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20.02.2022

Gebärdensprache ist auch eine Muttersprache

Geschichten für hörende und taube Kinder und Erwachsene

Anlässlich des Internationalen Tags der Muttersprache am 21. Februar, den die Generalversammlung der UNESCO ins Leben gerufen hat, gibt es in diesem Jahr ein Online-Angebot, das sich an hörende und taube Kinder und Erwachsene richtet.

Heuer wird am Tag der Muttersprache der Schwerpunkt auf das Thema Gebärdensprache als Muttersprache gelegt. Was viele nicht wissen: Auch die Gebärdensprache ist für Gehörlose eine Muttersprache, die weltweit nicht identisch ist und bei der es viele länderspezifische Unterschiede und sogar Dialekte gibt.

„Wie in jeder Familie ist es wichtig, dass eine gemeinsame Sprache in der Familie gesprochen und von allen verstanden wird. Genauso ist es bei hörenden und tauben Familienmitgliedern. Es ist egal, ob hörende Eltern taube Kinder oder taube Eltern hörende Kinder haben. Hier ist es wichtig, dass Gebärdensprache die gemeinsame Sprache, die Muttersprache, ist“, so Birgit Fehn, Mitarbeiterin der Diakonie Informations- und Servicestelle für Menschen mit Hörbehinderungen.
Die Idee und die Umsetzung der gesamten Aktion ist ein städtisches Kooperationsprojekt der Koordinierungsstelle Familienbildung des Amtes für Jugend und Familie und den drei Beauftragten der Stadt Ingolstadt für Inklusion, Familien und Integration.

Die Geschichten können pünktlich zum Tag der Muttersprache am 21. Februar auf der Internetseite der Koordinierungsstelle Familienbildung auf familienbildung.ingolstadt.de angehört werden und sind auch auf den Internetseiten der Beauftragten zu finden.

Die Geschichtenerzählerin Ulrike Mommendey erzählt zwei Geschichten für Kinder und Erwachsene. Die Geschichten werden vom Gebärdendolmetscher Hristo Trajkovski begleitet. Er ist selbst taub. Die Gebärdensprache ist für ihn die Muttersprache.

Die erste Geschichte mit dem Titel Einheit in der Vielfalt (Dauer ca. 5 Minuten) richtet sich an Kinder ab 8 Jahren und an Erwachsene. In der Geschichte geht es darum zu zeigen, wie es zu Missverständnissen oder sogar zu Streit kommen kann, wenn man nicht auf andere Menschen zugeht bzw. nicht versucht miteinander zu kommunizieren.

Die zweite Geschichte (Dauer ca. 2 Minuten) basiert auf einer alten Erzählung des griechischen Philosophen Sokrates und thematisiert den unreflektierten Konsum von Nachrichten und Informationen.

Die beiden Geschichten wollen nicht nur unterhalten, sondern sollen auch den einen oder anderen Impuls zum Nachdenken geben. Denn eines ist sicher, ohne Sprache wäre unser aller Leben sehr einsam.

Den Beauftragten Angela Weingärtner, Inge Braun und Ingrid Gumplinger sowie Bettina Strobel von der Koordinierungsstelle ist es ein großes Anliegen, auf diesen wichtigen Tag aufmerksam zu machen und auf die weitreichende Bedeutung der Muttersprache in der Familie, Kindergarten und Schule und deren identifikationsweisende Wirkung hinzuweisen. Da eine Veranstaltung wie sie in den Jahren vor Corona stets angeboten wurde, in diesem Jahr leider wieder nicht in der gewohnten Art und Weise in Präsenz stattfinden kann, wurde dieses Online-Angebot ins Leben gerufen, um den Tag der Muttersprache entsprechen zu würdigen.