Seiteninhalt

Hämer-Bau ist ein Sanierungsfall. Wie geht's weiter?

Der Hämer-Bau mit Stadttheater und Festsaal ist ein zentraler Ort für Kultur, Bildung und Begegnung – und ein Wahrzeichen der Stadt. Doch das Gebäude aus den 1960er-Jahren ist dringend sanierungsbedürftig. Technik, Brandschutz, Energieversorgung: Vieles ist veraltet oder nicht mehr betriebssicher.

Aufgrund der aktuellen Haushaltslage ist die Sanierung des Hämer-Baus im Moment aber nicht möglich. Es ist noch nicht absehbar, wann die Planungen zur Sanierung fortgesetzt werden können. Auch wenn zunächst noch offen ist, wie es hier unmittelbar weitergeht, besteht für die generelle Zukunft des Gebäudes in Politik und Verwaltung Konsens: Theater und Festsaal im Hämer-Bau sind zentrale Bestandteile des kulturellen Lebens in Ingolstadt und auf Dauer nicht verzichtbar.

Diese Seite erklärt, warum die Sanierung notwendig ist und wie sich der aktuelle Sachstand darstellt.

1. Was bedeutet der Hämer-Bau für Ingolstadt?

Der Hämer-Bau, der das Stadttheater und den Festsaal beheimatet, ist mehr als ein Ort für Schauspiel: Es ist ein identitätsstiftender Kulturraum und ein Begegnungsort für Menschen aller Generationen und Milieus. Und das seit nunmehr 60 Jahren. Pro Jahr besuchen rund 100.000 Menschen die Theateraufführungen. Das Junge Theater ist eine feste Größe in den Stundenplänen der Ingolstädter Schulen. Es erreicht mit seinen sowie mit den Angeboten der künstlerischen Vermittlung rund 50.000 Besucher und Teilnehmer, darunter etwa 35.000 Kinder und Jugendliche.

Der Festsaal wird an weit über 200 Tagen pro Jahr genutzt für Konzerte, Tagungen, Schulveranstaltungen, Sportevents, Bälle, Kabarettabende und Empfänge. Er verzeichnet rund 130.000 Besucher jährlich. Die Stadt hat mit dem Festsaal ihren einzigen eigenen großen Saal, der Veranstaltungen bis zu einer Größe von rund 1.300 Personen möglich macht.

Nicht zuletzt werden auch andere Räume, Säle und das Theaterfoyer für viele Tagungen, Kongresse und Besprechungen genutzt. Das Gebäude erfüllt also im städtischen Alltag sehr viele Funktionen, die mit der Schließung wegfallen.

Darüber hinaus ist der charakteristische Hämer-Bau ein herausragender Bestandteil der Ingolstädter Stadtkulisse und steht zu Recht unter Denkmalschutz. Das Gebäude in Sichtbeton ist ein Zeugnis der Entwicklung der Stadt Ingolstadt. Die architektonische Qualität führte dazu, dass das Modell im Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1967 einem internationalen Publikum präsentiert wurde.

2. Ist Theater ein Luxus - oder eine wesentliche Aufgabe der Stadt?

Das Stadttheater ist kein Luxus, sondern Teil des öffentlichen Kultur- und Bildungsauftrags. Bayern ist ein Kulturland, so steht es in Artikel 3 der Bayerischen Verfassung. Der Staat und seine Kommunen haben den Auftrag, „die kulturelle Entwicklung zu fördern und das kulturelle Erbe zu schützen“. Theater gehören dazu: Sie ermöglichen Teilhabe, Bildung, ästhetische Erfahrung und sind Orte gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Theater sind Räume für gemeinsames Erleben, kritisches Denken und kulturelle Identität.

Ohne sie verliert eine Stadt nicht nur ein Gebäude, sondern ein Stück Seele. Ein breit aufgestelltes Kulturangebot ist darüber hinaus auch ein wichtiger Standortfaktor und begünstigt die Gewinnung von neuen Fachkräften.

