Kein Flächenfraß
Mehr Einwohner, weniger Verbrauch
Die Frage nach dem sogenannten Flächenfraß beschäftigt bundesweit Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit seit Jahren. Eine aktuelle Auswertung der tatsächlichen Flächennutzung in Ingolstadt für den Zeitraum von 2015 bis 2025 zeigt ein differenziertes Bild: Zwar wurden auch in Ingolstadt zusätzliche Flächen für Siedlungszwecke in Anspruch genommen, das Wachstum fiel jedoch deutlich geringer aus als das Bevölkerungswachstum.
Zwischen 2015 und 2025 stieg die Einwohnerzahl Ingolstadts von 133.323 auf 145.031 Personen. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 11.700 Einwohnerinnen und Einwohnern beziehungsweise 8,8 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich die Siedlungsfläche lediglich um rund 79 Hektar oder 2,2 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre überwiegend durch Nachverdichtung, Innenentwicklung und eine intensivere Nutzung bestehender Siedlungsflächen bewältigt werden konnte, so die Bilanz des Berichts.
Flächeninanspruchnahme je Einwohner
Besonders deutlich wird diese Entwicklung beim Blick auf die Siedlungsfläche je Einwohner. Rechnerisch standen im Jahr 2015 noch 274 Quadratmeter Siedlungsfläche pro Person zur Verfügung. Bis 2025 sank dieser Wert auf 256 Quadratmeter. Die Flächeninanspruchnahme je Einwohner verringerte sich damit um rund 6,6 Prozent.
Damit entwickelt sich Ingolstadt entgegen dem bundesweiten Trend. Während die Siedlungsfläche je Einwohner in Deutschland zwischen 2015 und 2024 von 377 auf 408 Quadratmeter anstieg, erhöhte sich der Wert in Bayern von 397 auf 419 Quadratmeter.
Innerhalb der Siedlungsflächen verzeichneten insbesondere die Wohnbauflächen deutliche Zuwächse. Sie nahmen innerhalb von zehn Jahren um rund 78 Hektar beziehungsweise fünf Prozent zu. Auch Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen sowie Flächen besonderer funktionaler Prägung wurden ausgeweitet.
Die Entwicklung der Industrie- und Gewerbeflächen fällt dagegen differenzierter aus. Trotz neu entstandener Gewerbeflächen fanden innerhalb des Stadtgebietes umfangreiche Rückbau- und Umnutzungsmaßnahmen statt. Maßgeblich hierfür war der Rückbau der ehemaligen Bayernoil-Raffinerie im Südosten der Stadt. Auf Teilen des Areals entstanden unter anderem der Audi Sportpark sowie der IN-Campus.
Rückgang landwirtschaftlich genutzter Flächen
Die größte Flächenkategorie im Stadtgebiet bilden weiterhin die Vegetationsflächen. Deren Umfang verringerte sich zwischen 2015 und 2025 um rund 85 Hektar. Hauptursache war der Rückgang landwirtschaftlich genutzter Flächen um etwa 165 Hektar beziehungsweise drei Prozent.
Neben Flächenumwandlungen könnte hierfür auch der Strukturwandel in der Landwirtschaft eine Rolle spielen. Nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung und Landwirtschaftszählung des Bayerischen Landesamtes für Statistik sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Ingolstadt von 179 im Jahr 2010 auf 145 im Jahr 2020.
Gleichzeitig nahmen die Waldflächen um rund 61 Hektar zu, während auch die Gewässerflächen leicht anwuchsen.
Flächensparendes Wachstum
Die Analyse der Flächennutzung zeigt, dass Ingolstadt in den vergangenen zehn Jahren zwar zusätzliche Siedlungsflächen in Anspruch genommen hat, das Wachstum jedoch vergleichsweise flächensparend erfolgte. Trotz einer deutlich gestiegenen Einwohnerzahl konnte die Siedlungsfläche je Einwohner reduziert werden. Insgesamt deutet die Entwicklung darauf hin, dass die Stadt ihr Wachstum zunehmend durch Innenentwicklung und eine effizientere Nutzung bestehender Flächen bewältigt.
