Geburtenstarke Stadt
Ingolstadt nimmt Sonderrolle ein
„Zeit für Nachwuchs? Geburtenentwicklung, Fertilität und Mütteralter im regionalen, nationalen und europäischen Vergleich“, lautet der Titel einer aktuellen Analyse des Sachgebiets Statistik. Sie zeigt, dass Ingolstadt in diesen Bereichen eine Sonderstellung einnimmt.
Auffällig ist, dass Ingolstadt seit der Jahrtausendwende durchgehend höhere Geburtenzahlen aufweist als die umliegenden Landkreise und andere bayerische Großstädte. Im Jahr 2024 lag die Stadt gemeinsam mit München auf Platz eins. Während die Geburtenrate überall sank, verzeichnete Ingolstadt mit minus 6,1 Prozent einen der geringsten Rückgänge.
Seit Ende der 1990er Jahre sinkt die Geburtenraten in ganz Bayern mit einer Ausnahme: In Ingolstadt stabilisierte sie sich auf einem höheren Niveau. Im Jahr 2024 lag die Stadt mit 10,3 Geburten pro 1.000 Einwohner über den Werten aller bayerischen Regierungsbezirke. Auch im Bundesvergleich liegt Ingolstadt vorn und hat höhere Werte als jedes andere Bundesland, einschließlich Hamburg und Berlin.
Europaweit sinkt die Geburtenrate seit 2013 kontinuierlich – nicht so in Ingolstadt. Die Stadt erreichte 2018 und 2021 sogar kurzzeitig deutlich höhere Werte als der europäische Durchschnitt.
Die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR) gibt an, wie viele Kinder Frauen im Laufe ihres Lebens durchschnittlich bekommen. Ein Wert von 2,1 wäre notwendig, um die Bevölkerung ohne Zuwanderung stabil zu halten. Ingolstadt bleibt auch hier häufig im Spitzenbereich. Im Jahr 2024 lag die TFR in der Region zwischen 1,45 und 1,56.
Im Städtevergleich fällt Ingolstadt ebenfalls auf. Während andere Großstädte teils zweistellige Rückgänge verzeichneten, sank die TFR hier in zehn Jahren nur um 3,2 Prozent.
Europaweit ordnete sich die Stadt im Jahr 2023 in einer ähnlichen Kategorie wie Länder wie Kroatien, Belgien oder Nordmazedonien ein – deutlich über dem deutschen und leicht über dem europäischen Durchschnitt.
Mütteralter: Ingolstadt holt auf
Das Alter der Mütter bei der Geburt steigt seit Jahren – in ganz Europa und auch in Ingolstadt. Mit 32,1 Jahren liegt die Stadt fast auf dem Niveau der bayerischen und deutschen Durchschnittswerte. Im Großstadtvergleich befindet sich Ingolstadt 2024 im Mittelfeld: Die Mütter sind jünger als in München (33,5 Jahre), ähnlich alt wie in Augsburg und Würzburg.
Europaweit zählen Irland und Spanien zu den Ländern mit den ältesten Müttern. Mit 32,1 Jahren liegt Ingolstadt im oberen europäischen Drittel und damit knapp über dem deutschen Bundesdurchschnitt.
Ursachen der Entwicklungen
Die besondere Geburtenentwicklung Ingolstadts lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Beispielsweise bleibt der Anteil an Frauen im gebärfähigen Alter in Ingolstadt stabiler und höher als in den Vergleichsgebieten. Zudem verbindet Ingolstadt städtisches Leben mit ländlichen Strukturen – ein Faktor, der Einfluss darauf hat, dass sich die die Fertilität erhöht und das Mütteralter sinkt. Darüber hinaus spielt die Migration eine Rolle. Nach der Wiedervereinigung sowie durch Zuzüge in den 2010er Jahren wuchs Ingolstadt überdurchschnittlich. Junge Menschen kamen zum Studieren oder Arbeiten und blieben, um Familien zu gründen.
Die Rahmenbedingungen – wirtschaftlich wie gesellschaftlich – haben Ingolstadt zu einem attraktiven Standort für junge Familien gemacht. Auch wenn Ingolstadt aktuell vor großen Herausforderungen steht, ist diese demografische Dynamik kein Zufall, sondern das Ergebnis einer besonderen Kombination aus Bevölkerungsstruktur, Migration, Arbeitsmarktlage und Lebensqualität.
Der vollständige Bericht zur Geburtenentwicklung, Fertilität und Mütteralter ist auf der Homepage der Stadt Ingolstadt verfügbar.
