perspektive gebaut, sie würden 100-200 Jahre stehen.
Die Ansprüche an das Bauen haben sich verändert?)
Erstmal das, aber auch die Ansprüche, neue Funktionen, die der technische und medizinische Fortschritt immer rascher hervorbrachte, abzuwickeln, sind natürlich auch größer geworden.
Die Warteplätze und das Aufrufsystem, der EDV-Einsatz, der medizinische Fortschritt, das sind alles neue Entwicklungen gewesen.
(Hat man im neuen Klinikum Wert daraufgelegt, dass es maximal Zweibett-Zimmer gibt?)
Wir haben grundsätzlich das Zweibett-Zimmer als „Standardzimmer“ angesehen.
Der Staat hat uns dazwischengefunkt; er hat verlangt, dass wir pro Station ein Vierbett-Zimmer haben.
Wir haben das damals mit dem Architekten so besprochen, dass wir schnell mit geringem Umbau aus einem Vierbett-Zimmer ein Zweibett-Zimmer machen können.
(Wie wichtig ist aus der Sicht der Bürger ein gutes Krankenhaus?)
Für das Bewusstsein, in einer lebenswerten Stadt zu wohnen, ist es eines der wichtigsten Punkte überhaupt.
Es betrifft jeden persönlich.
Wenn man es braucht, muss es da sein, und dahinter muss Qualität in der Versorgung stehen.
Das gilt auch für die Zusammenarbeit mit kleineren Häusern im Umfeld.
Ein bestens geführtes Krankenhaus, das bestimmte medizinische Leistungen nicht erbringen kann, ist nur dann gut, wenn es weiß, wann es Patienten abgeben muss.
Das haben Krankenhäuser in der Region, zum Beispiel die Maul Klinik, verstanden.
Das war eine gute Zusammenarbeit.
Sie waren immer rechtzeitig bereit zu sagen, das ist meine Kompetenz und das ist eure.
(Alle schimpfen über das Gesundheitssystem, aber wenn sie im Ausland krank werden, dann wollen sie bloß zurück, soll der frühere Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer gesagt haben)
Ja und nicht nur, weil unsere Mediziner Spitzenleistungen bieten, sondern auch, weil es teuer sein kann im Ausland krank zu werden.
Da war ein Bezirksrat bei uns in der Krankenhauszweckverbandsversammlung, der eines Tages zu mir kam und sagte: „Ich bin in Amerika krank geworden und musste dort operiert werden. Jetzt habe ich eine Rechnung von über 10.000 Dollar erhalten. Ich habe sie bei der Krankenkasse eingereicht und die wollen mir nur das zahlen, was es in Deutschland gekostet hätte.“
Dann hat er mich gefragt, ob ich das ausrechnen lassen könne; es waren bei uns umgerechnet ungefähr 4000 DM.
(Wie wichtig ist ein funktionierendes Krankenhaus für Politiker?)
Sehr wichtig.
Natürlich wünscht sich das jeder.
Es ist nur sehr schwierig für den Nicht-Fachkundigen da mitzureden.
Und so verlässt man sich gerne auf einen Arzt, der im Gremium ist, dass das, was der sagt, dann auch richtig ist.
(Man hat im Verwaltungsrat eines Krankenhauses, einer Klinik immer Ärzte)
Ja, wir hatten damals Dr. Pfeiffer.
Er war ein sehr umgänglicher, erfahrener Mann, mit ihm konnte man gut arbeiten.
Dann hatten wir Dr. Renninger, mit ihm konnte man auch gut arbeiten, zuletzt waren wir nicht immer einer Meinung.
(Wie ist es bei niedergelassenen Ärzten?)
Die niedergelassenen Ärzte hatten, zumindest anfänglich, immer das Gefühl, dass man ihnen etwas weg nimmt.
Wenn die Leute ins Notfallzentrum kommen, nimmt man ihnen da etwas weg?
Mein zweiter Nachfolger Fastenmeier hat darauf regiert und die niedergelassenen Ärzte ins Klinikum gelassen, man kommt zuerst zu denen und geht dann rüber ins Klinikum, wenn notwendig.
Ich habe das mitbekommen und finde es nicht immer richtig.
Das sind Kostenfragen.
(Es gibt noch eine andere Gruppe von Leuten, die medizinisch wenig verstehen – die Journalisten. Wie wird das Klinikum von den Medien begleitet?)