3. Warum muss es jetzt saniert werden?

Das Gebäude ist über 60 Jahre alt, viele technische Anlagen stammen noch aus der Bauzeit. Diese sind veraltet, Ersatzteile nicht mehr beschaffbar, die Betriebssicherheit nur durch Notlösungen und Ausnahmen vor dem Hintergrund der baldigen Sanierung gewährleistet. Daher ist ein Weiterbetrieb des Gebäudes über das Jahr 2027, wenn überhaupt, nur mit enormen und verlorenen Aufwendungen denkbar. Denn: Um das Stadttheater betreiben zu können, sind laufende Sicherheitsprüfungen unter anderem der technischen Anlagen (u.a. Brandschutz, Sicherheitstechnik, Lüftung, elektrische Anlagen, Bühnentechnik, Rohrleitungsnetz) und der Statik notwendig. Können gravierende Mängel (u.a. aufgrund fehlender Ersatzteile) nicht behoben werden, erlischt die Betriebserlaubnis für die jeweilige Anlage. Ohne sie ist aber ein Gebäudebetrieb insgesamt nicht mehr möglich. So stellt sich die Situation derzeit dar und macht eine Sanierung des Gebäudes für eine weitere Nutzung notwendig.

Die Schäden an Beton, Elektrik, Lüftung und Brandschutz sind so gravierend, dass ein dauerhafter Spielbetrieb nicht mehr verantwortbar ist.
Die Schäden an der Sichtbetonfassade schreiten laufend voran, die Undichtigkeiten bei den Dächern, Balkonen und Terrassen führen zu einer Schädigung der Bausubstanz. Diese Schädigungen verlaufen nicht linear, sondern exponentiell.

Wichtig ist: Es handelt sich nicht um eine „Luxussanierung“. Es geht nicht um erhöhten Komfort oder zusätzliche Technik, sondern um das baulich und betrieblich Notwendige – damit der Betrieb von Theater und Festsaal überhaupt wieder dauerhaft möglich wird, die Gebäudesubstanz erhalten wird und die technischen Einbauten auf einen betriebssicheren und zukunftsfähigen Stand gebracht werden.

4. Warum ist die Sanierung so teuer?

Der Hämer-Bau ist ein großes, komplexes Gebäude, das sich über neun Ebenen, vom Technikkeller bis zum Bühnenturm erstreckt. Für die Besucher, die das Gebäude nur von außen sehen, sind weder die Ausmaße noch der Gesamtzustand erkennbar.
Ein paar Kennzahlen zum Gebäude:

  • Bruttorauminhalt von rund 99.800 Kubikmeter
  • Bruttogrundfläche von 23.510 Quadratmeter
  • Sichtbetonfassade 4.981 Quadratmeter
  • Pfosten-Riegel Glasfassade 801 Quadratmeter
  • Holzfenster 292 Stück
  • Bleidachverkleidung 2.405 Quadratmeter
  • Pflasterbeläge auf Terrassen und Balkonen 3.955 Quadratmeter

Die geschätzten Kosten resultieren aus dem umfassenden Sanierungsbedarf: Die gesamte technische Gebäudeausstattung – Heizung, Lüftung, Elektrik, Bühnen- und Sicherheitstechnik – ist veraltet (teils noch aus der Bauzeit) und muss ersetzt werden. Dazu kommen Schäden an der Bausubstanz, die Sanierung der Sichtbetonflächen, energetische Maßnahmen, Barrierefreiheit sowie der Denkmalschutz und Urheberrecht.

Die Kosten ergeben sich aus dem inzwischen altersbedingt schlechten Zustand des Gebäudes, aktuellen gesetzlichen Vorgaben und der Komplexität des denkmalgeschützten Bestands.

5. Wie zuverlässig sind diese Kostenangaben?

Große Bauprojekte werden schrittweise geplant, nach den Leistungsphasen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure). Die aktuelle Zahl von 180 Millionen Euro ist eine Kostenschätzung auf Basis der Vorplanung (Leistungsphase 2). Sie beruht auf Flächenmodellen, Erfahrungswerten, ersten Plänen und angenommenen Baukosten. Da die Bauleistungen zu einem späteren Zeitpunkt erbracht werden, wurde dies indiziert, um die zu erwartenden Baupreissteigerungen abzubilden (21,5 Millionen Euro).

Da zum Ende der Leistungsphase 2 noch Informationen fehlen und weitere Untersuchungen nötig sind, wurde ein Risikobudget in Höhe von 40 Millionen Euro gebildet. Dieses gilt es in den folgenden Leistungsphasen zu bewerten und zu reduzieren.

Die in der Beschlussvorlage aufgezeigten Kosten zeigen einen realistischen Kostenrahmen für die notwendige Sanierung inklusive Nebenkosten.

Bitte beachten Sie: Hierbei sind noch keine Fördermittel berücksichtigt.

Mit der nächsten Stufe, der Entwurfs- und Genehmigungsplanung (Leistungsphasen 3 und 4), wird das Projekt deutlich konkreter: Räume, Funktionen, Materialien, Technik, Energiebedarf und Bauabläufe werden genau durchgeplant. Daraus entsteht eine belastbare Kostenberechnung, die Grundlage für den Förderantrag und einen endgültigen Beschluss des Stadtrats ist.