Es liegt auch ein bisschen an einem selber.
Man muss die Journalisten informieren.
Das haben wir bewusst gemacht.
In der Bauzeit hatte ich nicht so viel Zeit, aber danach haben wir regelmäßig Veranstaltungen durchgeführt.
Wir haben keine schlechten Erfahrungen gemacht, aber es wurde natürlich nicht immer alles so berichtet, wie wir es gerne gehabt hätten.
(Die Thematik Kunstfehler ist schwierig)
Ja, da hatten wir Gott sei Dank keine allzu großen Probleme.
Wir hatten mit einem Gynäkologen unsere Probleme, im Zusammenhang mit einem Stadtrat.
(Allgemeine Politik in Ingolstadt, wie hat sich Ingolstadt in der Zeit von Peter Schnell verändert?
Was war wichtig aus Deiner Sicht?)
Einer der Schwerpunkte war der Standort.
Das war ein Verdienst von Peter Schnell mit dem Standortwechsel in die Krumenauerstraße.
Die Highlights von Peter Schnell waren die Einführung der Fußgängerzone und die Arbeit der IFG.
Vieles habe ich nur in der Zeitung gelesen, da ich mit dem Bau vom Krankenhaus beschäftigt war.
(Wie waren die Nachfolger von Peter Schnell, hast Du sie im Amt noch miterlebt?)
Nein, im Amt nicht mehr.
Peter Schnell ist zwei Jahre später, also 2002, gegangen.
Amler hat zu mir noch gesagt: „Bleib so lange da, wie wir da sind!“
Dann habe ich gesagt: „Nein, das will ich nicht“, denn meine Leute im Klinikum werden sagen: „Der Alte kann nicht gehen!“, und das war auch richtig so.
(Ist es Ihnen schwer gefallen?)
Nein, ich habe wo anders mein Glück versucht.
Ich war noch 5 Jahre danach in anderen Krankenhäusern tätig.
(Als was?)
Als Geschäftsleiter und Verwaltungsleiter.
Die erste Zeit war in Haar.
Es kam der Bezirkstagspräsident zu mir: „Wir bräuchten jemanden, der vorübergehend die Geschäftsführung übernimmt.“
Da war ein junger Mann, heute der Herrscher über alle Bezirkskrankenhäuser, ich habe mit ihm zusammen ein halbes bis dreiviertel Jahr gearbeitet.
Das war meine erste Station.
Die zweite Station war in Kaufbeuren.
Da gab es einen Neubau, wie bei uns mit Psychiatrie-Integration, und dort war ich dann aushilfsweise Geschäftsleiter und zwei Tage die Woche dort.
Der Oberbürgermeister von Kaufbeuren hat gemeint, dass man im Krankenhaus, auch das erwirtschafte, was der Bau für die Kommune kostet, und das ging nicht gut.
Die nächste Station war Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, da bin ich jede Woche einmal gewesen und über Nacht geblieben.
Ich bin nach Berlin geflogen und mit dem Mietwagen weitergefahren.
Da musste ich sehr viel Personalarbeiten erledigen.
Die Kliniken dort hatten Personal und wieder Personal, aber keine wirtschaftlichen Konzepte.
Das größte Problem waren die fehlenden Ärzte.
Ich habe es immer so gemacht, dass ich sehr offen über alles gesprochen habe, leider musste ich viele Stellen abbauen.
Teilweise waren sie dann auch nicht besetzt.
Zuletzt habe ich in Bad-Endorf im Reha-Bereich gearbeitet.
Dann hat es mich mit einem Herzinfarkt erwischt.
(Zurückblickend was waren die Highlights der Arbeit?)
Der Bau und die Eröffnung des Klinikums und die wirtschaftliche Betriebsführung.
Das war der Erfolg natürlich.
Und ich hatte noch ein paar Dinge auf dem Zettel.
Es war auch so, dass wir mehr oder minder immer versucht haben, das Niveau des Hauses zu heben.
Es wurden die Neurochirurgie eingefügt und das Institut für Radiologie vergrößert.
Zuletzt wollte ich noch zwei weitere hauptamtliche Kliniken errichten, eine HNO- und eine Augenklinik mit Chefärzten.
Das wurde mir aber vom Stadtrat nicht erlaubt.