Erst dann wird verbindlich entschieden, ob und wie saniert wird. Das ist ein üblicher und bewährter Prozess bei öffentlichen Großvorhaben – damit verantwortungsvoll und auf belastbarer Grundlage über hohe Investitionen entschieden werden kann.

6. Wie hoch ist der städtische Eigenanteil - und wie viel Fördergelder gibt es?

Das stichhaltig zu erheben, dafür dient der vorliegende Grundsatzbeschluss im Juli 2025. Grundsätzlich könnten bis zu 75 Prozent der förderfähigen Kosten vom Freistaat übernommen werden (nach Art. 10 BayFAG). Die genaue Höhe hängt aber vom Umfang der Maßnahme, der Antragstellung und der Einordnung des gesamten Gebäudekomplexes ab. Um die Fördermittel beantragen zu können, ist es nötig, eine detaillierte Planung (Leistungsphasen 3 und 4) vorlegen zu können. Dabei werden auch weitere Förderoptionen geprüft, zum Beispiel durch die Bundesregierung und das Landesamt für Denkmalpflege.

7. Sachstand Sanierung Hämer-Bau 2026

Der Hämer-Bau feiert 2026 sein 60-jähriges Bestehen – ein Jubiläum, das die Stadt Ingolstadt mit Stolz und Freude begeht, weil Theater und Festsaal seit Jahrzehnten eine herausragende Bedeutung für die Stadtgesellschaft haben. Auch wenn zunächst noch offen ist, wie es hier unmittelbar weitergeht, besteht für die generelle Zukunft des Gebäudes in Politik und Verwaltung Konsens: Theater und Festsaal im Hämer-Bau sind zentrale Bestandteile des kulturellen Lebens in Ingolstadt und auf Dauer nicht verzichtbar.

Aufgrund der aktuellen Haushaltslage ist die Sanierung des Hämer-Baus im Moment nicht möglich. Es ist noch nicht absehbar, wann die Planungen zur Sanierung fortgesetzt werden können. Auch unter Berücksichtigung möglicher Zuschüsse des Freistaats wären erhebliche Eigenmittel der Stadt erforderlich, die nur über Kredite zu finanzieren wären. Eine Neuaufnahme von Krediten ist in der aktuellen finanziellen Situation nur in sehr begrenztem Umfang und vorrangig für gesetzlich verpflichtende Aufgaben, insbesondere im Bereich des Schulbaus, möglich.

Unabhängig davon arbeitet die Verwaltung weiterhin daran, Voraussetzungen für eine spätere Sanierung des Hämer-Baus zu prüfen und vorzubereiten. Dabei werden unter anderem unterschiedliche Optionen und Rahmenbedingungen betrachtet.
Konkrete Aussagen zu Zeitplan oder Umsetzung sind derzeit nicht möglich.

Das Große Haus des Stadttheaters kann voraussichtlich bis zur Sommerpause 2026 bespielt werden. Ab Herbst 2026 steht das „Theater am Glacis“ als Ausweichspielstätte zur Verfügung.
Der Festsaal kann nach derzeitigem Stand bis Sommer 2027 in Betrieb bleiben. Im Anschluss daran sollen Veranstaltungen in verschiedenen vorhandenen Ausweichstätten stattfinden.

Ab Sommer 2027 wird der Hämer-Bau für den öffentlichen Betrieb vorerst geschlossen.

8. Gibt es während der Sanierung Theateraufführungen sowie eine Ersatzräumlichkeit für Veranstaltungen in Ingolstadt?

Ja. Das Stadttheater hat mit dem "Theater am Glacis" eine temporäre Ersatzspielstätte mit 460 Plätzen. Das Große Haus mit über 660 Plätzen und der für einen normalen Theaterbetrieb notwendigen Bühnentechnik kann damit aber nicht ersetzt werden. Für kleinere Veranstaltungen bieten sich verschiedene Säle und Veranstaltungsräume im Stadtgebiet an.

Für große Veranstaltungen im Festsaal mit über 500 Personen (rund 140 pro Jahr) werden noch Lösungen gesucht. Alle bekannten Liegenschaften (Kaufhof, Exerzierhaus, Halle 9, Maritim, DK-Hallen oder Spiegelsaal Kolpinghaus) wurden bereits gründlich geprüft und sind aus unterschiedlichsten Gründen ungeeignet.


Stand: 16.01.2026